Stolberg-Vicht: VfL Vichttal: Zwischen Profi- und Dorfclub

Stolberg-Vicht: VfL Vichttal: Zwischen Profi- und Dorfclub

Wer ein Schiff bauen will, solle die Sehnsucht nach dem endlosen Meer lehren, bediente sich Manfred Pomp eines großen Zitats, um seine ebenso großen Vorhaben bei seinem neuem Arbeitgeber, dem VfL 08 Vichttal, zu verdeutlichen.

„Und meine Sehnsucht, das ist der Jugendfußball”, wurde der 47-jährige neue Jugendkoordinator konkreter.

Der Verein vollziehe eine noch nie dagewesene und ebenso rasante Entwicklung, begründete Jugendleiter Herbert Meier die Schaffung dieses neuen „Vollzeitjobs” bei den „Blau-Weiß-Schwarzen” als weiteren logischen Schritt in Richtung Kontinuität und Professionalität.

Zudem gingen die nun zu stemmenden Aufgaben weit über die vom Jugendvorstand zu leistenden Aufgaben hinaus. Zwar wertet Meier die Verpflichtung Pomps als „Meilenstein für die Entwicklung der Vichttaler Jugendabteilung”, doch als „Messias oder Wunderprediger” will der Ex-Fußballprofi nicht verstanden werden.

Pomp absolvierte 25 Einsätze in der Jugendnationalmannschaft und 17 Profispiele für Bayer Leverkusen und Union Solingen. Eine schwere Verletzung, die zur Sportinvalidität führte, bedeutete jedoch das jähe Ende der Profikarriere, so dass sich Pomp umorientierte und weiterbildete. Er beriet Firmen und namhafte Mannschaften, darunter Schalke 04, Alemannia Aachen und die Handballnationalmannschaft, in Sachen Personalentwicklung und Teambildung, um aus den Angestellten wie auch den Profifußballern die optimale Leistung heraus zu kitzeln.

Nun soll Pomp die Zukunft der Jugendabteilung auf dem Dörenberg vorantreiben und an einer gemeinsamen Ausrichtung des Vereins feilen. „Unser Ziel muss es sein, dass die guten Spieler aus der Region von alleine zu uns kommen, weil sie wissen, was wir ihnen zu bieten haben”, sagt Pomp. Die Grundlagen dafür sind beim VfL nach Ansicht des erfahrenen Fußballexperten bereits vorhanden.

Profil und Infrastruktur

„Der Verein bietet ein Profil und eine erstklassige Infrastruktur”, schilderte Pomp bei seiner Vorstellung vor Spielern und Trainern im „Vichter Landhaus” seine ersten Eindrücke. Nun gelte es, die Aufbauarbeit von unten zu gestalten und eine einheitliche Handschrift und Spielphilosophie zu entwickeln. Einer antiquierten Nachwuchsförderung à la „den Größten ins Tor und den Schnellsten nach vorne, um diesen dann mit langen Bällen zu füttern” erteilte Pomp eine klare Absage.

Gefragt seien Kurzpassspiel, Taktik- und Spielverständnis und die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Spielers. Ebenfalls positiv wertete Pomp die Aufstiege von gleich fünf Jugendteams in die höheren Leistungsklassen und den Gewinn zahlreicher Stadtmeistertitel.

Um jedoch langfristig erfolgreich zu bleiben, sollen nun gemeinsam mit den Trainern konkrete Lernziele und Trainingsinhalte für alle Altersklassen definiert werden.

Ehrgeizige Ziele

Trotz dieser ehrgeizigen Ziele möchte der Verein aber vor allem eines bleiben: ein Dorfverein, der Kindern aus Vicht und Zweifall ein sportliches Zuhause bietet. „Vor allem in den untersten Altersklassen, bei den Bambini, der F- und E-Jugend, legen wir darauf großen Wert”, betonte Herbert Meier die soziale Verantwortung des Vereins. Den Spagat zwischen Dorfverein und Professionalisierung der eigenen Jugendabteilung sieht auch Manfred Pomp unkritisch.

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