Stolberger Heimat- und Geschichtsverein organisiert Führung durch Burtscheid

Stolberger Heimat- und Geschichtsverein : Das alte Burtscheid entdecken

Der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein veranstaltete am vergangenen Samstag eine Exkursion zur ehemaligen Reichsabtei in Aachen-Burtscheid.

Kaiser Otto III. (Regierungszeit 996 bis 1002) und Gregor von Kalabrien stifteten im Jahre 997 eine Mönchsabtei, die zunächst den heiligen Apollinaris und Nikolaus geweiht war.

Mit Fertigstellung der ersten Abteikirche 1016/1018 wurde sie jedoch Johannes dem Täufer gewidmet. Im Jahr 1220 wurden die Benediktinermönche durch Zisterzienserinnen vom Aachener Salvatorberg ersetzt. Die Äbtissinnen hatten Sitz und Stimme auf den Reichstagen, doch gehörte das Kloster keinem Reichskreis an. Die Äbtissin Anna Raitz von Frentz, eine Verwandte des damaligen Stolberger Burgherrn Ferdinand Raitz von Frentz zu Kendenich, erbaute 1644 das imposante Abteitor.

Nach einer letzten wirtschaftlichen Blüte im 18. Jahrhundert wurde die Abtei 1794 von den Franzosen aufgehoben, die Abteikirche 1806 zur Pfarrkirche, der Ort Burtscheid zum Hauptort des Kantons Borcette, unter preußischer Herrschaft Bürgermeisterei, bis 1897 die Eingemeindung nach Aachen erfolgte.

Neben dem Abteitor beeindruckte die dominierende ehemalige Abteikirche St. Johann Baptist mit ihrer Schatzkammer die Teilnehmer. Die Exponate in der Schatzkammer, die im ehemaligen Kreuzgang der Abteikirche eingerichtet wurde, erhielten durch die Führung des Vorsitzenden der Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart Holger A. Dux, einen Hauch von Leben und Geschichte. Sehr beeindruckend waren Gewänder und Monstranzen sowie weitere sakrale Gegenstände und Reliquien aus frühen Jahrhunderten, besonders die Nikolaus-Ikone, eine Mosaik-Ikone aus Konstantinopel und die Evermarius-Büste mit dem Haupt des heiligen Evermarius.

Ein weiterer Besuch galt der benachbarten Pfarrkirche, St. Michael, der ehemaligen „Leutkirche“ der Abtei. Sie ist die älteste Pfarrkirche von Burtscheid. Erstmals erwähnt 1252 wurde sie 1751 im strengen französischen Barockstil neu erbaut. Das lange Kirchenschiff weist darauf hin, dass hier eine Kirche für die Gläubigen errichtet wurde, während die Abteikirche den Klosterangehörigen vorbehalten war. Die hochqualifizierte Führung des Historikers machte diese Exkursion zu einem nachhaltigen Erlebnis.

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