Stolberg: Ursprünglichkeit des Prachtbaus ist bis heute erhalten geblieben

Stolberg: Ursprünglichkeit des Prachtbaus ist bis heute erhalten geblieben

Wie ein Land- oder Jagdhaus wirkt das Gebäude, das Anfang des 20. Jahrhunderts eine weit über Stolberg hinaus wirkende Firma in Auftrag gab, deren Aktivitäten überwiegend im Erzbergbau und der Metallgewinnung lagen. Schließlich sollten in dem „Beamtenwohnhaus“, das die Adresse Ritzefeldstraße 65 bis 67 führt, die höheren Angestellten der „Rheinisch-Nassauischen Bergwerks- und Hüttenaktiengesellschaft“ untergebracht werden.

Dementsprechend hatte der aus Bergisch Gladbach stammende Architekt Ludwig Bopp, der 1906 mit dem Bau betraut wurde, Auflagen zu erfüllen, die dem repräsentativen Stil der Nutzer zu entsprechen hatten. Dass der Architekt diesen Vorgaben voll und ganz gerecht wurde, stellt nicht nur die äußere Gestaltung unter Beweis, sondern auch die von Bopp geplante Raumaufteilung. So lagen im Erdgeschoss zwei separate große Wohnbereiche, die jeweils aus einem Herrenzimmer, einem Salon, einer Veranda, einem Esszimmer, einer Küche und einer großen Diele bestanden. Schlafräume und Bäder waren im Obergeschoss untergebracht.

Als Herrenzimmer wurden Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts Räume bezeichnet, die Männern vorbehalten waren. Die Einrichtung war in der Regel sehr üppig und luxuriös. Außerdem durfte im Herrenzimmer geraucht werden. Das äußere Bild des stattlichen Gebäudes hat sich in den zurückliegenden mehr als 100 Jahren nur wenig verändert. Lediglich der Bau von Garagen hat Mitte der 1960er Jahre für kleinere Veränderungen gesorgt.

„Zuwachs“ hatte das landhausartige Gebäude schon vier Jahre nach seiner Erbauung bekommen. 1910 errichtete auf einem Nachbargrundstück Otto Thiel das Gebäude, das die Adresse Ritzefeldstraße 63 trägt. Thiel war damals Stadtbaumeister und hat das alte Haus, dessen oberer Giebelbereich von einer Fachwerkkonstruktion gekennzeichnet wird, selbst entworfen.

Das alte Thiel-Haus erfuhr 1977 eine Grundrissveränderung, die den nutzbaren Wohnraum von anfänglich 250 auf nun 360 Quadratmeter erweiterte. Schon Anfang der 1930er Jahre hatte man in der Nachbarschaft des Thiel-Hauses ein weiteres Gebäude errichtet. Auftraggeber des Hauses Ritzefeldstraße 61 war 1932 Hans Gaul, der die Ausführung des Ziegelsteinhauses, das dem Stil der Moderne entspricht, in die Hände des Stolberger Architekten Heinz Braun gelegt hatte. Die drei zuvor beschriebenen Häuser werden von einer Gemeinsamkeit gekennzeichnet: Ihr äußeres Bild entspricht bis zum heutigen Tage weitgehend dem Urzustand.

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