Stolberg: Tag der Archive: Aha-Erlebnisse und lebendige Geschichte

Stolberg : Tag der Archive: Aha-Erlebnisse und lebendige Geschichte

Auch 900 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung Stolbergs ist die Geschichte der Stadt lebendig. Besonders am bundesweiten Tag der Archive, an dem am Sonntag das alte Rathaus der Schauplatz war, der Historie und Kommunikation vereinte.

Viele Gespräche wurden geführt, Fragen gestellt und Informationen ausgetauscht, denn der Tag der Archive war auch ein Tag der Begegnung. Und ein Tag mit vielen Aha-Erlebnissen, für welche die Ausstellung des Stadtarchivs garantierte.

„Ungebaut — Pläne für die Schublade“, war diese Schau betitelt, und „heute können wir froh sein, dass einige der Pläne in der Schublade geblieben sind“, meinte Stadtarchivar Christian Altena. Viele der Besucher schlossen sich im alten Rathaus aus dem Jahr 1838 dieser Meinung an. Und wem das neue Rathaus eher weniger gefällt, dem zeigte der Tag der Archive: Es hätte noch viel schlimmer kommen können: Denn alternative Entwürfe des neuen Verwaltungssitzes hatten den Abriss des historischen Rathauses beinhaltet.

Erst das Eingreifen des Landeskonservators hat 1971 die vollständige Zerstörung des klassizistischen Bauwerks verhindert und dafür gesorgt, dass der Mitteltrakt erhalten blieb. Während heutzutage bei Neugestaltungen gerne die Historie berücksichtigt wird — wie etwa mit dem Sayette-Garten auf der Frankentalwiese am Bastinsweiher — herrschte noch vor wenigen Jahrzehnten scheinbar ein anderer Zeitgeist vor: Planer wollten Projekte modern verwirklichen, ohne dabei Rücksicht auf geschichtsträchtige Bauten zu nehmen.

Davon zeugte die Ausstellung „Ungebaut“ anhand mehrerer Entwürfe. Und wären jene Pläne nicht in der Schublade geblieben, sondern tatsächlich umgesetzt worden, wäre nicht nur das alte Rathaus den Planern zum Opfer gefallen. Auch historische Ensembles wie die Kupferhöfe Grünenthal und Schart würde es heute nicht mehr geben.

Aber die Schau zeigte auch nicht realisierte Pläne, die durchaus heute noch überzeugen können. „Ein toller Entwurf von Wilhelm Schleicher aus dem Jahr 1887 zählt dazu. Dieser Plan war sehr reizvoll“, sagte Christian Altena.

Die Stadt hatte den größten Teil der Gartenanlagen des Kupferhofs Grünenthal erworben, und als Schleicher seinen Plan entwarf, gab es das ehemalige Goethe-Gymnasium noch nicht. Schleichers Entwurf „für einen zentralen Stadtplatz“ sah vor, stattdessen parallel zum ehemaligen Amtsgericht ein Rathausgebäude zu errichten, der Zwischenraum sollte offen in eine Grünanlage führen, so dass die Symmetrie des Kaiserplatzes fortgeführt würde. Die Symmetrie, die inzwischen unter dem neuen Kupferpavillon leiden würde, wie ein Ausstellungsbesucher kritisch anmerkte.

Zu der gut besuchten Veranstaltung gehörten auch Führungen durch das Stadtarchiv im Keller des altehrwürdigen Rathauses, zu denen Altena auch Gäste aus Würselen und Heinsberg begrüßte, und auch die Vereinsstände im Erdgeschoss waren sehenswert. So waren bei der dritten Stolberger Auflage der Veranstaltung die Kolpingsfamilie und die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stadtmitte als neue Teilnehmer dabei. Während die Kolpingsfamilie etwa mit einer prachtvollen Fahne daran erinnerte, dass sie einst „Katholischer Gesellen Verein Stolberg“ hieß, stellte die 1659 gegründete Bruderschaft eine Menge Schützensilber aus. Zum Beispiel eine alte Königsplakette aus dem Jahr 1736.

Der Mausbacher Arbeitskreis Geschichte demonstrierte eindrucksvoll, dass die Aktiven sich inzwischen der Historie der gesamten Altgemeinde Gressenich widmen und dabei auch mit neuen Medien arbeiten, also sowohl digital als auch analog das geschichtliche Erbe bewahren. Selbstredend war auch der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein mit von der Partie, dessen Veröffentlichungen auf großes Interesse stießen.

Das Museum in der Torburg präsentierte nicht nur historische Werkzeuge, sondern verpflegte die Besucher auch in der Cafeteria. Warum das Stolberger Kupfer gelb ist, und dass es heute Messing genannt wird, erklärte unterdessen der Eifel- und Heimatverein Breinig, und das Museum Zinkhütter Hof stellte das Modell einer Dampfmaschine aus eben jenem „Stolberger Gold“ Messing aus.

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