Umfangreiche Sanierung : Das Torburg-Museum wird zum Empfang

Wie so vieles auf diesem Kalkfelsen oberhalb des Vichtbaches hat Stolberg auch die Torburg Moritz Kraus zu verdanken. Der verbindet 1909 seine Schenkung der Burg an die Bürgerschaft mit der Auflage, eben diese Torburg zu errichten.

Die Stadt beginnt auch gleich mit dem Bau, 1910 steht der Rohbau, und 1921 zieht das Bauamt aus dem Rathaus in die Torburg um. Später wurde das Gebäude als Wohnung für städtische Bedienstete genutzt. 1970 bezog der THW-Ortsverband die Liegenschaft, die ab 1983 als Heimat- und Handwerksmuseum genutzt wird.

Aus welchen dieser Zeiten genau die technische Infrastruktur der Torburg mit ihren Seitenflügeln stammt, gehört ins Reich der Spekulation. Sicher ist nur, dass sie alt und bei weitem nicht mehr zeitgemäß ist. Zudem entspricht das verwinkelte und dennoch weitläufige Ensemble nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Brandschutz. Die Kupferstadt muss handeln.

Zweigstelle der Stolberg-Touristik

Die Stadtverwaltung plant umfangreiche Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur des Ensembles, aber auch in die touristische Inszenierung des Torburg-Museums. Es soll zugleich zu einer Zweigstelle der Stolberg-Touristik werden. „Wir wollen Besucher an diesem wichtigen touristischen Ort in Empfang nehmen können“, sagt Tobias Röhm. Bis dahin fließt zwar noch einiges Wasser den Vichtbach herunter. Aber der Technische Beigeordnete unterbreitet dem am 9. Mai tagenden Vergabeausschuss bereits erste Arbeitsaufträge. Beauftragt werden soll die Fachplanung für die Sanierung der Heizungs-, Lüftungs- und Regelungstechnik sowie der Elektrotechnik nebst Brandschutzleistungen.

In diesem Zusammenhang soll die Torburg auch für ihre touristische Zukunft ertüchtigt werden. Denn das Museum soll einen neuen Eingang erhalten. Das sieht die von Anke Asfur und Ricarda Quest im städtischen Auftrag erstellte Konzept zur Nutzung der Burg vor. Anstelle durch die Seifenabteilung und Cafeteria in die Ausstellungsräume zu gelangen, soll ein Empfang im bisherigen Seitentrakt barrierefrei gestaltet werden – dort wo derzeit die Abteilung Kupfer, Messing, Kesselschmiede und Nadelindustrie auf 38 Quadratmeter untergebracht ist. Nebenan soll zudem die Toilettenanlage saniert werden. „Über die Details wird derzeit aber noch mit allen Beteiligten gesprochen“, berichtet Röhm.

Ein Highlight des Torburg-Museums: Rebecca (l.) und Sabrina Schellhoff rösten in der Cafeteria den frischen Kaffee selbst. Foto: Jürgen Lange

Asfur und Quest schlagen vor, den Übergang von den Räumlichkeiten der Tourist-Info in die Ausstellung transparent mit einer Glaswand zu gestalten. Zur Sicherheit im Gebäude sollen die Ausstellungsräume mit einer Videoüberwachung ausgerüstet werden, die es dem Personal in der Touristeninformation ermöglicht, die Räume im Blick zu haben. Die Anforderungen des Brandschutzes erfordern ohnehin einen deutlichen Eingriff in die heutige Substanz.

So ist für die zukünftige Nutzung der Torburg das Treppenhaus von besonderer Bedeutung. Das Brandschutzkonzept sehe die Ausbildung eines Sicherheitstreppenraums vor. Somit steht dieser Bereich nicht mehr für Ausstellungsobjekte zur Verfügung. Allenfalls könne über illustrative oder typografische Farb- und Wandgestaltungen, direkt auf die Wand gemalt, nachgedacht werden.

Nicht nur die Bausubstanz, sondern auch das museale Konzept soll auf Vordermann gebracht und nachhaltig für die Zukunft aufgestellt werden. Dazu soll ein Ausstellungskonzept bei einem Fachbüro in Auftrag gegeben werden. Der  Förderverein des Museums und Stadtarchivar Christian Altena sollen die inhaltliche Überarbeitung begleiten.

Dabei soll ein klaren Profils mit einem deutlichen Schwerpunkt auf vorindustrielle Produktion (Handwerk) und einem Ausblick auf die „Wiege der Industrie“ in Stolberg entwickelt und die Bedeutung des Vichtbachs als Entwicklungs- und Lebensader berücksichtigt werden. Gleichzeitig soll eine Verzahnung mit der Burg- und Stadtgeschichte sowie der touristischen Konzeptionierung des gesamten Burg-Komplexes erfolgen. Unweigerlich werden Teile der bisherigen Ausstellung aussortiert werden müssen, die aber bei Sonderausstellungen wieder zeitweise präsentiert werden sollen. Einbezogen werden soll das Museum in die Entwicklung neuer medialer Vermittlung durch App und Audio-Guide.

Zudem muss bei einer Verlegung des Eingangs ein neuer Raumablauf auch unter dem Aspekt der Barrierefreiheit erarbeitet werden. Ein modernes Museumskonzept geht – neben der Sanierung der technischen Infrastruktur – ins Geld. Asfur und Quest kalkulieren mit 275.000 Euro, davon 55.000 Euro für die Planung und 20.000 Euro für die Einrichtung sowie bauliche Herrichtung der Barrierefreiheit der Tourist-Info.