Ulrich Boddenberg ist neuer Direktor des Ritzefeld-Gymnasiums

Von: Sarah-Lena Gombert
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Ulrich Boddenberg an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Direktorenzimmer des Stolberger Ritzefeld-Gymnasiums. Ein Jahr lang wird der Mann aus der Nähe von Leverkusen die Geschicke der Schule lenken. Dann geht er in den Ruhestand. Foto: S.-L. Gombert
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Das Ritzefeld-Gymnasium hat in den vergangenen Jahren mit sinkenden Schülerzahlen zu tun. Daran will Boddenberg jetzt etwas ändern.

Stolberg. Stolberg. Die Büroschränke wirken noch ein bisschen leer, auch auf dem großen Schreibtisch ist außer dem Arbeitscomputer nicht viel zu sehen. „Der Umzugswagen kommt Ende der Woche“, sagt Ulrich Boddenberg. Seit Anfang August ist der 62-Jährige neuer Schulleiter des Stolberger Ritzefeld-Gymnasiums. Er wird ein Jahr lang im Amt bleiben. 2017 geht er in den Ruhestand.

„Das mit dem Start in Stolberg ging jetzt relativ zügig“, erklärt Boddenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Am 31. Juli habe er seinen letzten Arbeitstag an seiner alten Wirkungsstätte gehabt und sei dann eingeflogen. Moment, eingeflogen? Ja – denn Boddenberg war Leiter der Deutschen Schule in Nairobi. „Eigentlich wollte ich auch bis zum Ruhestand in Nairobi bleiben“, sagt er. Gewisse Entwicklungen vor Ort hätten ihn aber dazu bewogen, gemeinsam mit seiner Frau nach Deutschland zurückzukehren. „Und dann kam Stolberg.“

Der alte Leiter des Ritzefeld-Gymnasiums, Armin Ochse, hat die Schule vor den Sommerferien verlassen. Der seinerzeit einzige Bewerber um die Nachfolgerschaft, Hans Münstermann, der eine Schule in Übach-Palenberg leitet, war von der Schulkonferenz abgelehnt worden. Im Einvernehmen mit der Bezirksregierung stellte die Stadt Stolberg schließlich Ulrich Boddenberg ein. Aufgrund einer Besonderheit im Dienstrecht wurde er bevorzugt, da er aus dem Auslandsdienst zurückkehrt.

Auch wenn er jahrelang an der Schule in Kenia unterrichtet und diese geleitet hat: Die Verwaltung einer Schule in Nordrhein-Westfalen ist ihm nicht fremd. Boddenberg, der ursprünglich aus dem Ort Hitdorf bei Leverkusen stammt, war unter anderem Leiter der Kölner Königin-Luise-Schule, zuvor stellvertretender Direktor am Otto-Hahn-Gymnasium in Bergisch-Gladbach. „Ich stand irgendwann vor der Entscheidung: Bleibst du in Köln, oder willst du noch etwas anderes?“, erzählt Boddenberg. Die Königin-Luise-Schule lief gut, er hatte sich etabliert. „Aber dann haben meine Frau und ich entschieden, wir wagen den Sprung ins Ausland.“ Weil beide eine hohe Affinität zu Afrika haben, hat er sich dort beworben.

„Trotzdem ist das Leben an einer Deutschen Schule im Ausland natürlich sehr viel anders als im Inland“, berichtet der Lehrer für Deutsch und Pädagogik. Einerseits ist das Netzwerk größer. „Eine Auslandsschule hat viel mehr zuständige Ansprechpartner als eine Inlandsschule“, erklärt Boddenberg. „Andererseits ist die Verwaltung der Schule selbst anders als im Inland.“ Denn jeder Schule steht ein Trägerverein vor, der auch den Schulleiter wählt.

Ganz anders als in Deutschland sei auch die Schülerschaft. „Nur, weil das eine Deutsche Schule ist, heißt das nicht, dass dort nur deutsche Kinder unterrichtet werden.“ Viele der Schülerinnen und Schüler sehen Kinder von Diplomaten, von UN-Vertretern oder von Eltern, die bei einer internationalen Firma in Kenia arbeiten. „Auch Korrespondenten von deutschen Medien schicken ihre Kinder auf diese Schulen.“ Doch ein großer Teil der Schüler sei eben auch kenianisch. Zwar sei die Unterrichtssprache Deutsch. Viele der Kinder, die an die Schule kommen, sprechen Englisch oder Suaheli. „Da muss man Programme auflegen, um diesen Kindern die deutsche Sprache näherzubringen.“

Diese Erfahrungen mit einer sehr heterogenen Schülerschaft könne beispielsweise beim Umgang mit den Internationalen Förderklassen (IFK) ein Vorteil sein. „Auch die Flüchtlingskinder, die das Ritzefeld-Gymnasium besuchen, sprechen oft kein Deutsch und haben auch einen ganz unterschiedlichen Wissensstand“, sagt Boddenberg. An der Schule in Kenia seien Schüler aus mehr als 20 Nationen vertreten gewesen. „Das eröffnet einem als Schulleiter einen etwas anderen Blickwinkel auf kulturelle Unterschiede.“

Seinen ersten Monat in Stolberg hat Boddenberg neben der Unterrichtsvorbereitung – er gibt einen Deutschkurs in der Stufe 10 – vor allem damit verbracht, Kontakte zu knüpfen. Zu den Schülern und zu seinem engagierten Kollegium – 49 Lehrer und elf Referendare lehren am Ritzefeld. Aber auch zu anderen Schulen: „Ich habe mich mit Bernd Decker ausgetauscht, dem Schulleiter des Goethe-Gymnasiums.“ Auch mit Grundschulen und der Stadtverwaltung habe er bereits Gespräche geführt.

Da er nur ein Jahr lang die Geschicke des Ritzefeld-Gymnasiums lenken wird, sieht Boddenberg seine Aufgabe vor allem darin, den Weg zu bereiten für seinen Nachfolger. Einen ersten Eindruck der eigenen Schule hat er sich auch schon machen können. Das Ritzefeld-Gymnasium stehe in den Startlöchern, sagt Boddenberg. „Es gibt viele Ideen und Bedürfnisse, denen man nun Raum geben muss“, sagt er. Als Beispiel nennt er das Thema Profilbildung. „Heutzutage wollen Eltern wissen, in welchen Bereichen Schulen ihre Stärken haben, beispielsweise in Sprachen oder im naturwissenschaftlichen Bereich“, sagt er. Darüber will er mit der Lehrer- und mit der Schulkonferenz diskutieren. Auch sei es für eine Schule von großer Bedeutung, Präsenz in der Stadt zu zeigen, bei Festen beispielsweise. Das das Team aus Lehrern, Eltern und Schülern viel bewegen kann, da ist Boddenberg zuversichtlich.

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