Unsicherheit über das Brexit-Abkommen herrscht auch in Stolberg

Brexit-Abkommen : Unsicherheit herrscht auch bei Briten in Stolberg

Der bevorstehende Brexit-Termin macht auch in Stolberg lebenden Briten Sorgen. Wir haben mit Holly Marr aus England und James O´Donnell aus Schottland gesprochen. Welche Auswirkungen hat das Brexit-Abkommen für sie?

Seit rund vier Monaten lebt Holly Marr in Stolberg. Ursprünglich stammt die junge Frau aus Nottingham. Dort studiert sie die Fächer Deutsch und Medien. Im Rahmen ihres Studiums muss sie auch ein Auslandsjahr absolvieren. Momentan unterstützt Marr den Englischunterricht am Goethe-Gymnasium. Eigentlich soll ihr Besuch noch bis Ende Mai dauern. Ob die Britin allerdings so lange bleiben kann, entscheidet sich mit der Brexit-Entscheidung in London. „Ich weiß nicht, ob ich dann noch weiter hier bleiben darf“, sagt sie und blickt eher besorgt in die Zukunft.

Das britische Parlament stimmt am Dienstag – rund drei Monate vor dem geplanten Austritt aus der Europäischen Union – über das Brexit-Abkommen ab. Wie die Entscheidung ausfallen wird, ist nicht absehbar. Eine Situation, die auch etliche Briten, die in Deutschland leben, verunsichern dürfte. Sollte es einen Brexit ohne Abkommen geben, könnte nicht nur Chaos im Luftverkehr drohen.

Auch für Unternehmen könnte es dann Schwierigkeiten wegen Lieferengpässen oder auch Produktionsausfällen geben. Die Angst vor einem Brexit ohne Abkommen wächst also – auch in Stolberg. Insgesamt 74 Menschen aus Großbritannien haben hier ein neues Zuhause gefunden. Das sei der Stand zum 1.1.2019, teilte die Stolberger Verwaltung auf Nachfrage mit. Darunter 45 Männer und 29 Frauen. Können sie nach dem Abkommen noch bleiben?

Holly Marr hat zum Brexit eine Meinung. Foto: Marie-Luise Otten

Die EU-Kommission hat die Mitgliedsstaaten mittlerweile gebeten, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit alle Staatsangehörigen des Vereinigten Königreichs, die sich am Austrittsdatum rechtmäßig in einem Mitgliedsstaat aufhalten, weiterhin als rechtmäßig wohnhaft angesehen werden.  Zudem sollen vorläufige Aufenthaltsdokumente den Bürgern ermöglichen, weiter arbeiten zu können. Holly Marr hofft, dass sie dies in Stolberg auch weiterhin tun kann.

In über 100 Ländern

Im Dezember 2018 hat sich die Studentin beim British Council – eine internationale Organisation für Kulturbeziehungen und Bildungschancen, die in über 100 Ländern tätig ist - für ein Stipendium in Deutschland beworben. Ihr Ziel: Sie wollte ihre Sprachkenntnisse in Deutsch vertiefen.

Über den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) – zuständig für den internationalen Austausch und die internationale Zusammenarbeit im Schulbereich – wurde Marr eine Schule in Stolberg vermittelt. Über das Internet suchte Marr nach einer Wohnung. Seit dem 4. September arbeitet sie nun in Stolberg und hofft, dass sie bis Ende Mai bleiben kann. Schließlich sei die Zeit am Goethe-Gymnasium für sie und ihren beruflichen Werdegang unheimlich wichtig. Ob das weiterhin möglich ist, bleibt abzuwarten. „Bisher habe ich kein Visum gebraucht“, sagt Marr.

James O´Donnell hat zum Brexit eine Meinung. Foto: Verena O´Donnell

Welche Auswirkungen das Abkommen für ihn haben könnte, fragt sich auch James O´Donnell. Er kommt zwar nicht aus England, wurde aber im schottischen Glasgow geboren und lebt seit elf Jahren in Stolberg. Seine Familie hingegen wohnt weiterhin in Schottland. „Ich frage mich schon, ob die Flüge dorthin bald teurer werden und ob das Ein- und Ausreisen viel schwieriger wird“, sagt er. Bereits seine eigene Auswanderung im Jahr 2008 habe er als „schwierig“ empfunden und nennt dafür das Ausfüllen von Formularen sowie die Themen Krankenversicherung und Jobsuche als Gründe.

Mittlerweile ist O´Donnell längst in Stolberg angekommen, hat einen festen Job und erwartet gemeinsam mit Ehefrau Verena Nachwuchs. Doch gerade die Anfänge in Deutschland seien für ihn schwer gewesen. „Damals war es schon schwer hier Fuß zu fassen – und das als EU-Bürger. Für Menschen, die gerne aus Großbritannien wegziehen würden, wird es Zukunft wahrscheinlich noch viel schwieriger“, meint er.

(se)
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