Stolberg/Eschweiler: Stolberger Krankenhaus: Die Babys aus Eschweiler können kommen

Stolberg/Eschweiler: Stolberger Krankenhaus: Die Babys aus Eschweiler können kommen

Der kleine Luis hat am 19. September im Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum das Licht der Welt erblickt. Was den Säugling selbst kaum gekümmert haben dürfte, ist für das Krankenhaus jedoch eine wichtige Kennzahl: Luis war das 1000. Baby, das in diesem Jahr im Kupferstädter Krankenhaus geboren wurde.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr ist diese Marke erst einen Monat später geknackt worden. Es ist gut möglich, dass die Zahl der Geburten in Stolberg bald noch weiter ansteigt, denn der Samstag ist der erste Tag des „Regionetzwerks für die Frau“, einer Kooperation des Stolberger und des Eschweiler Krankenhauses.

Dass im St.-Antonius-Hospital in Eschweiler ab Samstag keine Kinder mehr geboren werden, und dass in der gynäkologischen Abteilung des Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum keine Eingriffe mehr vorgenommen werden, betrifft nicht nur die Patienten: Einige Mitarbeiter der beiden Häuser müssen sich auf ein neues Arbeitsumfeld einstellen: Drei Hebammen aus Eschweiler werden künftig in Stolberg arbeiten.

Stolberger Ärzte werden im Eschweiler Krankenhaus operieren. „Die letzte geplante Operation in der Stolberger Gynäkologie findet Freitag statt“, erklärt Dirk Offermann, Geschäftsführer des Stolberger Krankenhauses. Auch die letzte geplante Geburt in Eschweiler ist für Freitag angesetzt. „Alle weiteren geplanten Operationen oder Geburten sind bereits am jeweils neuen Standort terminiert.“

Doch nicht nur im direkten Kontakt mit den Patientinnen, auch im Hintergrund finden Gespräche zwischen den Krankenhäusern und den beiden Kommunen statt. Unter anderem wegen des Themas „Frühe Hilfen“.

Kürzlich hatte der sozialmedizinische Beratungsdienst der Städteregion Bedenken darüber geäußert, dass die Eschweiler Geburtenstation geschlossen wird. Denn solch eine Station ist ein wichtiger Knotenpunkt, um frühzeitig erkennen zu können, ob in einer Familie Hilfe benötigt wird. Dr. Josef Michels vom Gesundheitsamt der Städteregion hatte erklärt: „In Eschweiler bricht diese frühe Erkennung von Hilfebedürftigkeit weg.“ Große Defizite sieht Michels zwar nicht auf die Eschweiler zukommen, das bislang vorbildliche Netzwerk bekomme aber Risse.

Diese Befürchtungen des Gesundheitsamtes teilt Offermann nicht. Das Stolberger Krankenhaus verfügt über einen eigenen Sozialdienst, der sich spezialisiert hat, Familien mit Schwierigkeiten jedweder Art zu helfen. „Darüber hinaus sind alle unsere Mitarbeiter darauf sensibilisiert, achtsam zu sein und ein Auge darauf zu haben, ob eine junge Familie mit der neuen Situation vielleicht überfordert ist“, erklärt Offermann.

Hat ein Mitarbeiter das Gefühl, dass Hilfe benötigt wird, kontaktiert er den Sozialdienst des Krankenhauses. „Uns ist wichtig, aktiv vorzugehen, und nicht nur passiv Informationen an die Hand zu geben“, erklärt Offermann. Dennoch soll in enger Abstimmung mit den Kommunen und dem Krankenhaus Eschweiler geklärt werden, ob auch der sozialmedizinische Beratungsdienst in Stolberg tätig werden kann, und zwar zusätzlich. „Besser werden kann man immer“, so Offermann.

Sorgen, dass das Stolberger Krankenhaus nicht auf die zusätzlichen Geburten vorbereitet sei, macht sich die Bethlehem-Geschäftsführung nicht: So wird das Krankenhaus bald neue Kreißsäle bekommen: Fünf Stück werden sternförmig an den jetzigen Kreißsaal-Trakt angeschlossen.

Wenn alles nach Plan läuft, kann in diesem Jahr noch der Spatenstich erfolgen. „Im vierten Quartal 2017 sollen die neuen Kreißsäle in Betrieb sein“, sagt Offermann. Rund 1 Million Euro nimmt das Krankenhaus dafür in die Hand. 200.000 Euro aus Fördermitteln will die Stadt Stolberg organisieren. Dadurch, dass auch einer der alten Kreißsäle in Betrieb bleibt, stehen dann im Regelbetrieb sechs zur Verfügung.

„Die anderen alten Kreißsäle werden wir zur Geburtsvorbereitung nutzen. Auch die können im Ernstfall für Geburten eingesetzt werden.“ Platz genug für die Eschweiler Babys gebe es aber auch schon jetzt, betont Offermann. Zusätzlich zu den drei Hebammen aus Eschweiler hat das Stolberger Krankenhaus auch noch weitere zwei Hebammen eingestellt. „Wir sind gut vorbereitet. Jetzt müssen wir Erfahrungen sammeln.“

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