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Stolberg: Traumhafte „Carmen”-Inszenierung schlägt Zuschauer in Bann

Stolberg : Traumhafte „Carmen”-Inszenierung schlägt Zuschauer in Bann

Ein bisschen Carmen steckt in jedem von uns: Mit diesem Denkanstoß endete am Samstagabend eine wunderschöne Aufführung unter freiem Himmel in Stolberg. Eine Aufführung, die den Titel „Carmen” trug und im Rahmen des Reitturniers CHIO zelebriert wurde. Veranstaltungsort war der Bereich rund um Schaufelrad des Museums Zinkhütter Hof.

Nicht nur in Stolberg wird mit kulturellen Leckerbissen das Reitturnier gewürdigt: Überall in Stadt und Kreis Aachen finden parallel Straßentheater-Aktionen und Ähnliches statt.

Verantwortlich für das Festivalprogramm, das den Reitsport auf so sinnige Art und Weise abrundet, ist Dr. Nina Mika-Helfmeier. Die Kulturbeauftragte des Kreises Aachen hat ein Näschen für die schönen Dinge des Lebens, liebt das Unkonventionelle.

In Zeiten von Harz IV ist es eine schöne Geste, dass das Festivalprogramm ohne Eintritt auskommt. In Stolberg kamen am Samstag allein rund 300 Zuschauer, genossen die etwas andere Carmen-Aufführung, dargeboten von dem italienischen Tanzensemble „Compagnia La Terra Nuova”, das bereits vor zwei Jahren in Würselen auftrat. Damals aber mit einem anderen Programm.

Der Compagnia zuzuschauen ist, als würde man in einem Märchenbuch mit herrlichen Bildern blättern. Die klassische Ballettausbildung ist allgegenwärtig, das, was dort auf der Bühne gezeigt wird, ist von künstlerisch hoher Qualität.

Der Zuschauer verliert sich in einem Farbenrausch, in einer Abfolge von Bildern. Es sind vor allem die opulenten Kostüme und der Kopfputz der Akteure, die einen glauben lassen, die Ausstattung sei einer Traumfrequenz entsprungen. Die mitreißende Carmen-Musik ist eine Hommage an die klassische Version. Es sind die vielen Sinneseindrücke, die den Zuschauer mitnehmen in eine andere Welt.

Die Aufführung ist eine Mischung aus komischer Komödie, klassischer Oper, Videokunst, Tanzperformance, Zirkusnummer, Pyrotechnik und Stelzentanz. Eine Aufführung, die mit viel Liebe zum Detail und Humor geplant wurde, denn an vielen Stellen kann der Zuschauer herzhaft lachen. Man sitzt auf einer Mauer oder einer Bank bei einem Glas Rotwein - die Gastronomie im Museum hat man mit ins Boot genommen - und genießt die Vorstellung.

Dass Carmen von einem Mann und nicht von einer Frau dargestellt wird, ist Absicht. Carmen, der Inbegriff der Verführung, kann in der Welt der „Compagnia La Terra Nuova” durchaus ein Mann sein. Es geht schließlich um die Liebe und damit auch um Toleranz.

Zuschauerin Gisela Becker ist bezaubert: „Wir sind extra aus Aachen gekommen. Der Weg hat sich mehr als gelohnt, es war einfach grandios.” Beeindruck ist auch Gabriele Edel: „Die Verwandlung, diese phantasievollen Kostüme - das war einfach schön.”

Auch Dr. Nina Mika-Helfmeier ist hingerissen, mehr als zufrieden. Und dass nicht nur in Bezug auf die Aufführung in Stolberg: „Das Festivalprogramm gibt es im fünften Jahr. Am Anfang machten nur die Eifeler Gemeinden mit - jetzt machen alle mit.”