Stolberger Tafel wurde vor 20 Jahren gegründet

Stolberger Tafel feiert Jubiläum : Am ersten Tag vor 20 Jahren kamen nur drei Kunden

Angefangen hat alles mit einigen Kisten Obst und Gemüse, 21 Stolbergern und mehreren privaten Autos, die mit einem kleinen Aufkleber versehen waren. Was darauf zu lesen war? Stolberger Tafel. Von einem Kühlwagen war man damals genauso weit entfernt, wie von etlichen Ehrenamtlern, die die Stolberger versorgen, die sich einen Einkauf in einem „normalen“ Lebensmittelgeschäft nicht leisten können.

Das ist mittlerweile 20 Jahre her. Am 15. April 1999 wurde der Verein Stolberger Tafel gegründet. Warum man eine Vorsitzende erst einen Abend vor der Gründerversammlung fand? Und wie das Jubiläum in diesem Jahr gefeiert werden soll? Dazu später mehr.

Entstanden ist die Stolberger Tafel damals aufgrund einer Initiative des Arbeitskreises „Soziale Gerechtigkeit“ des Dekanats Stolbergs. Die Idee, die auch deutschlandweit hinter dem Konzept der Tafeln steckte: „Man hat sich gefragt, wie man Lebensmittel, die noch brauchbar sind, weiterverwenden kann, anstatt sie wegzuwerfen“, sagt Tafel-Vositzende Gisela Becker-Bonaventura und fügt hinzu: „Es kann nicht sein, dass so viele Lebensmittel nicht genutzt werden, weil sie zu klein, zu braun oder zu schrumpelig sind.“ Nachdem den Stolberger Initiatoren ein Ladenlokal in der Eschweilerstraße zur Verfügung gestellt wurde, ging dann alles ganz schnell. Am 15. April 1999 wurde der Verein gegründet, im August zog man schließlich ein.

Problematisch war damals allerdings die Suche nach einem Vorsitzenden. Es musste jemand sein, der die bis dahin fast unbekannte Tafelidee in Stolberg gut vertreten und publik machen konnte. Der Sprecher der Arbeitsgruppe – Franz Josef Koke – wollte diese Aufgabe nicht übernehmen, da er Stolberg zu wenig kannte und er selbst in Stolberg kaum bekannt war. Erst am Vorabend der Vereinsgründung konnte die ehemalige Vorsitzende des Helene-Weber-Hauses, Lucie Mennicken, für diesen Posten gewonnen werden.

20 Jahre Stolberger Tafel. Foto: ZVA/Tafel/Essers/Tafel

Sie war erst wenige Tage vorher pensioniert worden. An der Gründungsversammlung war ihre Teilnahme so kurzfristig wegen anderer Termine nicht möglich, sie konnte sich aber kurz vorstellen und ihre Zustimmung zur Wahl einer Vorsitzenden bekannt geben. Dabei wurde abgesprochen, dass Mennicken vorwiegend die Vertretung nach außen und die Personalentscheidungen wahrnehmen und der Stellvertreter die anderen Aufgaben der Vorstandsspitze übernehmen würde.

Anfang August ging dann der Ladenbetrieb los. Am ersten Tag kamen allerdings nur drei Kunden. Kunde konnte werden, wer seine Bedürftigkeit schriftlich erklärte und aus Stolberg oder auch aus einem Nachbarort kam, in dem noch keine Tafel bestand. Die Kunden erhielten eine Kundenkarte, auf der die Familiengröße vermerkt war. Um den Bedürftigen das Gefühl zu vermitteln, eine Gegenleistung zu erbringen und um den Ladenbetrieb finanzieren zu können, legte der Vorstand für die einzelnen Sortimente kleine Kostenbeiträge fest. Öffnungszeiten des Ladens waren damals von Dienstag bis Freitag von 16 bis 18 Uhr und Samstag von 14 bis 16 Uhr.

Heute kaum noch vorstellbar. Insgesamt 850 Familien – also knapp 2000 Personen – wurden im vergangenen Jahr von der Stolberger Tafel versorgt. Die aktuellen Zahlen werden bei der Mitgliederversammlung am Montag, 15. April, von Gisela Becker-Bonaventura präsentiert. Dann stehen auch die Neuwahlen des Vorstands auf der Tagesordnung.

Vor 20 Jahren wurde die Stolberger Tafel gegründet. Foto: ZVA/Tafel/Essers/Tafel

Um dem größeren Andrang an Kunden gerecht zu werden, zog der Verein 2016 in ein neues Ladenlokal – nur wenige Meter von der alten Einrichtung entfernt und mit rund doppelt so viel Platz wie vorher. Heute sei man gut aufgestellt, sind sich Gisela Becker-Bonaventura und ihr Stellvertreter Alfred Baldes sicher. Besonders dankbar sind sie, dass es so viele Menschen gibt, die die Tafel in verschiedenen Formen – sei es ehrenamtlich oder finanziell – unterstützen.

Mit ihnen sowie mit den Kunden soll das Jubiläum der Stolberger Tafel übrigens auch gefeiert werden und zwar am Sonntag, 30. Juni, im Museum Zinkhütter Hof. Mehr wollen Gisela Becker-Bonaventura und Alfred Baldes allerdings noch nicht verraten.