Stolberger Ansichten über Jahrzehnte

Gleich und doch anders: Geschäftshaus hat eine lange Zeit überlebt

Der 137. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich mit der Ecke Kortumstraße/Steinweg. Des weiteren spielt die Bebauung des unteren Steinwegs eine Rolle.

Unser 1974 entstandenes historisches Vergleichsfoto zeigt links ein im späten 19. Jahrhundert entstandenes neobarockes Gebäude, dessen Erdgeschoss bis vor kurzem als Bekleidungsgeschäft genutzt wurde.

Entstanden ist das vierstöckige Gebäude 1896. Bauherr war der Kaufmann Johann Rosskopf. Er hatte die Erstellung des Gebäudes den in Stolberg renommierten Architekten und Bauunternehmer Carl Peltzer übertragen. Peltzer war nicht nur Architekt und Bauunternehmer, sondern auch Investor. Im späten 19. Jahrhundert hatte er nämlich das Gartenland der im Steinweg liegenden Villa Kortum erworben und und das große Terrain mit zahlreichen Bauten ausgestattet, die später an neue Eigentümer verkauft wurden.

Die moderne Ansicht der Ecke Kortumstraße/Steinweg. Foto: Toni Dörflinger

Bestandteil dieses Projektes war auch der eingangs erwähnte große Eckbau an der Einmündung der Kortumstraße. Dieser Bau ist in den zehner Jahren des 20. Jahrhunderts in das Eigentum von Theodor Bertram übergegangen, der dort ein Textilgeschäft etablierte. 1962 wurde das repräsentative Geschäftshaus an die ebenfalls im Textilbereich tätige Firma Kohler verkauft, die im Nachbargebäude bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Bekleidungsgeschäft unterhielt.

Kürzlich hat Kohler seinen Standort gewechselt und ist nun im Burgcenter an der Zweifaller Straße ansässig. Rechts ist auf beiden Fotos ein mehrstöckiges Gebäude abgelichtet, das viele Stolberger, besonders die älteren Jahrgänge, als Filiale der Tengelmann-Gruppe in Erinnerung haben. 1958 eröffnete die Firma Tengelmann dort erstmals ein Lebensmittelgeschäft.

Eine Filiale

Bis in die frühen 1980er Jahre war dort eine Filiale der ebenfalls zur Tengelmann-Gruppe gehörenden Firma Kaisers Kaffee ansässig. Das Unternehmen Kaisers-Tengelmann hat im vergangenen Jahr den Eigentümer gewechselt. Auf unserem historisches Foto ist links eine lange Reihe parkender Fahrzeuge zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt war der Steinweg noch eine zweispurige Fahrstraße. Beidseitig angelegte schmale Gehwege begrenzten die Fahrbahn.

Die Fußgängerzone ist in diesem Bereich in den frühen 1980er Jahren entstanden. Eröffnet wurde sie im Juni 1983 von dem damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes. Man hatte die Fahrbahn entfernt und mit einer Pflasterung aus Betonsteinen ausgestattet. Die Randbereiche wurden mit Bäumen bepflanzt und erhielten eine Belag aus Blausteinplatten. Auf der rechten Seite ist auf dem aktuellen Foto das ehemalige Kaufhaus Victor abgebildet. Das frühere Einkaufszentrum der Monschauer Unternehmerfamilie Victor ist 1989 entstanden.

Durch Abriss

Den Bauplatz hatte man durch den Abriss von drei Altbauten gewonnen, die zuvor kleine Ladenlokale enthalten hatten. Im vergangenen Jahr wurde nach einem Umbau im einstigen Victor-Gebäude unter dem Namen „Rathaus-Carre“ eine Einrichtung für betreutes Wohnen eröffnet.

Die im späten 19. Jahrhundert entstandene Bebauung an der Ecke Kortumstraße/Steinweg ist auch Thema des Vortrages „Die historische Neustadt“, am Dienstag, 20. November, um 19 Uhr, im Saal des Kulturzentrums Frankentalstraße 3. Schließlich ist die im Garten der Villa Kortum entstandene Bebauung ein Bestandteil der historischen Neustadt, die um 1900 den zuvor chaotisch gegliederten Stadtraum verdichtete und ordnete.

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