Stolberg: Überraschung: Heiner Kentrup bleibt doch in Stolberg

Stolberg : Überraschung: Heiner Kentrup bleibt doch in Stolberg

Das dürfte man im Bethlehem Gesundheitszentrum dann wohl eine „freudige Überraschung“ nennen. Denn anders als im Juni angekündigt und für den 31. Dezember geplant, wird Dr. Heiner Kentrup nun doch nicht Stolberg verlassen. Das hat er am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

„Die Stolberger Kinderklinik ist mir sehr ans Herz gewachsen. Das gilt auch für mein Team“, erklärte der Privatdozent, der seit zehn Jahren die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin als Chefarzt leitet. „Gemeinsam haben wir ein sehr gutes medizinisches Spektrum in einer kindergerechten Atmosphäre geschaffen. Doch es hängt viel an meiner Person, und die Suche nach einem Nachfolger erweist sich als schwierig“, blickt der 53-Jährige auf die offenbar bis dato erfolglosen Bemühungen um einem geeigneten neuen Leiter.

„Die Vorstellung, dass das, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, auseinanderbricht, hat mich zunehmend belastet und schlecht schlafen lassen“, berichtet Kentrup, der auch ein Fachmann für Kinder-Endokrinologie und Diabetologie sowie Neonatologie ist.

Für die Geschäftsführung ergibt sich somit eine unerwartet angenehme Situation. Sie hatte im Frühsommer mit Erstaunen und auch Sorge feststellen müssen, dass sich Heiner Kentrup beruflich verändern und zum Beginn des neuen Jahres am St. Marien-Hospital in Düren-Birkesdorf die Leitung der Kinderklinik übernehmen wollte. Begründet hatte der Mediziner seinen Wechselwunsch damals mit dem Hinweis, dass die Einrichtung in Birkesdorf die neantologische Versorgungsstufe 1 biete.

Das ist in Deutschland die höchste von vier Versorgungsstufen in der Früh- und Neugeborenen-Intensivmedizin. Die Stolberger Klinik hat Level 2 und kümmert sich um Frühgeborene ab einem Gewicht von 1250 Gramm und Neugeborene.

„Scheu vor der Verantwortung“

In den Problemen bei der potenziellen Neubesetzung seiner Stelle erkennt Kentrup nach eigener Aussage einen generellen Trend. „Die jungen Kollegen scheuen die große Verantwortung, und die Arbeitsbelastung ist hoch.“ Auch die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei mit dafür verantwortlich, dass qualifizierte Oberärzte wenig Interesse zeigten, die Leitung einer Klinik zu übernehmen.

Am „Bethlehem“ muss man sich mit diesem Thema nun vorerst nicht mehr beschäftigen. Heiner Kentrup selbst sieht durch seine jetzt getroffene Entscheidung eine positive Entwicklung in der Kupferstadt gestärkt: „Es geht aufwärts. Das zeigt sich auch deutlich in der Orthopädie, die mit dem neuen Chefarzt Herbert Dr. Röhrig wichtige Impulse erhalten hat.“

(gro)
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