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Stolberg: Verwaltungs-Verkabelung für 500.000 Euro?

Stolberg : Verwaltungs-Verkabelung für 500.000 Euro?

Solange man im Rathaus-Turm die Deckenverkleidung nicht anpackt, ist alles in Ordnung, sagt die Verwaltung. Wird sie geöffnet, um Leitungen zu ziehen, wirds gefährlicher.

Zumindest sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Bauarbeiter erforderlich, falls den Mineralfaser-Matten in der Deckenverkleidung zu Leibe gerückt wird.

Das gilt als kosteninteniver und schwer zu kalkulierender Punkt bei einer geplanten neuen Verkabelung der Stadtverwaltung. Dass sie mit fortschreitender Zeit dringender erforderlich wird, daran ließ die Verwaltung im Bauausschuss keinen Zweifel aufkommen. Die technischen Voraussetzungen für Bürokommunikation haben ihren Zenit längt überschritten und sind nicht mehr zukunftsweisend ergänzbar.

Leitungsnetz überlastet

Darüber hinaus ist das Netz überlastet, an das benötigte Geräte gar nicht oder nur über fehlerträchtige Behelfslösungen angeschlossen werden können. „Je länger wir warten, um so schwieriger wird es”, machte Michael Weniger vom Hauptamt deutlich auf die Nachfrage von Dieter Wolf (SPD) nach der Notwendigkeit einer Neuverkabelung der Stadtverwaltung in Zeiten, in denen kein Geld für Wünschenswertes vorhanden ist.

Das vorgestellte Gutachten des Beratungs-Unternehmens ComConsult aus Oberforstbach kennzeichnete das vorhandene Leitungsnetz denn auch als aussterbende Art ohne Zukunft. Empfohlen wurde eine komplette Neuverkabelung und ein Wechsel von der veralteten Übertragungstechnik „Token Ring” auf „Ethernet”, das ComConsult als verbreitet, kostengünstig und innovativ bezeichnete. Eine neue Technik biete den Vorteil, dass für Technikschränke genutzte Büros frei würden für ihren eigentlichen Bedarf.

Das neue Konzept sieht im Lagerraum der Druckerei im Rathauskeller und in der Poststelle Technikräume sowie als Server-Standort den umgebauten ehemaligen Chemikalienraum der Druckerei vor. Darüber hinaus könnten in zwei Jahren beim Auslaufen des Vertrags über die vorhandene Anlage auch neue Telefone über die PC-Leitungen angeschlossen werden.

Um nicht die kompletten Deckenverkleidungen der Rathaus-Flure bei einer Neuverkabelung wegen der Mineralfaser-Matten sanieren zu müssen, schlägt ComConsult vor, die Leitungen durch die Zwischendecken der Büros zwischen Beleuchtung und Fenster zu verlegen. Dies biete den Vorteil des geringeren Aufwands, während die hygienisch einfachste Methode ausscheide: Die tragenden Betonpfeiler des Rathausturms stünden dem Verlegen von Kabelschächten entlang der Außenwände im Wege.

Unter dem Strich biete das Konzept den Vorteil einer auf Jahre zukunfts- und ausbaufähigen Technik.

Optischer Richtfunk

Dies hat allerdings auch seinen Preis, den ComConsult auf rund 541.000 Euro kalkulierte. Hinzu kämen monatliche Kosten für den Anschluss der Außenstellen Villa Lynen, Grüntalstraße, Kulturzentrum, Feuerwache und Betriebshof. Empfohlen wurde Laser gestützter optischer Richtfunk, der mit 3394 Euro Brutto die optimalste, aber auch die teuerste Lösung ist. Eine kabellose lokale Netzwerk-Lösung würde bei 1027 Euro, die Anmietung einer leistungsstarken Leitung 947 Euro pro Monat kosten.

Eine Entscheidung über eine Neuverkabelung ist allerdings noch nicht gefallen. Die Verwaltung will die neuen Erkenntnisse in einer Vorlage aufbereiten und dann den Haupt- wie auch den Bauausschuss erneut bemühen.