Endspurt für Rektor und Realschule: Thomas Hoppe-Leifgen über seine Pläne für die letzten Jahre in Mausbach

Endspurt für Rektor und Realschule : Thomas Hoppe-Leifgen über seine Pläne für die letzten Jahre in Mausbach

Vor wenigen Tagen hat das neue Schuljahr begonnen – an der Realschule Mausbach mit einer personellen Veränderung. Nach der Pensionierung der ehemaligen Schulleiterin Charlotte Eßer ist seit diesem Schuljahr Thomas Hoppe-Leifgen neuer Rektor der Schule, die mit dem Schuljahr 2021/22 ausläuft. Dann dient das Gebäude nur noch der Kupferstädter Gesamtschule.

Zuvor war Hoppe-Leifgen Leiter der bereits geschlossenen Realschulen in Gangelt und in Linnich. . Die Schule in Gangelt leitete der 64-Jährige von 2001 bis zum Ende im Sommer 2017. Im Gespräch mit Eva Johanna Onkels erzählt er von seinem Werdegang, seiner Utopie und seinen Plänen für die letzten Jahre in Mausbach.

Herr Hoppe-Leifgen, warum sind Sie Lehrer geworden?

Thomas Hoppe-Leifgen: Ich fand die Altersklasse der zehn bis 16 Jahre alten Schüler interessant. Eigentlich wollte ich Schulpsychologe werden, aber dazu waren meine Abitur-Noten nicht gut genug. (lacht) Dann habe ich an einer Pädagogischen Hochschule Lehramt für Grund- und Hauptschule studiert. Damals musste man sich erst im Referendariat endgültig für eine Schulform entscheiden.

Sie haben in Duisburg Ihr Referendariat gemacht. Was würden Sie heute über die damalige Zeit sagen?

Hoppe-Leifgen: Es war wunderschön. Die Ruhrpottler sind offen und ehrlich. Die Zeiten waren aber anders. Damals sind die Eltern noch anders mit den Kindern umgegangen. Wenn es ein Elterngespräch gab, waren danach schnell Erfolge zu sehen. Die Schule, an der ich unterrichtet habe, war eine lebendige, gut geführte Schule. Ich bin übrigens der Liebe wegen wieder in die Region zurückgekehrt.

Lehrer unterrichten manchmal Fächer, die sie gar nicht studiert haben. Welche Fächer haben Sie in Ihrer Laufbahn unterrichtet?

Hoppe-Leifgen: Mathematik und Deutsch waren die Fächer, die ich studiert habe. Später habe ich auch Sport, Physik, Sozialwissenschaften und Technik unterrichtet. Und im 41. Dienstjahr mit viel Unterstützung meiner Kollegin auch noch Kunst. Das hat Spaß gemacht. Man ist mit den Schülern anders in Kontakt gekommen.

Sie waren zuvor an der jetzt geschlossenen Realschule in Linnich und haben dort sehr viel Wert auf ein gutes Miteinander gelegt. Sollte das an Schulen generell mehr gefordert werden?

Hoppe-Leifgen: Engagierte Kollegen legten immer schon viel Wert darauf. Außerdem erkennt man die Qualität einer Schule daran, wie miteinander gelebt wird.

Was ist das für ein Gefühl, Schulen zu leiten, die in absehbarer Zeit geschlossen werden?

Hoppe-Leifgen: Es ist immer eine bittere Erfahrung. Als uns 2011 in Gangelt gesagt wurde, dass wir keine Schüler mehr aufnehmen dürfen, hat das Leitungsteam professionelles Coaching organisiert. Wir haben gesehen, dass das eine Krise ist für die Menschen, die dort gearbeitet haben. Mir war damals angeboten worden, die Schule zu wechseln, doch ich wollte für die Kinder, um die ich geworben hatte, bis zum Schluss da sein. Als ich dann die Leitung der Realschule in Linnich zum Schuljahr 2016/2017 übernommen habe, bin ich ein Jahr lang zwischen den beiden Schulen gependelt. Bei so kleinen Systemen ist das möglich.

Mein Wunsch war es, an beiden Schulen, engagiert und freudvoll die letzten Jahre zu gestalten. Auf der Fahrt nach Linnich habe ich bald jeden Morgen gedacht: „Was habe ich ein Glück, dass ich nach Linnich fahren darf.“ Und jetzt denke ich das auch über die Fahrt nach Mausbach, erst recht, wenn links von mir die Sonne über den Hügeln der Voreifel blinzelt.

Was denken Sie über das Konzept der Realschule?

Hoppe-Leifgen: Ich bin kein Freund des dreigliedrigen Schulsystems. Meine Utopie ist, dass Kinder sehr viel länger gemeinsam unterrichtet werden. Die Selektierung nach der vierten Klasse tut Vielen weh. Das zweigliedrige System [Anmerkung d. Red.: gemeint ist Gesamtschule und Gymnasium] wird nicht besser sein. Die Gesamtschulen leisten gute Arbeit, aber müssen zu viele Lasten tragen. Wir brauchen mehr Personal, das das Leben und Lernen an den Schulen unterstützt.

Würden Sie den Beruf des Real- und Hauptschullehrers heute noch empfehlen?

Hoppe-Leifgen: Jeder, der Lehrer werden will und mit der Altersgruppe klar kommt, ist da genau richtig. Der Beruf ist für mich ein Traumberuf.

Was würden Sie zu Leuten sagen, die behaupten, dass die falschen Personen Lehrer werden?

Hoppe-Leifgen: Die Ausbildung für Lehrer und Lehrerinnen ist heute viel praktischer ausgelegt. Das war früher anders. Die Hoffnung ist, dass die Leute, die nicht dafür geeignet sind, vor einer Klasse zu stehen, das rechtzeitig bemerken.

Welche Herausforderungen bieten die Haupt- und Realschulen?

Hoppe-Leifgen: Jede Schulform hat ihre Herausforderungen. Ich persönlich habe die Oberstufe nie vermisst. Im Mathematikunterricht war mein Ziel, bis zum Logarithmus zu kommen. Ich sehe die Aufgabe der Realschule darin, die Schüler soweit zu bringen, dass die, die wollen, das Abitur schaffen und die anderen eine Ausbildungsstelle finden. Es ist eine spannende Herausforderung.

Wie erreicht man das bei schwierigen Schülern?

Hoppe-Leifgen: Durch Herzenswärme, Gerechtigkeit und hartes Sanktionieren von Regelverstößen. Es ist sehr schön zusehen, wenn die schwierigen Schüler dann ihren Weg gehen. Das treibt mir manchmal die Tränen in die Augen. Natürlich gelingt nicht alles. (hält inne) Wenn es nicht geklappt hat, ist das ein Stückweit eine persönliche Niederlage. Aber das Leben geht weiter.

Welches Erlebnis ist Ihnen in Ihrer Laufbahn besonders im Gedächtnis geblieben?

Hoppe-Leifgen: Es war 1979, ich war Junglehrer, 24 Jahre alt, lange Haare. Es kam ein Sechstklässler zu mir und sagte: „Herr Hoppe, kann ich mal mit Ihnen von Mann zu Mann reden?“ Der Schüler hatte eine Schülerin der siebten Klasse geschwängert. Es war gut, dass er mich angesprochen hatte. Ich habe dann mit den Eltern Kontakt aufgenommen.

Was sind Ihre Ziele für Ihre Zeit in Mausbach?

Hoppe-Leifgen: Ich möchte das sehr lebendige Schulleben aufrecht erhalten. Ich habe zudem großen Respekt vor dem, was hier bereits geleistet worden ist. Meine Vorgängerin hat ein gut bestelltes Feld hinterlassen. Es ist ein Geschenk, unter solchen Bedingungen eine Schule als Rektor zu übernehmen.

In zwei Jahren gehen Sie in den Ruhestand. Was sind Ihre Pläne?

Ein Ehrenamt ausüben. Für Familie und Freunde da sein. Aber das kann ich auch schon jetzt haben. Ich zähle die Tage bis zu meinem Ruhestand nicht. Ich habe Spaß, sonst würde ich hier nicht mehr sitzen.

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