Vichter Pfarrgemeinde feiert Jubiläum

Vichter Pfarrgemeinde : Ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl

Das Jubiläum der katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist haben etliche Vichter gefeiert. Ihnen wird ein großes Zusammegehörigkeitsgefühl bescheinigt, was wieder belegt wurde.

Seit 325 Jahren gibt es in Vicht die katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist. Dieses Jubiläum wurde mit einer Festmesse würdig gefeiert. Schon der feierliche Einzug mit Pfarrer Norbert Bolz, Pfarrer Hans Doncks sowie der Gemeindereferentin Christiane Hartung und den Messdienern in die liebevoll geschmückte Kirche deutete auf etwas Besonderes hin. Die Kirche habe dem Ort das Gepräge gegeben, so Pfarrer Bolz und fragte gleichzeitig, ob das heute auch noch der Fall sei und wie Kirche im 21. Jahrhundert aussehe. Das, was die Kirche auszeichne, sei der Gottesdienst, die karitativen Aufgaben und die Verkündigung. Nur, wenn sich viele engagieren und mitmachen, könne die Kirche leben. Und das war an diesem Morgen nun wirklich der Fall.

Mit vierstimmigen klassischen und modernen Gesängen gestaltete der Kirchenchor Schevenhütte-Vicht unter der Leitung von Agatha Sewera die Festmesse mit. Die Festpredigt hielt Pfarrer Doncks, der 29 Jahre in Vicht und Zweifall und 23 Jahre als Dechant in Stolberg tätig war. Bezugnehmend auf das Evangelium mit dem unehrlichen Verwalter, erklärte er, wie wichtig es sei, die Realität wahrzunehmen, die Gegenwart verantwortungsvoll zu nutzen und glaubwürdig zu leben.

Christiane Hartung und ihr Netzwerk für junge Familien nahmen die Kinder in den Blick. Gemeinsam sangen sie das Lied „Wenn Glaube bei uns einzieht“. Die drei Strophen zwischen den biblischen Aussagen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung wurden für die Jüngsten anhand von Bildern kindgemäß erklärt. Am Ausgang erhielt jeder Gottesdienstbesucher sogar noch einen Magneten mit dem Lied darauf für die Kühlschranktür, eine Erinnerung an einen außergewöhnlichen Gottesdienst.

Die Jubiläumsfeier fand ihre Fortsetzung dann im Pfarrheim. Nach einem Umtrunk hielt der Historiker Professor Dieter Wynands einen spannenden Vortrag über markante Punkte im Leben der Vichter Pfarrgemeinde unter Berücksichtigung der heutigen Situation. Trotz tiefgreifender Veränderungen im Bistum, sei Vicht noch menschenorientiert und habe ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, und das, obwohl die Zahl der praktizierenden Christen rückläufig sei.

Wynands schlug einen Bogen ins 17. Jahrhundert. Es war Antonius Wormbs, der Generalvikar des Kölner Erzbischofs, der aufgrund einer Intensivierung des Glaubens die Pfarrerhebung in Vicht am 1. Juli 1694 vollzogen hatte. Bis dahin gehörte Vicht zur Pfarrgemeinde Lendersdorf und damit zu Düren. Als Pfarrpatron wurde Johannes der Täufer auserkoren. Erster Pfarrer in Vicht war Rektor Jakob Jungen. Er wirkte zwölf Jahre und starb 1707 im Alter von 81 Jahren. Der Historiker befasste sich dann eingehend mit dem elften Pfarrer Julius Rumpen, in dessen Amtszeit von 1908 bis 1928 von 1400 Katholiken 1050 Gläubige den sonntäglichen Dienst besuchten.

Seine Bemühungen in der Seelsorge gefielen bald aber nicht mehr allen. Als die Arbeiterschaft mehr und mehr kommunistisch und sozialistisch wurde, sah Rumpen auch die allgemein sittliche Gefährdung auf Vicht zukommen. Während sein Nachfolger, Peter Oebbecke die NS-Zeit und den Krieg zu bewältigen hatte, übernahm 1950 Alexander Klein die Pfarrstelle. Seine unkonventionelle Art ließ die Pfarrgemeinde weiter schrumpfen. Von 2300 Einwohnern waren nur noch 900 Katholiken. Unter Pfarrer Paul Piontek (1959 bis 1977) wurde der Kirchenchor, der bis 1965 ein reiner Männerchor war, zum gemischten Chor, worauf er bald zum Erliegen kam.

1967 wurde der Marienbildstock aus verkehrstechnischen Gründen entfernt, 1968 fand die erste Vorabendmesse statt und vier Jahre später der Altentag ins Leben gerufen. 1978 übernahm der menschennahe Hans Doncks die Stelle und setzte die Arbeit seines Vorgängers fort. Unter seiner Amtszeit wurde unter anderem der Kirchenchor wieder gegründet. Knapp 30 Jahre später wurde Doncks dann an die Wallfahrtskirche nach Heimbach berufen.

Seit 2007 ist Norbert Bolz in Vicht Pfarrer. Unterstützt wird er von Pater Sylvanus Njurum und Gemeindereferentin Christiane Hartung. Die Frage, wie sich der Rückgang der Katholiken aufhalten lasse, beantwortete Wynands mit einem Zitat von Hermann Hesse „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“