Stolberg: Unwetterwarnungen bereiten den Kupferstädtern weiter Sorgen

Stolberg: Unwetterwarnungen bereiten den Kupferstädtern weiter Sorgen

Welches Wetter die kommende Nacht der Kupferstadt bringen wird, das konnte am Donnerstag natürlich niemand vorhersagen. Auch deshalb nicht, weil die Auswirkungen sogar innerhalb des Stadtgebietes von Dorf zu Dorf unterschiedlich ausfallen können.

Aber die Stolberger Feuerwehr ist gewarnt und vorbereitet. Bereits am Morgen trifft die Vorwarnung des Deutschen Wetterdienstes in der Hauptwache an der Kesselschmiede ein: Die Gefahr teils schwerer Gewitter droht. Dabei ist mit heftigem Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde oder um 45 Liter pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden sowie mit Sturmböen bis 75 km/h aus östlichen Richtungen und Hagel mit Korngrößen um zwei Zentimeter zu rechnen. Bis in den Nachmittag hinein bleibt die Lage ruhig.

Die Einsatzkräfte hatten in der Kupferstadt eine Menge zu tun: so auch in Finsterau (oben links und Mitte). An der Eisenbahnstraße war der Pegel gestern bei 1,30 Metern (Foto rechts). 30 Helfer aus Stolberg machten sich gestern nach Dinslaken auf (Foto unten). Foto: Essers

Seit den frühen Morgenstunden sind die Pegelstände an Vicht- und Münsterbach rückläufig. Gegen 11 Uhr kratzen die Fluten der Vicht an der Messstelle der Eisenbahnstraße kaum noch an der ersten wichtigen Marke von 130 Zentimetern....

Die Einsatzkräfte hatten in der Kupferstadt eine Menge zu tun: so auch in Finsterau (oben links und Mitte). An der Eisenbahnstraße war der Pegel gestern bei 1,30 Metern (foto rechts). 30 Helfer aus Stolberg machten sich gestern nach Dinslaken auf (Foto unten). Foto: Lange

Wasserstand fällt

Die Einsatzkräfte hatten in der Kupferstadt eine Menge zu tun: so auch in Finsterau (oben links und Mitte). An der Eisenbahnstraße war der Pegel gestern bei 1,30 Metern (foto rechts). 30 Helfer aus Stolberg machten sich gestern nach Dinslaken auf (Foto unten). Foto: Roeger

In der Nacht zuvor sah die Lage schon bedrohlicher aus. Am Dienstag gegen 23 Uhr überschritt in Mulartshütte der kontinuierlich aufzeichnende Pegel mit 100 Zentimetern die erste Informationsstufe und gegen 3 Uhr die zweite Informationsstufe von 115 cm, um gegen 4.30 Uhr mit 130 cm den Höchststand zu erreichen. Seitdem fällt der Wasserstand stetig. In Mulartshütte liegt er um 11 Uhr bei 85 Zentimetern: Das zeigt, wie viel Wasser zwischen dem Dorf unterhalb von Venwegen und der Mühle in den normalerweise so friedlich vor sich hin plätschernden Bach im Stolberger Tal fließt...

Bereits der Dienstag beschert nach 22 Uhr der Feuerwehr Arbeit. Auf die Straße Waldfriede ist ein Baum gestürzt, der beseitigt werden will. Um 22.20 Uhr wird‘s kritisch in der Finsterau hinter Zweifall. Von den bewaldeten Hängen hinter der Rechtskurve in Richtung Mulartshütte ergießen sich Sturzbäche über die Fahrbahn der Landesstraße 238.

Dort sind Durchlässe für die Siefen verstopft, die durch die Feuerwehr geöffnet werden. Nach mühevoller Arbeit ist die Lage unter Kontrolle gebracht. Erst einmal. Denn gegen 4.45 Uhr sperrt die Polizei die L 238 in Höhe der Zufahrt zu den Tennisplätzen, weil auch dort von den Hängen strömendes Wasser die Fahrbahn flutet. Es sind Einlässe und Leitungen am Fahrbahnrand, die verstopft sind und der Massen nicht Herr werden.

Am Morgen schaufeln Mitarbeiter der Straßenmeisterei des Landesbetriebs den Siefen ein tieferes Bett. Verstopfte Durchlässe im Wald seien die Ursache für den ungewünschten Weg, den das Wasser nehme, sagen sie.

In Höhe der Tennisplätze ist derweil der städtische Kanalbetriebshof im Einsatz, um dem Wasser den Weg durch den Kanal an der Seite und unter der Straße wieder in den Vichtbach zu ebnen. Sie schimpfen über den Landesbetrieb, die Anlagen seien nicht ausreichend gepflegt. Gegen 9.30 Uhr teilt die Polizei mit, dass die Landesstraße zwischen Zweifall und Mulartshütte wieder befahrbar ist.

Lage angespannt

Doch nicht nur in der Kupferstadt ist die Lage derzeit angespannt. Am Donnerstagmittag erreichte die Stolberger Feuerwehr ein Hilferuf aus Köln. Regierungspräsidentin Gisela Walsken hat die Bereitschaft I der Bezirksregierung alarmiert, um an der Hochwasserfront in Hamminkeln im Kreis Wesel Hilfe zu leisten. Dort haben die Unwetter in den vergangenen Tagen besonders große Schäden angerichtet.

Nachdem der Notruf in Stolberg gegen 11 Uhr am Vormittag einging, hatten die Verantwortlichen rund zwei Stunden Zeit, Helfer zu finden und Fahrzeuge zu organisieren, die mindestens für die kommenden 24 Stunden einsatzbereit waren. Die Kupferstadt konnte diese gar nicht so einfache Aufgabe routiniert lösen und schickte nicht nur rund 30 Helfer unter der Leitung des Stolberger Brandoberinspektors Robert Keller, sondern auch zwei Einsatzleitfahrzeuge, einen Mannschaftstransporter sowie ein Hilfeleistungslöschfahrzeug in das Krisengebiet am Niederrhein. Die ersten 24 Stunden können sich die Helfer autark versorgen. Das bedeutet, dass sie mit genügend Lebensmitteln, Wasser und Betriebsstoffen ausgerüstet sind. Die Stolberger haben außerdem noch Aufenthaltszelte und Feldbetten im Gepäck.

Die Helfer der Bereitschaft I stammen jedoch nicht nur aus der Kupferstadt. Jede Bezirksregierung besitzt eine sogenannte Rote Abteilung, die bei Bedarf in anderen Gebieten aushelfen kann. Eine Abteilung wiederum beinhaltet fünf Bereitschaften. In Hamminkeln werden 130 Helfer aus der Städteregion, der Stadt Aachen und dem Kreis Heinsberg im Einsatz sein. Natürlich entbehrt jede Stadt nur so viele Helfer, dass sie selbst nicht geschwächt wird. Unterwegs sind die Einsatzkräfte der Bereitschaft I mit 30 Fahrzeugen sowie drei Lastwagen einer Speditionsfeuerwehr. Ausgerüstet sind sie zudem mit Tauchpumpen, Schmutzwasserpumpen und Motorkettensägen.

Treffen in Weisweiler

Gegen 13 Uhr trafen sich alle Helfer am Donnerstag am RWE-Kraftwerk in Weisweiler und machten sich zunächst gemeinsam auf den Weg nach Dinslaken. Von dort aus sollte es dann nach Hamminkeln gehen. Das Einsatzgebiet könne sich, je nach Bedarf, jedoch auch noch kurzfristig ändern, erklärte Andreas Dovern, Leiter der Stolberger Feuerwehr. Erfahrung konnten die Stolberger Helfer bereits vor zwei Jahren sammeln. Beim Hochwasser in Magdeburg waren sie ebenfalls im Einsatz.

Natürlich waren auch in der Kupferstadt etliche Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Gegen 18 Uhr wurde eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. In der Nacht behielt die Feuerwehr wieder die Pegel im Auge. Werden am unteren Bachlauf die automatischen Warnschwellen überschritten, ist der Pegel der Vicht an der Eisenbahnstraße „für uns der maßgebliche“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Konrads.

Der wird fortan nicht nur kontinuierlich kontrolliert, sondern ab 130 cm wird der Stab für außergewöhnliche Einsätze in der Wache vorbereitet. Von dort aus koordinieren Führungskräfte von Feuerwehr, Verwaltung, Polizei und Technischem Hilfswerk die Einsatzlage. Die Mitglieder werden über den Ernst der Lage informiert, „wann der Stab dann einberufen wird, hängt von der weiteren Entwicklung ab“, sagt der Brandoberinspektor. Wie diese in der Nacht gewesen sein wird, ist am frühen Abend noch nicht bekannt. Gegen 19 Uhr beginnt es zu regnen...

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