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Stolberg: Tiefer Eindruck mit hoher Stimme

Stolberg : Tiefer Eindruck mit hoher Stimme

Das seltene Phänomen einer männlichen Sopranstimme prägte das dritte Konzert des internationalen Zyklus auf dem Finkenberg. Denn da gab der junge Philipp Mathmann aus Lippstadt, ursprünglich mit einem schlanken Bariton ausgestattet, sein Konzertdebüt als Sopranist, auf der Orgel begleitet von seinem Entdecker Harduin Boeven.

Dafür hatte er so bekannte Arien wie „Vidit suum” aus dem Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi, „Lascia chio pianga” aus Händels Oper „Rinaldo” und „I know that my redeemer liveth” aus dessen Messias-Oratorium gewählt. Mathmanns Sopran klang kraftvoll und strahlend, ein wenig metallisch glänzend und hart ähnlich den Knabenstimmen und war dabei sehr stabil und sicher auch in den Höhen und in den leisen ruhigen Passagen.

Organist Harduin Boeven zeigte sich als zuverlässiger sensibler Begleiter, der sein Spiel sehr feinsinnig auf den doch anderen Sopranklang abgestimmt hatte. Seine großen interpretatorischen Fähigkeiten als Solist bewies er in den beiden Orgelwerken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, im Konzertauftakt Präludium und Fuge d-moll op. 37,3 sowie in der Sonate IV B-Dur op. 65.

Ohne spektakulären Registereinsatz entwickelte er dennoch abwechslungsreiche Klanggebilde. Insbesondere die vierteilige Sonate wurde entsprechend der charakteristischen Stimmung in den jeweiligen Sätzen sorgsam präsentiert, vielfach schlicht und ruhig, melodisch klangvoll und tonschön, zuweilen bewegt, aber ohne allzu großes Auftrumpfen, auch nicht im Schluss-Satz.

Bis dahin war das Konzertgeschehen von der Orgelempore aus gestaltet worden. Zum Finale nun sang Philipp Mathmann vom Altarraum der Finkenbergkirche zwei Szenen aus Mendelssohns Oratorium „Elias”, wobei er für das Duett zwischen der Witwe und dem Propheten beide Stimmlagen Sopran und Bariton im fast übergangslosen Wechsel nutzte. Der große Beifall führte zu einer Zugabe. Und es erklang im Gedenken an ein jüngst verstorbenes Mitglied der evangelischen Kantorei Stolberg das „Ave Maria”.