Stolberger Stadtrat applaudiert für das städtische Seniorenzentrum

Seniorenzentrum auf der Liester : Erstmals wieder Applaus fürs Seniorenzentrum

Mit Kip Sloane und Anne Miller kehrt im Stadtrat das Vertrauen in die Zukunft der städtischen Einrichtung auf der Liester zurück. Aber wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Applaus im Stadtrat. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Zumindest bei Themen zum Seniorenzentrum auf der Liester nicht. Aber an diesem Dienstag ist es anders. Es gibt kräftiges Händeklatschen als Zeichen des Vertrauens und eines gelungenen Aufbruchs in eine neue Ära. Im Plenum ebenso wie auf der Besuchertribüne. Dort haben Mitarbeiter der städtischen Senioreneinrichtung Platz genommen. Auch sie applaudieren.

Der Beifall gilt Anne Miller und Kip Sloane. Miller hat vorübergehend die Geschäftsführung der Senioreneinrichtung auf dem Gelände der früheren Propst-Grüber-Schule übernommen, Sloane hat für die Kölner Unternehmensberatung Rosenbaum Nagy die Wirtschaftlichkeit geprüft und Handlungsempfehlungen unterbreitet. Gemeinsam mit der Belegschaft haben sie längst die Ärmel hochgekrempelt, um das Seniorenzentrum auf Kurs zu bringen – wirtschaftlich wie emotional und sozial.

Anne Miller und Kip Sloane halten mit ihren Informationen nicht hinter dem Berg, zeigen im Detail vor dem Stadtrat auf, wo die Probleme sind und wie sie angegangen werden. Solch klare Ausführungen hat die Gesellschafterversammlung in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht mehr gehört.

Fehlende Auslastung, Verwaltungs- und Overheadkosten, Personalsteuerung, Hauswirtschaftskonzept und Entgelte in der ambulanten Wohngemeinschaft werden als wesentliche Gründe für die defizitäre Entwicklung genannt und im Detail ebenso erläutert wie die strategische Stoßrichtung der Neuausrichtung. Sloane und Miller setzen an bei Marketing und Vertrieb, Führung, einer Steuerung der Leistungsbereiche und der Unternehmenskultur. Der Personaleinsatz soll besser gesteuert, das Hauswirtschaftskonzept überarbeitet, die Auslastung gesteigert, der Pflegesatz neu verhandelt und zudem Konfliktherde befriedet werden.

Einen solchen legte der Rat im nicht öffentlichen Teil einstimmig bei, indem er einen Dringlichkeitsbeschluss genehmigte, mit dem sich die Stadt über die weitere Trennung vom Haus am Amselweg mit dem Immobilieneigentümer 2. Si-Verwaltungs GmbH geeinigt hat. So wird beispielsweise die Verwaltung des städtischen Seniorenzentrums am 15. November ebenfalls in das neue Heim auf der Liester umziehen.

In Arbeit sind noch viele andere Problemstellen, und der Wirtschaftsplan für die Jahre 2020 bis 2024 wird dem Rat im Dezember zur Beratung vorgelegt. Dann soll auch eine Analyse vorgelegt werden, ob man sich für die Anmietung der hinter dem Zentrum entstehenden betreuten Wohneinheiten engagieren soll. Das Betriebsmodell erscheint  interessant – erst recht mit Blick auf das Standbein der angebotenen ambulanten Pflege. Ohnehin sei das Propst-Grüber-Gelände als Campus für unterschiedliche Formen des Seniorenwohnens konzipiert. Das eigene Konzept müsse nur an einigen Stellen nachgeschärft werden.

Und angesichts der 56 Pflegeplätze, die die Städteregion für Stolberg im kommenden Jahr ausschreiben wolle, bestehe die Hoffnung, dass die bislang noch nicht anerkannten, aber bestehenden 19 Plätze dann auch offiziell angerechnet werden, zeigte sich Bürgermeister Patrick Haas optimistisch. Auch dies wäre ein Beitrag zur Konsolidierung der Einrichtung. Jedenfalls zeigte sich der Stadtrat zuversichtlich, dass es  auf der Liester nun „in die richtige Richtung“ laufe.

Derweil besteht noch Beratungsbedarf, ob ein kleineres Gremium als der Rat zukünftig als Gesellschafterversammlung fungieren solle. Die Entscheidung über den Vorschlag von Patrick Haas, dass der Bürgermeister das gemeinsam mit jeweils einem Mitglied der Ratsfraktionen übernehmen soll, wurde verschoben.