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Stolberg-Breinig: Über 2256 Kilometer das Ziel im Visier

Stolberg-Breinig : Über 2256 Kilometer das Ziel im Visier

Wer mindestens 200 Kilometer auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostella zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt, wird mit einer Pilger-Urkunde geehrt. Rudolf Braun ist gemeinsam mit drei Bekannten ganze 2256 Kilometer nach Santiago de Compostella geradelt.

Die kleine Gruppe - darunter zwei 70-Jährige und ein 64-jähriger Mann aus Aachen - starteten am 22. Mai auf der Straße Alt Breinig, die ein Stück des Pilgerpfads ist.

Großer Traum

Als Mitglied des Breiniger Kirchenvorstands erfüllte sich der 59-Jährige mit dieser vierwöchigen Extremtour einen großen Traum. Auf den Jakobswegen wollten die robusten Radler nach Santiago de Compostella gelangen. Von Anfang an stand für die vier jedoch fest, dass sie im Auto zurückfahren würden.

Während ihrer 24-tägigen Fahrradtour legten die Pilger bei zum Teil sengender Hitze täglich 80 bis 100 Kilometer zurück. „An fünf Stellen hatten wir Steigungen von über 1200 Kilometern”, schildert Braun seine Erlebnisse.

Nach sorgfältiger Planung entschied sich die Reisegruppe für geteerte Landstraßen - parallel zum speziell ausgewiesenen Pilgerpfad. Mit bunten Fähnchen kennzeichnete Rudolf Braun auf einer Europakarte die Fährte, die über Paris, Bourdeaux, Pamplona und Burgos in die bekannte spanische Pilgerstadt führt.

„Gemeinschaft gelebt”

Vor der Wallfahrt erhielten die vier Männer von der Jakobus-Gesellschaft einen Pilger-Pass für den drittgrößten Wallfahrtsort - direkt nach Rom und Jerusalem. „Wir haben Kirchen besichtigt, Gottesdienste besucht und Gemeinschaft gelebt”, erzählt Braun begeistert. Mehr als 40 bunte Stempel belegen eindrucksvoll und lückenlos im Pilger-Pass, wo die Reisegruppe Station gemacht hat.

Geplant haben die Radler nur die Reiseroute, nach Herbergen und Mahlzeiten hielten sie vor Ort Ausschau. „Wir sind ja schon was älter”, meint Braun schmunzelnd. Deshalb wollten sie nicht in die speziellen Pilgerherbergen.

Ihr Gepäck haben die Pilger in einem Mietwagen befördert. So konnte ein Mann täglich eine Radel-Pause einlegen und Übernachtungsmöglichkeiten sichern, während die anderen die geographisch aktuelle der insgesamt 29 Karten sichteten, um geeignete Radwege aufzuspüren.

Gleichgesinnte gefunden

Auf der Wallfahrt trafen sie scharenweise Gleichgesinnte. Die unterschiedlichsten Beweggründe führten „Menschen aus allen Herren Ländern” zum gemeinsamen Ziel: die 200.000 Einwohner zählende Stadt Santiago de Compostella. An dieser beliebten Pilgerstätte wird das Grab von Jakobus, einer der zwölf Jünger Jesu, vermutet. Das Grab wurde nach der Vison eines Hirten im Jahre 818 im Nordwesten Spaniens entdeckt.

„Über das Land zieht sich ein Spinnennetz von Pilgerwegen”, berichtet der Breiniger, der auf zahlreiche Pilger stieß, die zu Fuß bereits seit drei oder vier Monaten mit Eseln und Wagen unterwegs waren.

Einmalige Erfahrung

Nochmal würde Rudolf Braun nicht nach Santiago de Compostella radeln, aber seine Erfahrung einschließlich des zweitägigen Aufenthalts in der Pilgerstadt ist für ihn einmalig. Weil in Rom „Heiliges Jahr” gefeiert wird („alle 25 Jahre, wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt”), konnte Braun an einem Wochentag in Santiago de Compostella Zeuge eines beeindruckenden Erlebnisses werden.

„Das größte Weihrauchfass der Welt” mit einem Radius von 50 Metern wurde am Ende der Pilgermesse in der Kathedrale über eine Seilwinde von acht Männern von Hand geschwenkt. Im Heiligen Jahr wird der Weihrauch nach dieser Tradition zweimal täglich verströmt, gewöhnlich nur am Wochenende.

Deswegen sei in diesen Jahr in Santiago de Compostella der Besucherandrang besonders groß, schwärmt Rudolf Braun rückblickend. Und sagt dann mit leuchtenden Augen: „Die Atmosphäre ist einzigartig und mit nichts vergleichbar.”