Stolrun 19 historisch gesehen

Auflösung des Sommerrätsels : Stolrun 19, historisch gesehen

Motiv unseres 13. und letzten Sommerrätsels vom vergangenen Samstag war das Anfang September anstehende sportliche Ereignis „Stolrun 19", das nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr, nun schon zum zweiten Mal durchgeführt wird.

Somit beschäftigt sich unserer neuer Hintergrundartikel mit dem spaßigen, aber anspruchsvollen Hindernislauf und den historischen Besonderheiten entlang der unterschiedlich langen Strecken.

Die Teilnehmer können zwischen drei Routen auswählen: dem „Coppermann's Hell", der von der Altstadt bis zum Burgholzer Hof führt, 20 Hindernisse umfasst und sieben Kilometer lang ist, sowie der „Kid's Mile", der die Altstadt mit der Burg berührt und dem „Family Run", der weitgehend mit der Altstadtstrecke von Kid's Mile identisch ist und bei dem ebenfalls sechs Hindernisse zu bewältigen sind und gleichfalls zwei Kilometer lang ist.

Start- und Zielpunkt ist der Kaiserplatz. Der Kaiserplatz ist im späten 19. Jahrhundert entstanden und hatte ursprünglich zum Gartengelände des in der Nähe des Alten Rathauses liegenden Kupferhofes Grünenthal gehört. Die ehemalige Messingmanufaktur und der bis zur Sonnentalstraße reichende Garten sind 1887 verkauft worden. Käufer war die Stadt Stolberg, die den früheren Garten als Baugrund parzellierte und im ersten Drittel des Geländes eine Freifläche, den späteren Kaiserplatz anlegte.

Der Steinweg war einst ein gepflasterter Verbindungsweg zwischen der Altstadt und dem Gewerbestandort Mühle. Zur Geschäftsstraße wurde der Steinweg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Bebauung gehört somit zur historischen Neustadt. Die Altstadt liegt rechts der Vicht und hat sich in der frühen Neuzeit rund um die Burg entwickelt. Ihre Bebauung reicht in das 16. Jahrhundert. Zu den ältesten Gebäuden zählt das in der Klatterstraße liegende, im späten 16. Jahrhundert entstandene Fachwerkgebäude, das seit einigen Jahrzehnten zur Gaststätte „Altes Brauhaus Burgkeller" gehört.

Im gleichen Zeitraum entstand vermutlich auch die an der Ecke Mühlen-/Klatterstraße liegende frühere „Arnolds-Mühle", die sich ebenfalls am Streckenverlauf von Stolrun 19 befindet. Sie war einst die Zwang- und Bannmühle der Unterherrschaft Stolberg. Schließlich waren die Bauern der Unterherrschaft dazu verpflichtet, ihr Korn ausschließlich nur in dieser einen, dem Burgherrn gehörenden Mühle, mahlen zu lassen.

Die Burg ist Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden. Um 1450 erbaute Wilhelm von Nesselrode, ein aus dem Bergischen Land stammender Lehnsmann des Herzogs von Jülich, auf dem oberhalb der Vicht liegenden Felsmassiv eine neue Burg. Eine Vorgängerburg war 1375 vom „Landfriedensbund" zerstört worden. Die dort ansässigen Burgmannen sollen sich als Raubritter betätigt und durchreisende Kaufleute belagert haben. Das Baumaterial für die neue Burg, die anfänglich nur aus einem Kellergeschoss und einem eingeschossigen Saalbau bestanden hatte, ein Geschützturm wurde wenig später hinzu gefügt, hatte man höchstwahrscheinlich dem nordöstlich der Burg gelegenen Steinbruch Gehlen (heute Naherholungsgebiet) und dem westlich der Burg gelegenen Steinbruch Rotsch (heute Standort der Firma Klüttgens) entnommen.

Der westlich der Burg liegende Steinbruch, auch „Gehlens Kull" genannt, der ebenfalls Standort einiger Hindernisse beim diesjährigen Stolrun ist, erlebte im späten 19. Jahrhundert eine technische Aufwertung. 1899 waren dort unter der Leitung von Heinrich Gehlen drei Kalköfen in Betrieb. Abnehmer für den gebrannten Kalk waren unter anderem das in Aachen ansässige Hüttenwerk Rothe Erde und die chemischen Betriebe, die in Würselen und im heutigen Stadtteil Atsch beheimatet waren. 1954 wurde in Gehlens Kull die Produktion eingestellt.

1985/86 wurde der ehemalige Steinbruch rekultiviert: Wege, Ruheplätze und eine Schutzhütte sowie ein Feuchtbiotop wurden angelegt. Außerdem wurde ein historischer Kalkofen restauriert. Seitdem dient Gehlens Kull als Naherholungsgebiet.

Bis zum landwirtschaftlich genutzten „Burgholzerhof" und den Hammerbergwiesen führt die Strecke des Coppermann's Hell. Als Burgholz wurde ein in der Nähe von Werth und Mausbach liegendes bewaldetes Terrain bezeichnet, das schon in vorindustrieller Zeit ebenso wie der Hammerberg dem Abbau von Zink-, Blei- und Eisenerz im Tagebauverfahren gedient hatte. Das Hauptfördergebiet lag aber im Bereich des Hammerberges. Dort war von etwa 1840 bis 1900 der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) tätig, der am Hammerberg vorwiegend Blei- und Zinkerze abbaute.

Eine ehemalige Bergehalde dieser Grube liegt oberhalb des Kreuzungsbereiches Finkensief-/Zweifaller Straße. Besonders im Winter, wenn die dortigen Bäume noch kein Laub tragen, ist die frühere Halde sehr gut zu erkennen. Ganz in der Nähe der Halde liegt auch ein Stolleneingang der früheren Hammerberggrube. Somit liegen an den drei Routen des diesjährigen Extremlaufs Stolrun zahlreiche, historische Besonderheiten. Es ist aber zu „befürchten", dass die Teilnehmer dafür diesmal keine Zeit aufbringen können. Schließlich müssen sie unter anderem über Reifen hüpfen, Schlammstrecken bewältigen, Wasserrutschen absolvieren und über Palettenberge klettern.

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