Vichter Burghof : Der ehemalige Gasthof trägt heute Klinker

Mit dem Ortseingang von Vicht beschäftigt sich heute der 182. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“.

Das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto zeigt links den ehemaligen Gasthof Schreiber, in der Bildmitte die Vichtbrücke mit der früheren Straßenbahntrasse und rechts ein in den 1960er Jahren neu errichtetes Wohnhaus. Der ehemalige Gasthof Schreiber entstand 1854 in einem zweistöckigen Bruchsteinbau, den man im frühen 18. Jahrhundert errichtet hatte. Alte Ansichten aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigen noch das ursprüngliche Bild des Gebäudes: ein barockes Blausteingewände rahmt die nagelbeschlagene Haustür. Gekrönt wird der Eingang von einem Schild aus Zinkguss, das die Aufschrift „Restauration Schreiber“ trägt. 1927 wurde das alte Haus umgebaut. Das Blausteingewände wurde entfernt und der Ursprungsbau erhielt ein größeres Dachgeschoss. Schon um 1870 hatte man dem im 18. Jahrhundert errichteten Haus einen zweistöckigen Anbau hinzugefügt. Kern der Erweiterung war der im Obergeschoss liegende Saal. Der Saal war jahrzehntelang ein beliebter örtlicher Veranstaltungsort für Theateraufführungen, Vereins- und Familienfeiern sowie Karnevalssitzungen. 1968 verkaufte die Familie Schreiber die Traditionsgaststätte an die damals am Willy-Brandt-Platz ansässige Ketschenburg-Brauerei. Danach führte das populäre Restaurant den Namen „Burghof“.

Alte Brücke zerstört

... und in seinem heutigen Aussehen. Foto: Toni Dörflinger

Seit einigen Jahren ist die Gaststätte, in der zuletzt eine Pizzeria ansässig war, geschlossen. Als Beherbergungsbetrieb für Hotelgäste wird das Haus aber nach wie vor genutzt. Sein heutiges Aussehen, eine Verkleidung mit Ziegelsteinklinkern, erhielt der Gaststättenbau in den späten 1990er Jahren. Vorläuferbau der in der Bildmitte liegenden Brücke war ein in Stein errichtetes Bauwerk aus dem Jahre 1855. Im Herbst 1944 wurde die alte Brücke von deutschen Truppen auf ihrem Rückzug gesprengt. Die Zerstörung sollte den Vormarsch der US-Amerikanischen Truppen behindern. Vermutlich wurde dort um 1945 eine Behelfsbrücke aus Holz und Stahl errichtet. In einem im Stadtarchiv vorhandenen Schreiben aus dem Jahre 1947 teilte der damalige Bürgermeister Nikolaus Staner – Vicht gehörte bis 1972 zur Gemeinde Gressenich – dem Oberkreisdirektor des Kreises Aachen mit, dass alle Brücken im Gemeindegebiet zerstört und überwiegend durch Behelfskonstruktionen aus Holz ersetzt seien.

Die heutige Betonbrücke wird demnach wahrscheinlich in den frühen 1950er-Jahren entstanden sein. 1898 wurde Vicht an das regionale Straßenbahnnetz angeschlossen. Demnach wurde die ursprüngliche Brücke schon im späten 19. Jahrhundert um ein Straßenbahngleis erweitert. Auf unseren Fotos ist die alte Straßenbahntrasse rechts der Brücke zu sehen. 1910 wurde die Vichter Linie bis nach Zweifall verlängert. Die Einstellung des Straßenbahnbetriebes erfolgte im Jahr 1961. Seitdem sorgen Busse für den öffentlichen Personennahverkehr. Am rechten Bildrand ist ein kleines Wohnhaus abgelichtet. Es wurde 1961 errichtet. Zuvor hatte an diesem Ort ebenfalls ein Haus gelegen, das aber dem Krieg zum Opfer gefallen war. Und so nutzte man in den früher 1960er-Jahren die Ruine für einen Wiederaufbau.

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