Vadim Siechwardt (Stolberger TG) ist Vorsitzender des Bundesverbandes

Mehrfacher Titelträger : Stolberger ist deutscher Kettlebell-Chef

Ohne Vadim Siechwardt wäre die Stolberger Turngemeinde wohl um eine Sportart ärmer: um den Kettlebell-Sport. Der in Russland sowie den ehemaligen Sowjetstaaten beliebte Sport fällt in Deutschland eher in die Kategorie „unter ferner liefen“, doch in der Kupferstadt gehört Kettlebell mittlerweile fest zum sportlichen Gesamtprogramm dazu. Nun ist mit Vadim Siechwart ein Stolberger Vorsitzender des Bundesverbandes.

Dabei gibt es die Kettlebell-Abteilung der Sportgemeinde erst seit ungefähr dreieinhalb Jahren. Der Sport ist in Stolberg schnell akzeptiert worden, das zeigt auch die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften 2017 und 2018, sowie die Europameisterschaft im vergangenen Mai. Mehr als 260 Sportler aus 23 Nationen reisten an.

Vadim Siechwart wurde damals in der Gesamtwertung Zweiter. Das ist nur ein Ausschnitt aus seiner Karriere: Mehrfach belegte er bei den Deutschen Meisterschaften erste Plätze. Auch bei der Deutschen Meisterschaft im August dieses Jahres war er erfolgreich. Er holte sich den Titel als deutscher Meister der Senioren im Biathlon mit den Amateurgewichten (24 Kilogramm pro Kettlebell). Zusätzlich war er über alle Körpergewichts- und Kettlebellklassen der beste Biathlet.

Einer seiner größten Erfolge: Im vergangenen Jahr sicherte er sich den Titel bei der Weltmeisterschaft in Litauen in der Teildisziplin Biathlon in der Gewichtsklasse bis 95 Kilogramm. Biathlon bedeutet, dass ein Teilnehmer sowohl im Reißen als auch im Stoßen antritt – ähnlich wie beim Gewichtheben.

Bis zum Titel war es ein langer Weg: Seinen ersten Wettbewerb bestritt Siechwardt bereits vor über 20 Jahren: 1995. Damals war er 14 Jahre alt und lebte noch in Kasachstan. Als kleiner Junge hatte ihn ein Mann in dem Dorf, in dem er lebte, sehr imponiert. Der Mann trainierte mit dem Kettlebell, zu deutsch Kugelhanteln, war groß und stark.

So wollte auch Vadim Siewardt werden. 2003 zog er nach Deutschland und brachte den Sport mit in seine neue Heimat. Heute ist er nicht nur in Wettbewerben für seinen Sport aktiv, er ist auch Ansprechpartner der Kettlebell-Abteilung der Stolberger Turngemeinde.

Der Bundesverband der deutschen Kettlebell-Sportler wählte ihn zudem Sonntag zum Präsident. „Man fühlt sich gut“, sagt Siegwardt zu seiner neuen Position. Zuvor hatte das Amt Karsten Bollert inne, der aus persönlichen Gründen nicht erneut zur Wahl antrat.

Siechwardt muss jetzt neue Strategien für den Verband entwickeln, der aktuell etwa 160 Mitglieder hat. Gemessen an den 200.000 Mitgliedern, die ein befreundeter Verband aus Russland vorweisen kann, zeigt sich, dass der Sport in Deutschland immer noch eher in den Kinderschuhen steckt.

Auch ein Sport für Frauen

In der Kupferstadt reißen und stoßen aktuell rund 20 Sportler regelmäßig die Sportgeräte. Die Regeln im Wettbewerb sind simpel: Die Kugeln müssen innerhalb von zehn Minuten möglichst oft in die Höhe gestemmt werden. Die Kettlebells dürfen nicht den Boden berühren und müssen sicher über dem Kopf gehalten werden.

Die Sportler der Turngemeinde sind im Kettlebell erfolgreich, auch das zeigte die Deutsche Meisterschaft: Laut Siechwardt benötigt man zum Mitmachen nur „Lust und Laune.“ Aktuell ist das jüngste Mitglied bei den Stolbergern acht Jahre alt, der älteste 54.

In den Wettbewerben gibt es eine breite Altersstruktur: Bei internationalen Wettkämpfen, wie beispielsweise der Europameisterschaft, sind die jüngsten Teilnehmer 13 bis 14 Jahre alt, die ältesten im Normalfall um die 60. Nach Stolberg reiste im Mai sogar ein 82-jähriger Teilnehmer aus Russland an.

Frauen drängen verstärkt in den Sport, der aufgrund seiner Geschichte lange eine reine Männerdomäne war. So wird die Kugelhantel bis heute vom russischen Militär als Trainingsmethode genutzt, und auch in der DDR war sie ein beliebtes Gerät zur Ertüchtigung der Soldaten.

Ganz so streng ist es heute nicht mehr: „In Deutschland und Europa kann man da eine Entwicklung sehen“, erläutert Siechwardt. Dass Frauen zunehmend eine Rolle spielen, zeigen auch die Beschlüsse, die der Bundesverband am Tag von Siechwardts Wahl fasste: In Zukunft werden beim Kettlebell die Titelkämpfe nur noch im Biathlon und im sogenannten langen Zyklus ausgefochten. Das soll zu einer besseren Übersichtlichkeit und Aufwertung dieser Disziplinen führen. So soll es zu einer Gleichstellung von Kettlebell-Sportlerinnen und Sportlern kommen.

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