Stolberg: Urkomische Verwechslungen und köstliche Pointen

Stolberg: Urkomische Verwechslungen und köstliche Pointen

Zwei dunkle Gestalten stolpern Müllsäcke tragend durch die Nacht. Die beiden schwarz vermummten Damen mit Taschenlampen kehren von einem Bankraub zurück, bei dem sie drei Millionen Euro erbeutet haben. Unauffällig und elegant wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen erreichen sie die liebevoll gestaltete Bühne im Kulturzentrum Frankental, die das Publikum direkt in die Küche der Familie Schnider führt.

Das Würselener Volkstheater hat die Stolberger Premiere von Rolf Salomons Komödie „Fraulü op Strööef” gegeben. Der Dreiakter wurde von Manfred Merkel in Mundart gesetzt und von Gisela und Hans Schröder bearbeitet. Viele Zuschauer fanden den Weg ins Kulturzentrum, um das heitere Kriminal-Schauspiel zu erleben. Ihnen wurde engagiertes Volkstheater auf hohem Niveau geboten, das die Lachmuskeln gehörig strapazierte.

Komplizin am Tatort vergessen

Erwin Schniders (Bernd Römer) Schweißer-Werkstatt droht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Pleite, und so hat seine Frau gemeinsam mit zwei Freundinnen eine Bank ausgeraubt, um der finanziellen Misere zu entgehen. Kaum mit der Beute zurück in Schniders Küche, stellen sie allerdings fest: Der Bankräuber als solcher hat es auch nicht leicht. Schnider und ihre Freundin Hedi, gespielt von Nadine und Gisela Schröder, bemerken zunächst, dass sie die dritte Komplizin am Tatort vergessen haben. Als die Nachzüglerin Lissi (Hilde Römer) endlich auftaucht, vermissen die Drei dann zu allem Überfluss noch den Schneidbrenner aus Erwins Werkstatt, den sie als Einbruchswerkzeug missbraucht haben. Da dieser ordentlich beschriftet ist, bringt Kommissar Scholz - überzeugend dargestellt von Hans Schröder - das schwere Gerät mit seinem Assistenten (Jos Schäfers) zurück zu den Schniders.

Geplagt vom schlechten Gewissen und der Angst entlarvt zu werden sowie aufgrund ihrer dilettantischenkriminellen Energie verzetteln sich die drei Räuberinnen immer mehr in Widersprüche. Ihre Decknamen, Ausreden und fadenscheinige Erklärungen führen zu urkomischen Verwicklungen. Das gilt erst recht, als auch noch die neugierige Nachbarin (Marlene Bourceau) die Szenerie betritt und den laienhaften Tätern das Leben schwer macht.

Aus Erklärungsnot macht Bankräuberin Hedi eine darstellerische Tugend, indem sie spontan in die Rolle der Olga - von der Wolga - Kosslowski schlüpft. Aus buchstäblich heiterem Himmel fordert schließlich ein italienischer Ganove namens Guiseppe Attoli (Sven Schröder) mit Waffengewalt seinen Anteil an den Millionen, da er zufällig Zeuge der Tat war. Nun ist das Chaos komplett, und die Verwirrung erreicht ihren humoristischen Gipfel.

Im Publikum blieb bei der Stolberger Premiere von „Fraulü op Strööef” kaum ein Auge trocken. Das Würselener Volkstheater begeisterte die Zuschauer mit großer Spielfreude in einer überaus witzigen Komödie. Sympathische Figuren, von überzeugenden Darstellern zum Leben erweckt, und Situationskomik - gepaart mit klassischen Pointen - waren das Rezept des Theatervereins, das vollkommen aufging.

Die gesamte Truppe um die Vereinsvorsitzende Gisela Schröder, die in ihrer Doppelrolle brillierte, wusste kurzweilig zu unterhalten und permanent zu amüsieren. Das Publikum honorierte die gelungene Inszenierung mit reichlichem Szenenapplaus und abschließend mit lang anhaltenden Beifallstürmen.

Das Würselener Volkstheater gastiert noch zweimal im Kulturzentrum Frankental. Am Samstag, 31. Oktober, ist ab 18.30 Uhr Einlass und Beginn um 19.30 Uhr. Am Sonntag, 1. November, öffnet das Kulturzentrum um 17 Uhr die Pforten, und die Vorstellung beginnt um 18 Uhr.

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