Stolberg: Ungewöhnliche Klänge: koreanische und westliche Orgelmusik

Stolberg : Ungewöhnliche Klänge: koreanische und westliche Orgelmusik

Außergewöhnlich vom Inhalt und von der Ausführung gestaltete sich das dritte Konzert des Internationalen Konzertzyklus auf dem Finkenberg. Hatte doch Initiator Gunther Antensteiner mit der Professorin Moon-Kyung Chae aus Seoul eine in ihrer Heimat Südkorea hoch angesehene erstklassige Organistin gewinnen können, die in diesem Konzert koreanische und westliche Orgelmusik, alte und neue Kompositionen gegenüberstellte.

Dabei standen die Fantasie in G-Dur von Johann Sebastian Bach, zwei Choralbearbeitungen seines Schülers Johann Ludwig Krebs und die 6. Sonate d-Moll op. 65 von Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie auch die Variationen über ein Spiritual des Amerikaners John A. Benke als Beispiele für europäisch geprägte traditionelle Orgelmusik. Im Vergleich dazu gab es zwei religiös motivierte Werke der Koreaner Young-Keun Park und Young-Jo Lee, die sie eigens der renommierten Organistin Chae gewidmet hatten.

Die Interpretin meisterte mit Leichtigkeit und Bravour problemlos und souverän diese stilistische Gratwanderung zwischen so verschiedenartigen Musikwelten, was die Zuhörer aufs Äußerste faszinierte. Das wurde gleich zum Konzertauftakt deutlich, als die Koreanerin die dreiteilige Fantasie von Bach in farbigen Registerklängen interpretierte, hell und klar die Einleitung, sehr differenziert der gravitätische, homophone, fünfstimmige Mittelteil und gar nicht so gedehnt das „Lentement” zum Schluss.

Brilliante Spielkultur

Diese authentisch europäisch barocke Spielweise setzte sich dann Text deutend fort im schlichten wie lebendigen und engagierten Vortrag der beiden Choralbearbeitungen „Freu dich sehr, o meine Seele” und „Von Gott will ich nicht lassen” von Johann Ludwig Krebs. Die sich anschließenden Variationen „In Getsemani”, die Young-Keun Park der Choralfantasie „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” von Franz Liszt nachempfunden hat, sind Professorin Chae auf den Leib geschrieben. Und so spielte sie dieses abwechslungsreiche Werk, das viele fernöstliche und europäische Musikelemente vereint, mit beeindruckender, richtungweisender Sensibilität.

Nach den mehr als Intermezzo anmutenden „Variations on âKum Ba YahÔ” von John Benke zeigte die koreanische Organistin in der Mendelssohn-Sonate, der der Choral „Vater unser im Himmelreich” zugrunde liegt, welch prägenden Einfluss diese im Bachschen Geiste komponierte „Kirchenmusik” für ihr vorbildliches einfühlsames Orgelspiel hatte.

Zu einem endgültigen Beweis für ihre exzellente und brillante Spielkultur wurde dann die Aufführung des von Young-Jo Lee 1981 komponierten Werkes „Kosmos”, das Ereignisse und Erscheinungen im Weltall tonmalerisch darstellt. Moon-Kyung Chae entlockte dafür der Orgel ungewöhnliche Klänge, wie sie auf diesem Instrument bisher noch nie zu vernehmen waren. Mal bizarr und grell, schrill oder fiepsig, mal überlaut und dann wieder schwebend und ruhig verhallend. Sphärische Harmonien wurden unterbrochen von einem tonalen Chaos aus knallenden Explosionen und extrem disharmonischen Klangflächen.

Für dieses geheimnisvolle, galaktische Feuerwerk der Töne, aus dem ein wenig von der Allmacht des Schöpfers aufleuchtete, brachte die Organistin all ihre technische Versiertheit und musikalischen Fähigkeiten ein. Viel Beifall zum Schluss für dieses großartige Orgelkonzert.

Am 23. August gibt´s das vierte Konzert„Russische und westliche Orgelmusik” lautet der Titel des vierten Konzerts, Sonntag, 23. August, um 17 Uhr in der Finkenbergkirche. Luba Schischchanowa (Jaroslawl/Moskau) wird Werke von Bach, Haydn und Butsko spielen.

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