Stolberg: Stolberger müssen Dichte der Kanalanschlüsse prüfen

Stolberg : Stolberger müssen Dichte der Kanalanschlüsse prüfen

Etwa 121 Liter Wasser verbraucht der Durchschnittsdeutsche nach Angaben des Umweltbundesamts pro Tag. Das kommt in der Regel aus Leitungen ins Haus, und verlässt die Wohnung im Idealfall auch wieder durch eben solche. Ob nach dem Duschen, nach dem Waschen, dem Geschirrspülen oder nach dem Toilettengang: Die Wege führen in der Regel über Anschlussrohre bis in die Kanalisation.

Das Gute an den unterirdisch verlaufenden Rohren: Man muss das Abwasser, das man verursacht, nicht sehen. Das Schlechte an den unterirdisch verlaufenden Rohren: Wenn etwas kaputt ist, sieht und merkt man es nicht gleich. Gerade in Wasserschutzgebieten kann das zu Problemen führen.

Darum hat die NRW-Landesregierung ein entsprechendes Gesetz erlassen, demnach Hausanschlüsse, die im Wasserschutzgebiet liegen, bis Ende 2020 von zertifizierten Unternehmen überprüft und gegebenenfalls repariert werden müssen. In Stolberg sind davon 1362 Haushalte betroffen. Ein offizielles Anschreiben haben diese Bürger bisher noch nicht bekommen, die Stadt will aber in diesem Jahr per Post informieren.

Wer muss wie viel bezahlen?

Einer, der sich mit der Sache bereits auseinandergesetzt hat und befürchtet, dass diese kostspielige Überprüfung einige Stolberger Bürger überraschen wird, ist Werner Glasmacher aus Mausbach. Er ist sich sicher, dass viele der Haushalte nicht wissen, was kostentechnisch auf sie zukommt. „Mir berichteten Rentner, dass sie nicht wissen, wie sie diese Überprüfung zahlen sollen“, schreibt Glasmacher an unsere Redaktion. Einige hätten ihm gegenüber die Sorge geäußert, am Ende ihr Haus zu verlieren.

In der Tat müssen die betroffenen Bürger sowohl die Überprüfung als auch die eventuelle Reparatur selbst aufkommen, vom Haus bis zum Anschluss an die Kanalisation. „Man sollte für solch eine Überprüfung etwa 500 bis 1000 Euro einplanen“, erklärt Tim Grüttemeier, Stolbergs Bürgermeister, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit dem möglichst langen Zeitraum bis Ende 2020 haben wir uns für die bürgerfreundlichste Variante entschieden.“

Die Kosten für eine eventuell anfallende Reparatur könnten deutlich höher sein —abhängig vom Schaden und von den Gegebenheiten vor Ort. Auch wenn die Hausbesitzer mit einem entsprechenden Nachweis über einen überprüften und gegebenenfalls reparierten Kanal noch bis Ende 2020 Zeit haben, hätten sich bereits jetzt viele Bürger bei der Stadt über die Dichtheitsprüfung informiert, erklärt Grüttemeier. „Entsprechende Unterlagen halten wir hier vor.“

Im Rathaus bekommen die Betroffenen alle benötigten Informationen und auch eine Liste mit zertifizierten, seriösen Unternehmen, die die Prüfung ordnungsgemäß durchführen können. „Wir warnen in dem Zusammenhang vor Betrügern, die Haustürgeschäfte machen wollen“, sagt Grüttemeier. Auch wird noch im Laufe des Jahres 2017 ein offizielles Informationsschreiben an alle Haushalte gehen, die im Bereich der Wasserschutzgebiete „Hastenrather Graben“, „Nachtigällchen/Maria Schacht“ und „Wenau“ liegen.

Dass sich Anwohner über die anfallenden Kosten nicht gerade freuen, kann der Bürgermeister verstehen, erklärt aber: „Wenn etwas in meinem Besitz ist und kaputt ist, bin ich eben für die Reparatur zuständig.“ Gerade in Wasserschutzgebieten, die für die Gewinnung von Trinkwasser eine Rolle spielen, sei es wichtig, dass das Grundwasser nicht durch defekte Anschlüsse belastet wird.

Wer von dem Landesgesetz betroffen ist und sich trotzdem nicht kümmert, muss irgendwann mit erneuter Post rechnen: „Wenn sich jemand weigern würde, die Überprüfung durchzuführen, dann handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit“, erklärt Grüttemeier. Im Härtefall müsste die Kommune die Dichtheit zwangsweise selbst durchführen — auf Kosten des Anwohners, versteht sich.

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