Stolberger engagieren sich per Mausklick

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Auf www.stolberghilft.de finden Interessierte alles Wissenswerte rund um das Thema Flüchtlingshilfe in der Kupferstadt. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Welche Hilfsangebote für Flüchtlinge gibt es in der Kupferstadt Stolberg? An wen kann ich mich wenden, wenn ich Kleidung oder andere Dinge für Flüchtlinge spenden möchte? Eine neue Internetseite, die am Montag ins Netz gegangen ist, bietet ganz praktische Hilfestellungen für alle Kupferstädter, die helfen möchten oder Fragen haben.

Entstanden ist die Seite in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ritzefeld-Gymnasium, der Stadtverwaltung und den Akteuren in der Stolberger Flüchtlingshilfe. Das Besondere: Die Internetseite, einzigartig in der Städteregion, hat der 16-jährige Schüler Leon Grot aus Stolberg weitestgehend alleine programmiert.

„Die Idee entstand, als wir im vergangenen Jahr mit der Schülervertretung unterwegs waren“, erklärt Lehrerin Anne Hommelsheim, die das Projekt begleitet hat, bei der offiziellen Vorstellung der Internetseite am Montagmorgen. „Es war den Schülern ein Bedürfnis, sich sinnvoll einzubringen“, so die Lehrerin.

In langen Gesprächen mit Robert Voigtsberger, dem Ersten Beigeordneten der Stadt, sei dann herausgekommen, dass es genau so eine Internetseite wie „Stolberg Hilft!“ bislang noch nicht gab. „Wir haben also unsere Nische gefunden, und Leon hat sich ans Programmieren gemacht.“

Jetzt bietet die neue Plattform für Interessierte einen guten Überblick über das, was in Stolberg für Flüchtlinge getan wird. Es gibt ein Organigramm und eine Rubrik mit den häufigsten Fragen. Dort wird beispielsweise erklärt, welche städtischen Ämter zuständig sind, was der Unterschied zwischen einem Flüchtling und einem Asylbewerber ist.

Als Herzstück der Plattform kann man jedoch das interaktive Formular betrachten. Dort kann man eintragen, wie man sich einbringen oder was man spenden möchte: Möchte ich ein Freizeitangebot machen, ein paar alte Kleidungsstücke abgeben oder Wohnraum zur Verfügung stellen? Über E-Mail wird dann der passende Ansprechpartner direkt informiert.

„Ich war froh, etwas zu programmieren, das so nützlich ist“, sagt der Schüler am Rande der Veranstaltung. Für Leon Grot ist das Programmieren ein Hobby, gelernt hat es der 16-Jährige ab der 5. Klasse in einer AG an der Schule. Etwa 40 bis 50 Stunden Arbeit, so schätzt er, ist in die Seite geflossen, die Inhalte habe vor allem die Stadtverwaltung geliefert. Bis zuletzt habe man die wesentlichen Informationen aller Akteure in der Kupferstädter Flüchtlingsarbeit zusammengetragen, um keinen zu vergessen. „Wenn es weitere aktuelle Sachen gibt, dann werde ich das auch einpflegen“, sagt Leon, der auch später beruflich im Bereich Programmieren unterwegs sein möchte.

„Als ich zum ersten Mal von dem Projekt gehört habe, war mir noch nicht klar, was dahinter steckt“, sagte Ulrich Boddenberg, Schulleiter des Ritzefeld-Gymnasiums, „als ich mich dann eingelesen habe, habe ich festgestellt: Das ist ein Engagement, wie es vorbildlicher nicht sein kann.“

Leon sei ein Kind des digitalen Zeitalters und habe es geschafft, eine Plattform zu kreieren, die das Thema Flüchtlingshilfe einer großen Zielgruppe näherbringt: der gesamten Bevölkerung Stolbergs. Zurecht sei der 16-Jährige nun für den Stifterpreis der Städteregion vorgeschlagen worden. „Und ich hoffe sehr, dass er eine Auszeichnung bekommt“, so der Schulleiter.

„Ich bin sehr froh, dass wir mit dem Projekt in einer Phase an den Start gehen, wo wir uns auf die Integration der Flüchtlinge in Stolberg konzentrieren“, erklärte Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter und Sozialdezernent der Stadt Stolberg. Zunächst habe man sich monatelang nur damit befassen können, sich um eine Erstversorgung der Menschen zu kümmern, „trotzdem haben wir in Stolberg von Anfang an auf eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge Wert gelegt“, so Voigtsberger.

Nun gehe es darum, die Integration der Menschen voranzutreiben: „Wir müssen den Leuten unsere Sprache vermitteln, wir müssen ihnen unsere Gesetze und Werte vermitteln und wir müssen schauen, dass sie Arbeit finden“, so der Dezernent. Die Internetseite der Ritzefeld-Schüler leiste hier einen sehr guten Beitrag. „Ich finde, die Arbeit hat sich wirklich gelohnt“, betonte Voigtsberger.

Beeindruckt vom Engagement der Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums zeigte sich auch Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier: „Es ist beeindruckend, dass sich die Schülervertretung eines Gymnasiums sich so etwas überlegt, und es dann auch noch umsetzt“, sagte das Stadtoberhaupt.

Durch die Plattform mache man es den Menschen, die helfen wollen, sehr viel einfacher. „Überall wird der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel ‚Wir schaffen das!‘ diskutiert. Hier in Stolberg können wir jetzt sagen: So schafft man das!“

Die Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums unterstrichen ihre Haltung in der Flüchtlingsfrage am Montag noch mit einem Auftritt des Unterstufenchors, der den Song „Unsere Stammbaum“ von den Bläck Fööss zum Besten gab.

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