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Generalabsage der Stadt: Traum von den Kupferstädter Weihnachtstagen ist geplatzt

Generalabsage der Stadt : Traum von den Kupferstädter Weihnachtstagen ist geplatzt

Im Grunde konnte es angesichts der jüngsten Entwicklung nicht anders kommen. Nun aber ist es offiziell bestätigt: Der Traum von den Kupferstädter Weihnachtstagen 2020 ist geplatzt, die Stadt wird die Veranstaltung absagen.

Nürnberg und Münster hatten nach vielen anderen Städten am Montag die jüngsten prominenten Beispiele geliefert. Diesen wird die Stadt Stolberg folgen. Wie Pressesprecher Tobias Schneider auf Anfrage unserer Zeitung am Dienstag bestätigt hat, werden die Kupferstädter Weihnachtstage 2020 nicht stattfinden. Die Stadt hat die Großveranstaltung, die für die Zeit vom 20. November bis 20. Dezember geplant war, abgesagt und mögliche private Alternativen im kleineren Rahmen grundsätzlich verboten.

„Im Zuge der Risikoabwägung hat sich die Stadt Stolberg entschlossen, die Kupferstädter Weihnachtstage abzusagen. Die Verwaltung sieht angesichts der aktuellen Situation im Moment kein Konzept, das die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher unseres schönen Weihnachtsmarktes gewährleisten kann“, erklärte Schneider gegenüber unserer Zeitung. Die Verantwortlichen im Rathaus haben offenbar bei ihrer Abwägung auch durchgespielt, was passieren könnte, wenn Stolberg im Gegensatz zu allen Nachbarkommunen an seinem Weihnachtsmarkt festhielte. Tobias Schneider spricht von einem „massiven Verlagerungsprozess“ von Menschen, den eine solche Entscheidung auslösen könnte.

Ähnliches, wenn vielleicht auch in geringerem Ausmaß, befürchtet man bei der Stadt auch, wenn kleinere Budendörfer an mehreren Stellen der City aufgebaut würden. Entsprechende Anträge liegen vor – von Roswita Breuer für den Kaiserplatz, Marita Matousek für den Alten Markt und Serkan Sistermanns, der den oberen Burghof „bespielt“ hätte. „Auch solche Angebote kommen während einer Coronavirus-Pandemie nicht in Frage“, stellt Tobias Schneider mit Bedauern fest. Die Stadtverwaltung hat deshalb – nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt – alle Anträge privater Anbieter abgelehnt und Veranstaltungen jeglicher Art untersagt.

„Riesige Katastrophe“

Marita Matousek kann das grundsätzlich nachvollziehen. „Auch wenn wir wirklich sehr gute Hygienekonzepte erarbeitet haben, wollen wir natürlich nicht am Ende die Verantwortung für Infektionen übernehmen müssen“, räumt sie ein. Aus ihrem Gemütszustand macht sie keinen Hehl: „Ich weine, nicht nur um Stolberg, sondern vor allem um die vielen Menschen, die sich auf einen Weihnachtsmarkt gefreut haben. Und um die vielen Händler, die keine Umsätze haben werden.“

Matousek, die auch Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS) ist, spricht von einer „riesigen Katastrophe“ vor allem für den Einzelhandel. „Viele Besucher werden nicht nach Stolberg kommen. Und wenn jetzt möglicherweise auch noch Kneipen und Restaurants wieder geschlossen werden müssen, wird das so manches Geschäft nicht überleben“, schwant Marita Matousek Böses mit Blick auf die für diesen Mittwochmittag anberaumte Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angelika Merkel mit den Ministerpräsidenten.

Deshalb formuliert die Gastronomin und Veranstalterin schon jetzt einen flammenden Appell: „Es gibt in unserer Stadt noch genügend Geschäfte. Deshalb sollten die Stolberger ihre Einkäufe auch in Stolberg tätigen und ihr Geld hier ausgeben.“

Vielleicht wird ein trotz der Absage weihnachtliches Ambiente in der Innenstadt einen Teil dazu beitragen können. Bei der Stadt ist man auf jeden Fall gewillt, Straßen und Plätze festlich zu schmücken. Lichterketten soll es wie in den Jahren zuvor geben, ebenso wird wieder ein großer Weihnachtsbaum auf dem Kaiserplatz aufgestellt.

Ob von dort aus auch wieder der größte Adventskalender der Region am alten Rathaus zu bewundern sein wird, ist derweil noch offen. Die allabendliche Präsentation des Tagesmotivs ist schon vom Tisch. Und dass im Advent wenigstens täglich ein Türchen beziehungsweise Fenster des Kalenders geöffnet werden kann, ist zumindest fraglich. Das hat auch mit Corona zu tun – allerdings anders, als man vermuten dürfte. Nicht mögliche Menschenansammlungen vor dem historischen Gebäude sind das Problem, erläutert Tobias Schneider, sondern die Fenster des Ratssaales. Sie könnten mit der gängigen Konstruktion der Kalendermotive bei Sitzungen nicht zum Lüften geöffnet werden, weil sie blockiert würden. „Wir suchen nach einer Lösung“, versichert der städtische Pressesprecher. Aber er kann nicht ausschließen, dass die Stolberger auch auf diese lieb gewonnene Tradition im Corona-Jahr 2020 letztlich verzichten werden müssen.