Stolberg/Eschweiler: Stolberger legt eine „Tellerwäscher-Karriere” hin

Stolberg/Eschweiler: Stolberger legt eine „Tellerwäscher-Karriere” hin

Sein letzter Urlaub liegt drei Jahre zurück. Da war er in Holland. Wann der nächste sein wird, weiß er nicht. Zurzeit arbeitet er zwölf Stunden täglich. Mindestens. Und dennoch fühlt sich Ingo Adamus, als hätte er gerade einen Sechser im Lotto gewonnen.

Adamus ist geschäftsführender Gesellschafter des Mediamarkts, der am kommenden Donnerstag an der Auerbachstraße in Eschweiler seine Tore öffnet. 40 Jahre ist er alt, ist in Stolberg zu Hause und hat so etwas wie eine „vom Tellerwäscher zum Chef”-Karriere hingelegt. Die begann bei der Post, später Telekom. Dort stand er zuletzt in einem Kölner Laden und verkaufte Handys.

Bis ihm die tägliche Stausteherei auf der A4 zuviel wurde: Ingo Adamus wechselte als Fachberater in den Mediamarkt Aachen. Seither ging´s bergauf: Adamus wurde Abteilungsleiter für Bürokommunikation und Mobilfunkdienste, schließlich Gesamtverkaufsleiter.

Und dann begann das Gezerre um einen Mediamarkt in Eschweiler. Jahre politischer Grabenkämpfe und offener Schlagabtausche. Von den einen sehnsüchtig erwartet, von den anderen verteufelt. „Für mich eine jahrelange Achterbahn der Gefühle”, sagt Adamus, der die Auseinandersetzungen gebannt verfolgte. Und von seinem Chef den Rücken frei gehalten bekam, um sich auf die Geschäftsführung des erhofften Marktes vorzubereiten.

Adamus arbeitete zwei Jahre lang in Mediamärkten unterschiedlichster Größe und Lage - in Essen, Berlin, Holzminden, Hamburg, Giessen, Neuss, Düsseldorf und Konstanz. „Die Eröffnung jetzt ist für mich wie ein Sechser im Lotto”, strahlt der 40-Jährige, der nun nahe bei seinem Zuhause arbeiten kann: Adamus, im Eschweiler St. Antonius-Hospital geboren, lebt mit Ehefrau Sandra und den Kindern Stefanie (14) und Jan (10) im Stolberger Stadtteil Venwegen.

Im Februar erteilte die Stadt die Baugenehmigung, im März rollten die Bagger an - jetzt ist der Markt so gut wie fertig. Noch laufen täglich bis zu 250 Handwerker in der 4250 Quadratmeter großen Halle ein und aus, noch gilt es, die 40.000 unterschiedlichen Artikel, die 190 Lkw in den vergangenen Tagen angeliefert haben, in die Regale zu räumen. 3200 Quadratmeter umfasst die Verkaufsfläche - „eine gute Größe, um unsere gesamten Sortimente in Vielfalt präsentieren zu können”, sagt Adamus. Eine Größe, die sich im regionalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Die beiden Mediamärkte in Düsseldorf haben weitaus weniger Fläche. In Eschweiler passen 1,6 Kilometer Regale hin. Eine ganze Menge.

Ein Viertel der Fläche präsentiert TV-Geräte und Hifi-Geräte, „braune Ware” also, wie das im Fachjargon heißt. „Seit die Fernseher flach und zudem erschwinglich geworden sind, ist das Interesse daran riesig”, sagt Adamus. In den Gängen und Regalen stapeln sich unter anderem Handys und Notebooks, Kameras, Wasch- und Kaffeemaschinen, Töpfe und Pfannen, CDs, Computer- und Konsolenspiele. Letztere kann man hier auch auf Großbildschirmen testen. Allerdings erst ab 14 Uhr.

„Vorher gehören Kinder in die Schule, nicht an die Spielekonsole”, betont Ingo Adamus. Klar, dass auch seine beiden Sprösslinge je eine Spielekonsole ihr eigen nennen. „Aber die stehen bei uns im Wohnzimmer, nicht in den Kinderzimmern. Da haben wir eine bessere Kontrolle, wie oft und wie lange die Kinder damit spielen.”

Bis Ingo Adamus selbst wieder etwas mehr Zeit für seine Kinder haben wird, dürften noch einige Tage vergehen. Erst gilt es, die Eröffnung hinter sich zu bringen. Die Mannschaft dazu steht bereits in den Startlöchern. 47 feste Mitarbeiter, alle von Ingo Adamus persönlich ausgesucht. Menschen zwischen 18 und 61 Jahre; Fachpersonal, aber auch Quereinsteiger, die wochenlang geschult wurden. Einzelhandelskaufleute, Bürokaufleute, Lagerfachlogistiker. Und auch zwei Azubis, künftige Einzelhandelskaufmänner.

Nicht nur in seinen Personalentscheidungen hat Ingo Adamus freie Hand: Jeder Mediamarkt ist eine Firma für sich und in ihrer Sortimentsgestaltung bis hin zur Preisfestsetzung selbstständig. Zwar gibt es monatlich nationale Werbung für alle Märkte, aber selbst die ist nicht bindend: „Für uns gilt: Der tiefste Preis am Ort zählt”, sagt Adamus. Soll heißen: Bietet Mediamarkt ein bestimmtes Gerät bundesweit für die Summe X an, ein örtlicher Händler aber liegt preislich darunter, so wird auch der örtliche Mediamarkt den tieferen Preis ansetzen.

Was das Sortiment betrifft, richtet man sich nach den örtlichen Nachfragen und Gegebenheiten. Beispiel: Als Nokia Bochum den Rücken kehrte, wollte dort kein Mensch mehr Mobiltelefone dieses Herstellers - da wurden eben andere verstärkt ins örtliche Sortiment genommen.

Selbstständigkeit hier - Kooperation da: In Personalfragen beispielsweise arbeiten die vier Mediamärkte der Region (Eschweiler, Aachen, Herzogenrath und Hückelhoven) eng zusammen, veranstalten gemeinsame Fortbildungen und technische Schulungen, verlassen sich auf die Erfahrungen und Konzepte einer gemeinsamen Personalentwicklerin. „Dass das Miteinander zwischen den Mitarbeitern der vier Häuser prächtig funktioniert, das hat schon die gemeinsame Weihnachtsfeier vor ein paar Tagen gezeigt”, lacht Adamus.

Eine zweite „Weihnachtsfeier” steht in wenigen Tagen an: die Eröffnung, zu der Adamus tausende von Besuchern erwartet. So schlimm wie in Berlin, als vor wenigen Jahren 20.000 den neuen Markt am Alexanderplatz stürmten, dürfte es nicht werden. „Wir feiern in Eschweiler die 237. Eröffnung in Deutschland, da konnten wir schon einiges an Erfahrungen sammeln”, sagt der Geschäftsführer. An die 3000 könnten es sein, die früh um 6 den Laden stürmen. Adamus und sein Team können´s kaum erwarten.

Auf den Startschuss bestens vorbereitet

Auf einige tausend Besucher am Eröffnungsmorgen hat sich Ingo Adamus eingestellt. Der Geschäftsführer des Mediamarkts hat dazu zwei Sicherheitsdienste sowie die Aachener Verehrskadetten engagiert. Wenn früh um 6 Uhr die Tore öffnen, stehen auf den Dächern des Mediamarkts und des nahen Realmarktes Überwachungskräfte, die per Funk ihre Kollegen auf den Parkplätzen anweisen, Autofahrer auf freie Plätze zu lotsen.

Der alles in allem 4250 Quadratmeter große Mediamarkt ist am 9. Dezember von 6 bis 22 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag von 8 bis 21 Uhr, ab Montag von 9.30 bis 21 Uhr - nach Weihnachten gilt dann 9.30 bis 20 Uhr.

Der Mediamarkt bleibt nicht allein auf dem Gelände an der Auerbachstraße. In den nächsten Tagen und Wochen sollen unter anderem eine Bäckerei samt Caf, ein Sandwich-Anbieter, ein großer Sportartikelmarkt, ein Modegeschäft, ein Tierfutterhandel und ein Laden für Innenausstattungen/Dekorationsmittel folgen.

Die offizielle Eröffnung des gesamten Fachmarktzentrums erfolgt im Frühjahr.