Stolberg: Thomas Becker begeistert mit Stücken von Georg Kreisler im Burghof

Stolberg: Thomas Becker begeistert mit Stücken von Georg Kreisler im Burghof

Erst 2011 ist Georg Kreisler gestorben, aber er sei schon weitgehend vergessen: Dagegen wollte Thomas Becker etwas tun. Mit E-Piano und Akkordeon schritt der pensionierte Richter und Kabarettist aus Leidenschaft, der in Ostbelgien lebt, zur Ehrenrettung seines berühmten „Kollegen“ und entwickelte das Programm „Die alten bösen Lieder“.

Damit gastierte Becker jetzt im Burghof-Theater am Rande der Stolberger Altstadt. Schon vom Ambiente her bekam der Charakter der Bühne dem Chanson-Programm ganz ausgezeichnet: Zuhörer und Künstler kamen einander zum Greifen nahe. Denn Becker präsentierte dem Publikum, darunter auch Burghof-Prinzipalin Karin Graf, nicht nur die bekannten schwarzhumorigen Ohrwürmer wie „Gemma Tauben vergiften im Park“, sondern auch die zarter — aber darum oft nicht minder gallig — getupften Lieder.

Durchsetzt mit Liebesliedern voller Gefühl und Zärtlichkeit, strahlte Beckers Kreisler-Revue dann doch am hellsten, wenn die mehr oder minder sarkastischen Akzente zum Tragen kamen.

Und so reihte der Gast im Burghof-Theater Perle an Perle: die „Telefonbuch-Polka“, in der sich ein Zungenbrecher von einem Nachnamen tschechischer Herkunft reihte, oder „Der General“, in der ein jüdisches Ehepaar seinen aus der Art geschlagenen, weil bürgerlich gewordenen Sohn beweinte. Denn Georg Kreisler, den Becker vor 15 Jahren bei einem Auftritt in Aachen kennen gelernt hat, war nicht nur Wiener, sondern auch Jude.

Duett mit Hermann Offergeld

Weit über ein Mittelmaß hinaus wirkte die Musikalität Thomas Beckers, der auf dem Keyboard ebenso zu Hause war wie auf dem Akkordeon. Selbst auf dem Gemüt der überschaubar großen Gemeinde auf den Stühlen im Saal wusste der Ex-Richter zu spielen wie auf der Klaviatur seiner Instrumente: Sein Duett mit dem bald 90-jährigen Hermann Offergeld rührte jedenfalls alle, die diese Vorstellung verfolgten.