Stolberg: Verwendung des alten Friedhofskreuzes ist nicht bekannt

Stolberg : Verwendung des alten Friedhofskreuzes ist nicht bekannt

Im Hang des Burgberges liegt der im 16. Jahrhundert entstandene ehemalige Friedhof der katholischen Pfarrgemeinde St. Lucia. Blickfang ist dort ein Hochkreuz aus Blaustein.

Es wird als Stationskreuz bezeichnet. Ein Stationskreuz ist ein überwiegend im Außenbereich liegendes Kruzifix, das als Station eines Kreuzweges dient oder an dem im Verlaufe einer Prozession ein Segen erteilt wird.

Die Nutzung und Verwendung des wahrscheinlich im 18. Jahrhundert entstandenen alten Friedhofskreuzes ist ungeklärt. Prozessionen fanden in der Pfarre St. Lucia im 18. Jahrhundert nicht nur anlässlich des Fronleichnamstages, sondern auch am Kirchweihfest am zweiten Sonntag nach Ostern und am Markustag im April statt. Vermutlich wurde zu diesen Anlässen das ehemalige Friedhofskreuz als Segensstation genutzt.

Schließlich enthält das alte Kruzifix im mittleren Bereich eine so genannte Muschelnische: eine halbrunde, kleine Vertiefung, die man für die vorübergehende Aufstellung der Monstranz, mit der der Segen erteilt wurde, nutzen konnte. Erstmals erwähnt wird das Stationskreuz im Jahr 1783.

„Fiebrige Seuche“

Damals herrschte in Stolberg eine als „fiebrige Seuche“ bezeichnete Epidemie, die 23 Todesopfer forderte. Zu den Opfern der Seuche, bei der es sich wohl um eine Influenza, einer echten Grippe handelte, gehörte auch der als Pfarrer tätige Kapuzinerpater Serapion. Er hatte sich bei einem Kranken angesteckt. Begraben wurde der Priester aber nicht wie damals üblich in der Kirche, sondern zu Füßen des Kreuzes auf dem Friedhof.

Man fürchtete eine von dem Leichnam ausgehende Ansteckungsgefahr. Das Kreuz besteht aus zwei Teilen. Die mit reicher Symbolik ausgestatteten Kreuzarme waren vermutlich Teil eines anderen Monumentes. Die Nahtstelle ist nicht zu übersehen. Der Friedhof ist 1555 entstanden. Damals wurde im Hang hinter der Burgkapelle - die Kirche St. Lucia ist aus einem zur Burg gehörendem kleinen Gotteshaus hervorgegangen - eine Begräbnisstätte eingerichtet.

Spätere Erweiterungen der Kirche, unter anderem die Baumaßnahmen unter Pfarrer Roland Ritzefeld im Zeitraum zwischen 1851 und 1859, führten dazu, dass der Friedhof große Flächen einbüßen musste. Neues Terrain gewann man, indem man in der Folgezeit den Kauf von angrenzendem Gartengelände tätigte. Doch im späten 19. Jahrhundert wurde der Friedhof aufgelöst. Denn 1879 hatte die Stadt Stolberg an der Bergstraße einen neuen, großen Zentralfriedhof eingerichtet.

Später ging das alte Friedhofsgelände in das Eigentum der Stadt Stolberg über. Sie ebnete das verlassene Gräberfeld ein und schuf daraus eine Parkanlage. Im Rahmen der Altstadtsanierung Mitte der 1980er Jahre erhielt die öffentliche Grünanlage eine andere Gestaltung: neue Wege, Rasenflächen und Stützmauern entstanden. Nur das alte Hochkreuz erinnert heute an die einstige Verwendung als Kirchhof der katholischen Pfarrgemeinde St. Lucia.

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