Stolberg-Zweifall: Tage des Zweifaller Klosters sind gezählt

Stolberg-Zweifall: Tage des Zweifaller Klosters sind gezählt

Es herrscht Ru­he an der Klosterstraße 40 in Zwei­fall. Das ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches für einen abgeschiedenen Ort, an dem Karmelitinnen ein Kloster gebaut haben, um in Klausur zu leben. Und doch hat sich in den vergangenen Wochen etwas verändert.

Schwester Katharina hat das Karmelkloster verlassen. Leise, ohne offizielle Ver­abschiedung. Und deshalb von vielen unbemerkt. Im Dorf erzählt man, dass sie nun für einen privaten Pflegedienst arbeite. Aber so ganz sicher weiß das niemand.

Ganz sicher ist hingegen, dass sich die Situation mit dem Fortgang von Katharina noch einmal zugespitzt hat. Denn jetzt hält nur noch Schwester Maria Regina das Klosterleben auf den Anhöhen des Voreifelortes im Stolberger Süden aufrecht. Sie ist die einzig Verbliebene der einst achtköpfigen Gemeinschaft, die sich im Dezember 1955 in Zweifall gegründet hatte.

„Ich möchte mein restliches Leben hier als eremitische Karmelitin verbringen“, sagt Maria Regina. Sie ist gewillt, zu bleiben und das Kloster als „kleines geistliches Zen­trum“ aufrechtzuerhalten. Die Mitglieder des Freundeskreises des Karmels werden sie dabei unterstützen. Schon seit Jahren helfen sie beim Unterhalt und der Pflege von Gebäude und Grundstück, übernehmen Erledigungen und packen auch mit an, wenn es mal wieder eine Ausstellung oder ein Konzert vorzubereiten gilt. „Wir haben nach wie vor ein großes Interesse daran, dass dieses Kloster offen bleibt“, betont der Sprecher des Freundeskreises, Johann Ehlen. Und er verweist auf den weiterhin großen Zuspruch, den es für das religiöse Angebot im Karmel gibt. Jeden Sonntagmorgen um 8 Uhr wird in der Klosterkirche ein Gottesdienst zelebriert. Regelmäßig machen sich dann zwischen 50 und 60 Gläubige auf den Weg. „Die Messe, die wir dort oben feiern, die feiern wir sehr intensiv“, berichtet Ehlen mit Nachdruck. „Da sitzt niemand, der die Minuten zählt und sich freut, wenn es endlich vorbei ist.“

Davon hat sich am vergangenen Wochenende auch Karl-Heinz Schnitzler überzeugt. Der Rechtsanwalt aus Düren war, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt, beeindruckt von der großen Zahl der Messbesucher. Doch Schnitzler muss sich in erster Linie an Fakten orientieren. Und die besagen, dass er vom Notvorstand des „Karmelitinnen e.V. Stolberg“ als Liquidator beauftragt worden ist. Im August 2011 hatte das Amtsgericht Aachen den Notvorstand benannt, weil es der Ansicht war, dass der Verein seit Jahren keinen rechtlichen Vertreter mehr habe. Der Verein aber ist Eigentümer der gesamten Klosteranlage. Und kann somit auch über deren Zukunft entscheiden.

Der Notvorstand hat das mit der Beauftragung von Karl-Heinz Schnitzler getan. Wobei diesem der Begriff „Liquidator“ spürbares Unbehagen bereitet. „Meine Aufgabe ähnelt der eines Insolvenzverwalters“, sagt er. Wobei der Vergleich in einem zentralen Punkt hinkt: Während das Ziel eines Insolvenzverwalters in der Regel die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes ist, soll Schnitzler das Kloster verkaufen. „Das ist mein Auftrag“, bestätigt er und beschwichtigt zugleich: „Ich möchte eine sozial verträgliche und erträgliche Lösung finden.“ Was auch bedeute, „dass die Schwester nicht von heute auf morgen ausziehen muss“.

Priorität bei der Suche nach möglichen Investoren sollen deshalb „vornehmlich karitative Interessenten“ genießen. Eine Jugendherberge, ein Kinderheim oder eine Senioreneinrichtung kann der Rechtsanwalt sich sehr gut vorstellen am Klosterberg. Aber er räumt ein, dass dies nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Bauordnungsrechtes ist. Schließlich liegt die Immobilie inmitten eines Naturschutzgebietes. Und einen Anschluss an das öffentliche Kanalnetz gibt es nicht.

Schnitzler hat deshalb der Stadt Stolberg die alten Baupläne vorgelegt — verbunden mit der Bitte, zu prüfen, welche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen genehmigungsfähig sein könnten. Auch eine Machbarkeitsstudie könnte für Klarheit sorgen. Bezahlt werden müsste sie allerdings aus dem Vermögen des Klostervereins. Der finanziert sich im Übrigen weiter zu 100 Prozent selbst. 200.000 Hostien pro Monat stellt Schwester Maria Regina in der hauseigenen Bäckerei her und verschickt sie in etliche europäische Länder. Die Kunden haben ihr genauso die Treue gehalten wie die Gläubigen in Zweifall.

Vorerst, da ist Karl-Heinz Schnitzler sicher, wird sich an all dem nichts ändern. „Diese Angelegenheit wird noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen.“ Doch grundsätzlich tickt die Uhr gegen das Kloster: Das Amtsgericht hat laut Schnitzler die Auflage erteilt, dass die Abwicklung „zeitnah“ zu geschehen habe. Das entspreche auch der Einschätzung der Steuerbehörde, die dem „Verein in Auflösung“, so die juristische Bezeichnung, nicht mehr auf unbestimmte Zeit die mit einem Eintrag ins Vereinsregister verbundenen Vorteile gewähren will. Für 2014 sei das mit dem Finanzamt bereits geklärt, und auch 2015 dürfte noch im Toleranzrahmen liegen. „Spätestens danach aber muss etwas passieren“, betont Schnitzler. Und bringt damit zum Ausdruck, dass die Tage des Zweifaller Klosters definitiv gezählt sind.

Mehr von Aachener Zeitung