Stolberger Jobcenter stellt Bilanz für 2018 vor

Stolberger Jobcenter zieht positive Bilanz : „Die meisten Menschen wollen arbeiten“

Es sind gute Nachrichten, die Stefan Graaf und Marcus Alt im Gepäck haben. „Der Arbeitsmarkt in der Städteregion ist robust und der Arbeitsmarkt in Stolberg geht auch wieder nach oben“, sagt Graaf und verwendet dabei das Wort „Aufschwung“. Er muss es wissen. Schließlich ist Stefan Graaf Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion Aachen.

Sein Kollege Marcus Alt leitet die Stolberger Geschäftsstelle. In diesen Tagen präsentierten Graaf und Alt die Bilanz des vergangenen Jahres – und die kann sich in Stolberg wirklich sehen lassen. Viel zu tun gibt es allerdings trotzdem.

Das zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen. Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 7,7 Prozent. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr lag diese bei insgesamt 8,8 Prozent. „Wir sind guter Dinge, dass wir den Trend so beibehalten werden“, sagt Marcus Alt. Und das ist nicht die einzige positive Entwicklung in der Kupferstadt.

Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist angestiegen. Mitte des vergangenen Jahres gab es 14.323 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Stolberg. Marcus Alt bezeichnet dies als „erhebliche Entwicklung“. Mitte 2017 waren es 14.035 Menschen, Mitte 2016 waren es 13.777. Auch die Zahl der SGB-II-Bedarfsgemeinschaften – also der Familien, die vom Jobcenter betreut werden – ist weiter gesunken und zwar von 3426 im September 2017 auf 3230 im September 2018. Aktuellere Zahlen dazu gibt es derzeit nicht.

1634 Menschen davon leben alleine, 605 sind alleinerziehend, 362 sind Paare ohne Kinder, zudem gibt es 545 Familien. Insgesamt wurden 6620 Menschen in Stolberg zwischen 0 und 65 Jahren betreut. Das mache fast zwölf Prozent der gesamten Stolberger Bevölkerung aus. „Wir verstehen uns mehr denn je als Kümmerer in vielen Lebenslagen“, sagt Stefan Graaf.

Und wie sieht es mit der Entwicklung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus? Im September 2018 fielen darunter 4456 Menschen. Arbeitslose erwerbsfähige Leistungsberechtigte gab es 1678. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren – im September 2016 waren es 2039 Mensch und im September 2017 waren es 2034 Menschen – gab es eine rückläufige Tendenz. Ebenfalls gesunken ist die Zahl der Langzeiarbeitslosen in Stolberg.

Lebten im September  2016 insgesamt 1087 Langzeitarbeitslose in Stolberg und im September 2017 1096 Menschen so waren es im September 2018 noch 858 Menschen. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe man die Langzeitarbeitslosigkeit um 21,1 Prozent – also um ein gutes Fünftel – reduzieren können.

Ein Projekt, das dazu in Zukunft eine Menge beitragen soll, ist die Kooperation im Rahmen von BIWAQ (Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier). Eine Aufgabe, bei der das Jobcenter mit der Stolberger Verwaltung kooperiert und das alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt. „Es ist schwierig, Menschen daran zu gewöhnen, morgens um 7.30 Uhr wieder irgendwo zu sein. Das ist mit viel Arbeit verbunden“, weiß Marcus Alt.

Eine wichtige Rolle bei der Betrachtung der Arbeitslosenzahlen spielt auch die Schulbildung. Alt und Graaf haben die Erfahrung gemacht, dass es immer wieder Kunden gibt, die eine Arbeit aufnehmen. „Wenn aber die Bildung fehlt, ist das Risiko wieder arbeitslos zu werden relativ hoch“, so Alt. Aus diesem Grund sei es wichtig, in Bildung und Teilhabe zu investieren. Beim Jobcenter können Eltern beispielsweise Zuschüsse für Mittagessen und die Vereinsteilhabe beantragen. „Ich kann nur jedem raten, diese Möglichkeit auch in Anspruch zu nehmen“, so Graaf. Denn: „Wir hoffen, dass die Kinder von heute nicht die Kunden von morgen sind.“

Im Dezember 2018 gab es in Stolberg 460 Arbeitslose ohne abgeschlossene Schulausbildung. Das macht insgesamt 28 Prozent. Zudem wurden 1261 SGB-II-Arbeitslose – also 77 Prozent – ohne abgeschlossene Berufsausbildung registriert. Dennoch konnten im vergangenen Jahr 1065 Menschen aus dem Jobcenter heraus in eine Arbeit vermittelt werden. Und die Zahlen umfassen nur die Monate bis November. Aufgrund des fehlenden Dezembers sind die Daten für 2018 noch nicht vollständig und dennoch sprechen Alt und Graaf von der höchsten Quote der vergangenen sechs Jahre. Dazu zählen nicht diejenigen, die sich selbstständig gemacht oder einen Minijob erhalten haben. „Das ist ein tolles Ergebnis. Es ist ein Produkt von vielen kleinen Bemühungen und kann sich wirklich sehen lassen“, ist sich Graaf sicher.

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Menschen dann auch automatisch das Jobcenter als Kunden verlassen. Gerade bei mehrköpfigen Familien reiche das Geld nämlich oft nicht aus. Selbst dann nicht, wenn beide Elternteile arbeiten gehen. „Es gibt viele Menschen, die Vollzeit in Lohn und Brot stehen und trotzdem auf Leistungen angewiesen sind“, sagt Alt. Im September 2018 gab es 1042 Stolberger, die Vollzeit arbeiten gingen, davon allerdings nicht leben konnten. Das Positive sei jedoch: „Die meisten Menschen wollen arbeiten“, sagt Graaf.

Diese Erfahrung haben er und Alt auch bei den Flüchtlingen gemacht. Der sogenannte Integration Point in Eschweiler wurde im vergangenen Jahr aufgelöst. Mittlerweile bearbeitet man die Fälle im Jobcenter vor Ort. Unter anderem gebe es eine Dolmetscher-Hotline, die oft genutzt werde. Das bedeutet für die Mitarbeiter des Jobcenter allerdings auch, dass die Beratungsgespräche doppelt so lange dauern. Das erfordere hohes Engagement und sei auch ein Thema für die Zukunft.

Besonders in Bezug auf die Frauen. Schließlich gebe es auch Kulturkreise, in denen es gar nicht gerne gesehen werde, wenn auch die Frauen arbeiten. Da müsse man mit viel Fingerspitzengefühl rangehen, meint Graaf. Man hoffe, dass man aufgrund der sinkenden Arbeitslosenzahlen mehr Zeit habe, um sich mit diesen Menschen intensiver beschäftigen zu können. „Insgesamt haben wir zwar rückläufige Kundenzahlen, aber es kommt keine Langeweile auf“, sagt Graaf.

Weitere Aufgaben, denen man sich in diesem Jahr stellen möchte: „Wir wollen den robusten und stabilen Arbeitsmarkt nutzen“, sagt Graaf. Die sechs Förderzentren, die im vergangenen Jahr in der Städteregion entstanden sind, feiern in diesem Jahr Geburtstag. In Sachen Beratung will man zudem einen neuen Weg einschlagen – auch bei den Arbeitgeberformaten. In diesem Jahr hat die Stolberger Geschäftsstelle bereits sechs Arbeitgebertage mit fünf verschiedenen Arbeitgebern zur Stellenbesetzung stattgefunden. Arbeitgeber haben so die Möglichkeit, ihre Stellen ausgewählten Bewerbern zu präsentieren und in den Räumen des Jobcenters Vorstellungsgespräche zu führen.

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