Stolberg: Stolberger Schüler lernen die Technik der Zukunft kennen

Stolberg: Stolberger Schüler lernen die Technik der Zukunft kennen

Ein zweistöckiger Bus, eine Handvoll promovierter Experten und jede Menge Technik für Experimente: Das ist das Konzept des „Touch Tomorrow“-Projekts der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung, das den Schülern die Welt von morgen zeigen soll.

In Kooperation mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln fährt dieser Bus seit wenigen Wochen durch die Bundesrepublik. Diese Woche hält er auf dem Stolberger Kaiserplatz und gewährt fünf Klassen des Ritzefeld-Gymnasiums Zutritt zu neuester Technologie.

In Kleingruppen arbeiten gerade Schüler der 9. Klasse die acht interaktiven Stationen ab. Zu Beginn führt ein kurzes Video ins Thema ein, dann müssen die Schüler Aufgabe bewältigen, beispielsweise zu den Themen Verschlüsselung von Daten oder Leuchtmittel und Kleidung der Zukunft.

Unterstützung erhalten sie dabei von sogenannten MINT-Coaches. Das sind speziell geschulte Mitarbeiter des Projekts, die in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) promoviert haben und ihre Begeisterung an die Schüler weitergeben wollen. Alexandra Boeska, die am Forschungszentrum Jülich in Biophysik promoviert hat, ist eine von ihnen.

Sie möchte insbesondere das Interesse von Mädchen an MINT-Fächern steigern, denn bei ihnen sind sie eher unbeliebt. „Wir haben uns bemüht, viele Frauen in den Videos und Texten zu Wort kommen zulassen, auch Professorinnen, Auszubildende und Studentinnen“, sagt Boeska.

Prototypen ausprobieren

Im ersten Stockwerk des Trucks testen die Schüler Prototypen, die das Leben der Menschen verändern könnten. „Wir möchten den Schülern zeigen, was in Zukunft kommt, nicht, was es schon gibt“, erklärt Boeska. „Die Exponate in dem Bus gibt es nämlich noch nicht auf dem Markt zu kaufen.“

Tobias und David programmieren gerade ein Hyperloop-Modell. Der visionäre Zug könnte ein mögliches Transportmittel der Zukunft sein und eine Geschwindigkeit von bis zu 1200 Kilometern pro Stunde erreichen.

Nur wenige Schritte weiter spielen zwei Schüler ein Spiel auf einem großen Bildschirm — ganz ohne Controller, Tastatur oder Fernbedienung. Sie steuern die großen Kugeln auf der Leinwand nur mit ihren Gedanken. Dafür tragen sie eine Art Brillengestell ohne Gläser. Das Gerät misst gleichzeitig das Level der Konzentration und stellt diese grafisch in Kurven dar. Das Ergebnis ähnelt einem digitalen EKG. „Wenn ihr es schafft, die Kugel zu steuern, habt ihr das richtige Level an Konzentration, das ihr auch für eine Klassenarbeit braucht. Das könnt ihr trainieren“, spornt Boeska die Schüler an.

Virtuelle Realität

Im oberen Stockwerk können die Schüler die Arbeitswelt von morgen erforschen. MINT-Coach Sohrab Noorsalehi-Garakani erklärt einer Schülerin gerade die Funktionsweise sogenannter Smart-Glasses. „Über die Brille erhalten die Schüler Informationen. Sie sehen Hologramme von 3D-Modellen und sollen mit einer virtuellen Anleitung einen Antrieb zusammenbauen, der in Einzelteilen vor ihnen liegt“, erklärt der Coach. „In Zukunft könnte diese Technik beispielsweise für Wartungsarbeiten eingesetzt werden.“

Andere Schüler erkunden mit sogenannten Virtual-Reality-Brillen eine simulierte Druckerei und versuchen, mit einer digitalen Bauanleitung defekte Maschinen zu reparieren.

Die Stationen des „Science-Trucks“ sind auf den Kenntnisstand der Schüler angepasst. „Jüngere Schüler sollen für die Fächer begeistert werden, damit sie sie in der Oberstufe nicht abwählen“, sagt der Projektleiter Engin Öztürk. „Die älteren Schüler wollen wir für MINT-Berufe begeistern.“ Den Schülern werden daher im Bus Infos, Bilder und Videos über mögliche Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in den MINT-Fächern zur Verfügung gestellt.

René Ostrowski ist Lehrer für Biologie, Physik und Informatik am Ritzefeld-Gymnasium und von dem „Touch-Tomorrow“-Truck begeistert. „Die Schulen können so eine Ausstattung nicht bieten. Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber es ist wichtig, dass der Unterricht durch externe Angebote ergänzt wird“, sagt Ostrowski. „Die Schüler sollen selbst experimentieren können, nur so entwickeln sie Interesse für die MINT-Fächer.“

Damit das neue Wissen nach dem Besuch nicht vergessen wird, erhält die Schule Lehrmaterial — natürlich in digitaler Form.

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