Stolberg: Stolberger Ansichten über Jahrzehnte hinweg

Stolberg: Stolberger Ansichten über Jahrzehnte hinweg

Nach 44 Jahren hat sich das Stolberger Stadtbild entscheidend verändert. Wo einst Gleisanlagen, Kamine und Fabrikbauten das Bild beherrschten, dominiert heute weit ausladendes Grün und versperrt den Blick auf das links liegende alte Wohnhaus.

Das Schwarz-Weißbild zeigte den paralell zur Buschstraße liegenden Schotterweg im Jahr 1972. Im Gleisbett wuchs damals, ebenso wie an den Rändern Gras: Ein Zeichen dafür, dass die Strecke nur noch unregelmäßig befahren wurde. Die Bahnlinie war 1887 entstanden und verband den Stadtteil Münsterbusch und die dort ansässigen Industriebetriebe mit dem regionalen und überregionalen Eisenbahnnetz. Endpunkt der 3,5 Kilometer langen Bahnstrecke war ein kleiner Bahnhof an der Cockerillstraße. Gesäumt wurde die Bahnlinie von Hinweisschildern und Masten. Die Holzmasten dienten der Stromversorgung. Elektrische Leitungen waren damals oberirdisch verlegt.

„Stolberger Ansichten über Jahrzehnte“, Teil acht: Das Schwarz-Weiß-Bild zeigt die untere Konrad-Adenauer-Straße um 1970. Blickfang der linken Bildhälfte ist der mit Eternit verkleidete Turm der 1864 errichteten Pfarrkirche St. Hubertus. Am Fuße der

Auf den Schildern war ein großes „P“ (steht für „Pfeifen“) auf weißem Grund zu sehen. Denn beim Passieren der Tafeln musste der Lokführer ein lautes Warnsignal abgeben. Schließlich lag wenige Meter unterhalb an der Spinnereistraße ein unbeschrankter Bahnübergang. Benutzer des Überganges konnten so vor dem herannahenden Zug gewarnt werden. Außerdem waren mehrere Gebäude der oberen Buschstraße mit ihren Anbauten und Begrenzungsmauern abgelichtet. Auch drei große Kamine waren zu sehen. Sie gehörten zur Glashütte „Vegla“, heute Saint Gobain.

Von diesen drei Kaminen steht heute noch einer. Links von Gleisanlagen und Weg schiebt sich das Dach eines Wohngebäudes ins Bild. Das Haus, zu erkennen an dem Zeltdach und den großen Gauben, wurde 1923 errichtet und diente Werksangehörigen der Aktien-Spinnerei-Aachen (ASA) als Wohnung. Ferner sind auf der linken Seite Fabrikbauten zu sehen.

Sie gehören zur den weitläufigen Werksanlagen der ASA. Die Spinnerei, hergestellt wurden Garne aus Wolle und Baumwolle, ist 1881 in Aachen gegründet worden und übernahm kurz vor der Jahrhundertwende an der Hammstraße die Gebäude der Spinnerei Philips & Mathee. 1923 entstanden im oberen Bereich — in Richtung Kohlbusch — neue Produktionsgebäude. Diese Anlagen sind mit ihren Dächern und Umfassungsmauern auf dem 1972 erstellten Foto abgelichtet.

Altes Wohnhaus

44 Jahre später hat sich das Bild entscheidend verändert. Wo einst Gleisanlagen, Kamine und Fabrikbauten das Bild beherrschten, dominiert heute weit ausladendes Grün und versperrt den Blick auf das links liegende alte Wohnhaus. Bebauung ist lediglich auf der rechten Seite zu sehen. Dort sind eingerahmt von Bäumen Häuser der Buschstraße abgebildet. Die Bahnstrecke hatte man im September 1980 stillgelegt. Schon 1945 war der Personenverkehr eingestellt worden. Danach wurde die Linie nur noch für den Güterverkehr und gelegentlich für Pilgerfahrten nach Kevelaer genutzt.

Auf dem früheren Gleisbett entstand in den 1980er Jahren ein nach Münsterbusch führender Radweg. Einen Namen hat inzwischen auch der Schotterweg erhalten. Er wird heute als Spinnereistraße bezeichnet. Eine andere Nutzung hat die auf dem alten Foto abgelichtete Wiese gefunden. Auf ihr wurde in den 1990er Jahren ein Spielplatz angelegt.

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