Stolberg-Breinig/Frankreich: Stolberger Künstler begleitet 100. Tour de France

Stolberg-Breinig/Frankreich: Stolberger Künstler begleitet 100. Tour de France

Wenn Samstag knapp 200 Sportler die erste Etappe der berühmtesten Radrundfahrt der Welt in Angriff nehmen, gehört der Breiniger Künstler Win Braun zu den vielen Menschen, für die drei Wochen lang der Rest der Welt stillsteht und nur noch die „Tour de France“ zählt.

Doch seine Freude über das große Sportereignis ist getrübt. „Die ständige negative Berichterstattung der Medien geht mir gewaltig auf die Nerven“, sagt Braun. Es werde mehr von Doping oder nicht Doping gesprochen und geschrieben als über den Radsport selbst. „Das Schlimmste ist, dass die Fahrer inzwischen per se als Betrüger, Kriminelle und Lügner in der Öffentlichkeit dargestellt werden.“

Dem hält der begeisterte Radsportfan Begriffe wie Freundschaft, Verbundenheit und Loyalität entgegen und schickt voraus: „Die Fahrer sind Sportler und vor allem Menschen.“ Zustimmendes Kopfnicken erntet er dafür von Olaf Ludwig, einem der vielen Radprofis, mit denen Braun persönlich befreundet ist. Der dreifache Etappensieger der Tour gewann 1990 das Grüne Trikot der Sprintwertung und „diente“ als eines von zahlreichen Radrennmotiven, die Braun künstlerisch auf Leinwand brachte. Doch Brauns Verbindung zum Radsport gehe noch weiter, erklärt er: „Wenn ich es mir leisten konnte, habe ich auch junge Talente finanziell gefördert.“

Das könne er im Moment nicht. „Ich bin derzeit finanziell nicht so gut aufgestellt“, sagt er ohne Bedauern und in typischer Win-Braun-Manier frank und frei. 31 Jahre lang habe er bereits Etappen der „Tour de France“ vor Ort erleben können, doch ausgerechnet bei der 100. Auflage des Sportspektakels reiche sein Geld nicht für eine Reise nach Frankreich. „Ich dachte schon aus dem 32. Mal wird nichts, aber ich habe die Rechnung ohne meine Freunde, die Fahrer, gemacht“, freut sich der Radsport-Enthusiast.

Michael Schweizer (NSP-Ghost), der in den Jahren 2004 und 2005 für das Stolberger Profiteam ComNet Senges (heute Quantec-Indeland) fuhr, habe unter den Fahrern „den Helm“ herumgehen lassen, um Win Braun zu sponsern. Resultat der Sammlung unter den Fahrern sei, dass es nun doch einen „Win de France“ geben werde. „Das haben mir keine Betrüger und Kriminelle ermöglicht, sondern Radsportler, die echte Freunde sind“, betont Braun. Mindestens eine der 21 Etappen wird er in Frankreich verfolgen, die anderen von Breinig aus. Mit der Rolle des Fans allein will Braun sich aber nicht begnügen.

„Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, den Sport in den Vordergrund zu stellen und das Image der Fahrer ins richtige Licht zu rücken. Deshalb werde ich zu jeder Etappe ein Bild malen.“ So soll ein aktueller Win-Braun-Zyklus zur 100. „Tour de France“ entstehen, dessen 21 neue Bilder Ende Juli in acht Stationen der Breiniger Gastronomie ausgestellt werden. „Ich finde es super, dass Win sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt. Er ist nicht nur ein großer Künstler, sondern halt auch ein echter Radsportfan und hat es wirklich verdient, wieder bei der Tour dabei zu sein“, sagt Rad-Olympia- und Weltcupsieger Olaf Ludwig und klopft seinem Freund auf die Schulter.

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