Stolberg: Stolberg wird zur Drehscheibe für die Region

Stolberg : Stolberg wird zur Drehscheibe für die Region

Erstklassig ist der Stolberger Hauptbahnhof jetzt nicht mehr. Der Wartesaal für die Fahrgäste der ersten Klasse ist abgerissen. Er war Jahre nach dem Bau im Dreikaiserjahr 1888 angebaut worden, damit die privilegierten Reisenden der Bahn nicht gemeinsam mit den Kunden der zweiten oder gar dritten Klasse auf ihre Züge warten müssen.

Allerdings war der Anbau selbst so zweitklassig, dass die Denkmalbehörden keinen Wert auf seine Erhaltung legen. Das einzige Stück Nostalgie im äußeren Erscheinungsbild des Hauptbahnhofs, das der Sanierung und der inneren Aufwertung des 122 Jahre alten Gebäudes zum Opfer fällt. An seinem repräsentativen Charakter wird das Ziegelsteinbauwerk nichts verlieren.

Im Gegenteil: Der renovierte Hauptbahnhof soll ab Anfang 2012 auch optisch die zurück erlangte Bedeutung Stolbergs als Dreh- und Angelpunkt für den regionalen und internationalen Bahnverkehr wie auch als Schaltzentrale für das 100 Kilometer umfassende Streckennetz der EVS widerspiegeln. Denn das Stolberger Infrastrukturunternehmen mit dem vielsagenden Namen Euregio Verkehrsschienennetz GmbH richtet hier seine zentrale Betriebsleitung ein für das komplette Streckennetz der Euregiobahn. Das neue elektronische Stellwerk wird das Herzstück sein.

Mit Herzblut würdigen Hildegard Nießen und Axel Wirtz (MdL) die drei Millionen Euro schwere Investition, die die EVS mit Unterstützung von Bund, Land und dem Nahverkehr Rheinland stemmt. „Das ist ein Meilenstein für Stolberg”, unterstreichen die Vorsitzende und ihr Stellvertreter im kommunalen Beirat der EVS die Bedeutung des mit breitem politischen Konsens getragenen Projektes. „Die Standortentscheidung zugunsten Stolbergs ist ein zukunftsweisender Schritt für die weitere Entwicklung des Bahnverkehrs in der ganzen Region”, sagt Wirtz, ohne dabei den von Stolberg gewünschten Anschluss Breinigs ans reguläre Schienennetz zu vergessen.

„Präsentation der Kupferstadt”

Und „die Kupferstadt wird der zentrale Verknüpfungspunkt zwischen dem Regionalverkehr und den internationalen Strecken nach Köln und Düsseldorf”, blickt Nießen bereits auf den Ringschluss des Euregiobahnnetzes zwischen Alsdorf und Stolberg nebst Haltepunkt in St. Jöris bis Ende 2012. „Der Hauptbahnhof ist das Schlüsselprojekt dafür.”

Das gilt zunehmend auch für den Güterverkehr, dessen Erlöse die Defizite aus dem schienengebundenen Personennahverkehr minimieren. Die Gleisfächer des Hauptbahnhofes gewinnen weiter an Bedeutung als regionaler Güterverteilpunkt, unterstreicht EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil den erwartungsvollen Blick in die Zukunft, die an eine betriebsame Vergangenheit anknüpfen soll: Während der 30er Jahre war der Stolberger Hauptbahnhof einer der größten in Deutschland. Das wird auch dadurch dokumentiert, dass der Bahn-Logistiker Schenker-Rail mit einer Repräsentanz vor Ort bleibt.

Auf zukünftige Anforderungen legt die EVS ihren neuen Sitz auch aus. Über 70 Prozent der Fläche in dem Gebäude stehen dafür bereit, berichtet EVS-Geschäftsführer Christian Hartrampf. Eine Fahrradstation wird eingerichtet, und endlich wird ein lang ersehntes, behindertengerechtes WC am Bahnhof zur Verfügung stehen.

Trotz aller erreichten Verbesserungen sind noch einige Wünsche zu klären: In einer Servicestelle soll es neben Snacks auch Informationen geben. „Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich hier auch die Kupferstadt präsentiert”, unterstreichen Nießen wie Wirtz unisono. „Schließlich ist der Stolberger Hauptbahnhof der Dreh- und Angelpunkt für die ganze Region.”

Mehr von Aachener Zeitung