Stolberg-Vicht: „Vichter Klassikkonzert“ in der Kirche St. Johann Baptist

Stolberg-Vicht: „Vichter Klassikkonzert“ in der Kirche St. Johann Baptist

So langsam wird aus der Neuerung ein etabliertes Angebot: Zum dritten Mal fand jetzt in der Kirche St. Johann Baptist ein „Vichter Klassikkonzert“ statt. Die Geiger Hans Otto Horch und Roswitha Kuhnen boten zusammen mit der Bratscherin Susanne Trinkaus und dem aus dem Ort stammenden Cellisten Wolfgang Boettcher ein Hörvergnügen mit Niveau — Bachs „Kunst der Fuge“ in einer Version für Streichquartett.

Musikalisch wie intellektuell bewegten sich die vier Künstler vom ersten Akkord bis zum letzten auf durchweg hohem Niveau. Dabei geht es nicht so sehr um Genauigkeit und Finesse ihres Zusammenspiels. Das nämlich stand im Dienst einer höheren Sache: Immer wieder ging es darum, die feinen Webmuster der 14 Fugen und vier Kanons, die die Sammlung bilden, deutlich zu machen, ihre Strukturen offen zu legen.

Das taten Horch, Trinkaus, Kuhnen und Boettcher mit einer unglaublichen Feinheit, die Klänge und Tonlagen der Instrumente mit einander wie die Fäden in einem Tuch verkettete. Auffallend an dem Spiel der vier Interpreten im Altarraum der Kirche war die große Hingabe, die solistische Eigenheiten zugunsten eines durchscheinenden Gesamtklangs zurückdrängte und das große Ganze über das Vorzeigen der eigenen Virtuosität stellte.

Die Herangehensweise des Quartetts wirkte zutiefst werkdienlich. Wer genügend Konzentration mitbrachte, der konnte bei diesem Konzert zum Wohle der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und des Fördervereins des Vichter Gotteshauses ganz genau heraushören, wie Bach vor rund 270 Jahren die Kostbarkeiten seiner „Kunst der Fuge“ konstruiert, poliert und geschliffen hat.

Zum Hörgenuss wurde das Konzert auch durch die hinführenden Worte von Hans Otto Horch. Nach der Begrüßung durch den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, Rudi Dreuw, machte der Germanist seine Zuhörer mit Bachs Werk bekannt.

Nicht gerade einfach

Dass der Titel „Kunst der Fuge“ nicht von Bach stammt, das Werk dahinter nicht für ein bestimmtes Instrument komponiert worden ist und von seiner Form her „alles andere als einfach“ ist: Das alles und noch mehr erfuhren die Klassikfans in der Kirche aus seinem berufenen Mund.

Dabei lag es auf der Hand, dass die Veranstalter mit ihrem Angebot einem wirklichen Bedürfnis des Publikums entsprochen haben: Auf den Kirchenbänken von St. Johannes Baptist im Hauptschiff war bei Beginn nicht ein einziger Platz mehr frei.