1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg: Stolberger Steinmetz für deutschen Engagementpreis nominiert

Stolberg : Stolberger Steinmetz für deutschen Engagementpreis nominiert

Alles begann mit dem Karneval: Vor 41 Jahren gründete André Hennecken gemeinsam mit rund 20 anderen Jecken die KG Sündenböcke, eine „etwas alternative“ — für beide Geschlechter offene und ohne Hierarchien auskommende — Karnevalsgesellschaft.

Schnell gelangten die „Sündenböcke“ zu einem gewissen Bekanntheitsgrad und durch die Krebserkrankung eines Kindes aus dem Ort an den ersten wohltätigen Zweck: die Unterstützung der Kinderkrebshilfe. Seitdem sind einige dazu gekommen: unter anderem der „Bunte Kreis“, der Familien mit schwer kranken Kindern begleitet, das Café Plattform, das Wohnungslose unterstützt und die Stolberger Tafel.

Die Erlöse stammen aus Veranstaltungen, die oft aus der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen oder mit den lokalen Institutionen entstehen. Die „Flüstersitzung“ bietet Karneval in einfacher und preiswerter Form, direkt vor Ort. „Statt großer Gagen für Künstler schauen wie lieber, was wir selber machen können“, sagt Steinmetz und Steinbildhauer Hennecken. Eigene Kabarett- und Musiknummern bereichern also die Frühschoppen oder den „Karneval im Dorp“, zu dem die Besucher ihr eigenes Essen mitbringen und gemeinsam speisen.

Neben Karnevalssitzungen bringt Hennecken vor allem jede Menge Kunst nach Breinig: Nach verschiedenen Ausstellungen rund um den Stein organisierte er die Ausstellung „Platz gemacht“ und 1994 erstmalig gemeinsam mit Künstler Win Braun „Kunst und Breinig“ — im öffentlichen Raum und ohne Eintritt. „So bringt man Kunst und Künstler dem Ort näher“, so Hennecken.

„Kochen für den guten Zweck“ und das jährliche Adventsgrillen auf dem Hof von Walter Emonts sind weitere Aktionen. Bei vielen Aktionen sieht er sich hauptsächlich als Initiator. „Es ist sehr schön, Dinge vorzuschlagen und dann zu sehen, wie sie von den Leuten angenommen und weitergetragen werden.“

Dabei ist nicht die Prämisse, besonders große, spektakuläre Events in die Stadt zu bringen, sondern vielmehr, Aktionen zu organisieren, die der normale Lebensalltag der Stolberger und auch der Veranstalter erlaubt. Und die dann die Unterstützung von speziellen, konkreten Zwecken ermöglicht — zum Beispiel die Erneuerung der Fenster der Pfarre. Sein eigenes handwerkliches Talent setzte er auch für den guten Zweck ein: Für den Vorplatz der St. Barbara Kirche hat er neue Bodenplatten gefertigt, die dann von den Bürgern für 50 Euro erworben werden konnten.

Ebenfalls vor der Kirche: Blumenkübel, auf denen bildhauerisch die Vereine des Ortes dargestellt sind, kombiniert mit einem biblischen oder humorvollen Spruch, der wiedergibt, was den Verein ausmacht. „Mit solchen Dingen lädt man die Leute ein, zu kommunizieren“, so Hennecken.

Eine doch relativ große Aktion war die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2008, 2011 und 2014. Hennecken schaffte es, viele Menschen zum Mitwirken zu motivieren. Unter anderem mit einem Kräutergarten hat der Ort Akzente erhalten, die von den Bürgern gestaltet worden sind. In diesem Jahr hat Breinig auf die Teilnahme verzichtet. Die zu bewältigende Bürokratie hätte die Aktionen nur gehemmt — bevor Projekte geplant werden, sollen Erhebungen und Statistiken zum Bedarf durchgeführt werden.

Austoben konnten sich die Breiniger dafür bei der Fahrradaktion pünktlich zur Tour de France. Gemeinsam mit der Werbegemeinschaft Breining ließ Hennecken Fahrräder von Kindern gestalten — also Deko rund um das Ortsschild und überall im Dorf sowie als Leasingräder.

Seit er 16 ist, denkt sich der inzwischen 57-Jährige immer neue Aktionen aus. „Es macht mir einfach Spaß, immer wieder verrückte Ideen umzusetzen. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kommt einem, auch immer wieder etwas in den Kopf.“

Eingebunden zu sein in Vereine findet er wichtig: Um Interessen zu teilen und nachhaltige Freundschaften zu pflegen, Rückhalt zu erfahren. Bei so vielen Vereinsmitgliedschaften kommen einige Verpflichtungen zusammen: Hennecken legt sich inzwischen möglichst alle Sitzungen auf einen Tag in der Woche. Und donnerstags ist sowieso Familientag. Gewisse Zeiten mit ihrem Mann sind Henneckens Frau ohnehin sicher: beide haben eine Dauerkarte für die Spiele des 1. FC Köln.

Für dieses Jahr steht als konkrete Aktion neben dem „Kölsche Köbes Klaaf“ am 6. Oktober das traditionelle Adventsgrillen an.

Und was würde er mit seinem Preisgeld machen, wenn das Publikum ihn zum deutschlandweit „Engagiertesten“ kürt? „Im sozialen Bereich gibt es so viele Punkte, an denen gekürzt wird. Deshalb würde ich in Projekte für Senioren und Jugend investieren.“ Was er außerdem fördernswert findet: den Tierschutz. „Darüber spricht irgendwie niemand mehr.“

Noch bis zum 20. Oktober kann unter www.deutscher-engagementpreis.de jeder für seinen Favoriten abstimmen. Rund 680 Projekte und Personen sind nominiert. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro. Verliehen wird der Preis Anfang Dezember in Berlin.