Tim Grüttemeiers letzter Tag als Bürgermeister steht bevor

Ära des Tim Grüttemeier als Bürgermeister endet : Im Interview spricht er über Eckpunkte und Superlative seiner Amstzeit

Silvester ist offiziell der letzte Arbeitstag von Tim Grüttemeier als Stolberger Bürgermeister. Zum Neujahrstag übernimmt er das Amt des Städteregionsrates.

Seit 1997 ist er Mitglied der CDU, von 2003 an ist er Mitglied des Stadtrates, von 2007 bis 2014 dort Vorsitzender der CDU-Fraktion, und seit Mai 2014 Bürgermeister. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen über Eckpunkte und Superlative seiner Amstzeit: 

Was werden Sie als erstes als Städteregionsrat tun?

Grüttemeier: Von Büro zu Büro gehen und mich meinen neuen Kolleginnen und Kollegen vorstellen. 

Was werden Sie als letztes als Stolberger Bürgermeister tun?

Grüttemeier: Einer der schönsten Aufgaben als Bürgermeister nachgehen ... Standesbeamter bei einer Trauung am 31. Dezember um 14.30 Uhr sein. 

Was war die erfolgreichste Entscheidung und das erfolgreichste Projekt?

Grüttemeier: Die großen Förderprogramme „Talachse Innenstadt“ und  „IHKO Berg- und Talachse“ mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro Fördergeld gemeinsam mit vielen Partnern umzusetzen bzw. die Grundlagen zu schaffen. 

Was war die schwierigste Entscheidung und das schwierigste Projekt?

Grüttemeier: Die Unterbringung von 150 Flüchtlingen mit nur wenigen Stunden Vorlauf im August 2015. 

Was war die teuerste Entscheidung?

Grüttemeier: Die Investitionen in Schulen und Kitas von über 35 Millionen Euro zwischen 2018 und 2021. 

Was wurde deutlich preiswerter als erwartet?

Grüttemeier: Der Breitbandausbau. Durch die akquirierten Fördermittel und die Initiative der Netzbetreiber kostet die gesamte Maßnahme die Stadt „nur“ rund 170.000 Euro. 

Was hat Sie besonders glücklich gemacht?

Grüttemeier: Wenn wir es geschafft haben, Ideen in konkrete Projekte umzusetzen. 

Stationen waren der Wahlsieg, ... Foto: Jürgen Lange

Und was besonders traurig?

Grüttemeier: Der Tod von Kolleginnen und Kollegen aus Rat und Verwaltung. 

Welches Projekt ist besonders nachhaltig, welches ausgesprochen zielführend?

Grüttemeier: Alle Investitionen in Bildung und Betreuung unserer Kinder. 

Was hat Ihnen besonders gut gefallen, was absolut missfallen?

Grüttemeier: Die Feiern zu unserem Stadtjubiläum in diesem Jahr.  Die steigenden Mengen an wildem Müll. 

... die Vereidigung, ... Foto: Jürgen Lange

Welche Entscheidung war falsch?

Grüttemeier: Das Hin und Her in Sachen „Heinrich-Heimes-Brücke“, auch wenn externe Faktoren da eine große Rolle gespielt haben. 

Was würden Sie heute anders machen?

Grüttemeier: Noch früher gegen Spielhallen und Shisha-Bars vorgehen. 

Was haben Sie versäumt zu tun?

Grüttemeier: Den Wettbewerb „WDR 2 für eine Stadt“ zu gewinnen. Leider sind wir zwei Mal Zweiter geworden. 

Was haben Sie nicht mehr geschafft, zu verwirklichen oder zumindest anzulassen, was Sie unbedingt machen wollten?

Grüttemeier: Wir hatten eine tolle Idee, eine Kombination aus Kino, Soccerhalle und Spieleland in Stolberg anzusiedeln. Das hat leider bis heute nicht geklappt. 

... neue Akzente im Karneval ... Foto: Jürgen Lange

Warum ist die (neue) Stadtmöblierung nicht – wie zu Wahlkampfzeiten diskutiert – kupferfarben geworden, um den Slogan der Kupferstadt im Stadtbild sichtbar zu machen?

Grüttemeier: Ich glaube, dass es durch die neuen Ortsschilder und die konsequente Verwendung des Namens in allen städtischen Veröffentlichungen sehr gut gelungen ist, den Begriff Kupferstadt präsenter zu machen. 

Wovor – mit Blick auf die neue Aufgabe in der Städteregion – haben Sie Angst?

Grüttemeier: Vor nichts in der Städteregion; Angst habe ich nur vor privaten Schicksalsschlägen. 

 Wovor haben Sie den meisten Respekt?

Grüttemeier: Eine Behörde mit 2200 Mitarbeitern und 700 Millionen Euro Budgetverantwortung pro Jahr zu leiten, ist natürlich eine Aufgabe, vor der ich Respekt habe. 

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Grüttemeier: Meine Ziele zu Bildung und Betreuung, Mobilität, Digitalisierung, Strukturwandel und den Kampf gegen Tihange angehen zu dürfen. 

... und der Startschuss des Euregio-Railports mit Minister Wüst am 15. September 2018; fünf Jahre zuvor, am 13. September, hatte Grüttemeier diese Vision erstmals beschrieben. Foto: Jürgen Lange

Wie werden Sie im neuen Amt Stolberg besonders unterstützen können, ohne die übrigen neun Kommunen zu benachteiligen?

Grüttemeier: Es geht nicht darum eine Kommune herauszustellen, sondern die Städteregion insgesamt voranzubringen. Für Stolberg ist es wichtig, dass wir beispielsweise die Mobilitätsthemen, wie den Euregio-Railport, den dritten Bauabschnitt der L 238n, die Anbindung an die A44, oder den Ausbau der Euregiobahn und der Regio-Tram gemeinsam angehen. 

Was werden Sie anders als ihr Amtsvorgänger machen?

Grüttemeier: Wir stammen aus unterschiedlichen Generationen und haben allein daher schon andere Themenschwerpunkte. Dennoch besteht keinerlei Veranlassung ab dem 2. Januar alles anders zu machen, da Helmut Etschenberg ein sehr gut bestelltes Haus übergibt. 

Wie lange möchten Sie Städteregionsrat bleiben?

Grüttemeier: Mindestens bis 2025. 

Wo sehen Sie sich in 5, in 10 und in 20 Jahren?

Grüttemeier: In 5 Jahren natürlich noch als Städteregionsrat, 10 und 20 Jahre kann man und sollte man auch in der Politik nicht planen.

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