Stolberg: Stolberg wählt Slogan für Sozialkonzept

Stolberg: Stolberg wählt Slogan für Sozialkonzept

Eine Überschrift zu finden ist kein einfacher Job. Sie muss griffig sein und den Text, zu dem sie gehört, zusammenfassen. Am Donnerstagabend haben sich rund 80 Stolberger in der Aula des Ritzefeld-Gymnasiums getroffen, um Vorschläge für eine besonders wichtige Überschrift zu diskutieren: Es geht um nichts geringeres als das soziale Leitbild der Stadt, der Fahrplan für die kommenden Jahre bis 2030.

Der Workshop im Gymnasium bildete einerseits den Abschluss einer wichtigen Phase der Bürgerbeteiligung für die „Soziale Kupferstadt 2030“. Andererseits war es auch ein Auftakt für die nächsten Schritte, die Verwaltung und Bürgerschaft gemeinsam gehen werden.

Auf dem Weg zur Sozialen Kupferstadt 2030: Beim Abschlussworkshop in der Aula des Ritzefeld-Gymnasiums haben alle Teilnehmer wie Anne Graetz als kleines Dankeschön für ihre Mitarbeit ein Holzmedaillon bekommen. Bald können Stolbergs Bürger über den neuen Slogan für das soziale Leitbild der Stadt abstimmen. Foto: S.-L. Gombert

Leo Jansen und Lukas Franzen von der Stolberger Stadtverwaltung stellten den Entwurf für das Leitbild vor, der in den vergangenen Monaten durch die Arbeit von mehr als 200 Beteiligten entstanden ist. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen hatten sich Stolberger Bürger, Verwaltungsmitarbeiter und Funktionsträger zusammengesetzt, um darüber zu beraten, wie man in Stolberg 2030 leben möchte. „Dieses Leitbild wird Handlungsleitfaden für Projekte und Maßnahmen der Verwaltung sein“, betonte Leo Jansen.

Das Leitbild ist in die Bereiche Arbeit und Wirtschaft, Wohnen und Öffentlicher Raum, Vielfalt und Zusammenhalt, Bildung und lebenslanges Lernen, Familien und Generationen sowie Inklusion und Teilhabe untergliedert. Zu den Kernbotschaften gehört unter anderem, dass die Stadtteile eine ausgewogene Sozialstruktur aufweisen sollen, dass alle Menschen einen Schul- und Berufsabschluss schaffen sollen oder dass Stolberg sich als familiengerechte Kommune versteht.

Die städtische Sozialplanung kommt nicht von ungefähr: Im Vorfeld zum Konzept für 2030 war bereits ein Sozialbericht angefertigt worden, den die Akteure am Donnerstagabend auch ansprachen. Der Bericht macht deutlich, dass es in Stolberg — je nach Quartier — ganz unterschiedliche soziale, finanzielle und kulturelle Strukturen gibt. „Man sieht in Stolberg, hier ist eine Menge Dampf auf dem Kessel“, sagte auch Tim Stegmann von der Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung NRW. Er moderierte die Veranstaltung.

Wie wichtig eine gute Sozialplanung ist, betonte Ulrich Boddenberg, Leiter des Ritzefeld-Gymnasiums und Gastgeber an diesem Abend: „An den Schulen merken wir schnell, wie es um die Verhältnisse in den umliegenden Stadtteilen bestellt ist.“

Als Vertreterin der Jugend, die sich ebenfalls am Konzept beteiligt hatte, stand Julia Hellebrand vom Stolberger Jugendparlament auf der Bühne. Sie sagte: „Ich finde es sehr wichtig, dass wir Jugendlichen am Konzept für 2030 mitarbeiten. Dann sind schließlich wir am Drücker.“ Renate Krickel, Leiterin der Grundschule Hermannstraße, sprach als Vertreterin der Grundschulen. Sie warnte davor, den Einrichtungen ein unterschiedliches pädagogisches Konzept zu geben. „Wir Grundschulen müssen in der ganzen Stadt an einem Strang ziehen“, sagte sie.

Eine „generationenübergreifende Ghettoisierung“ will Marcus Alt von der Stolberger Jobcenter Geschäftstelle verhindern. Es ginge darum, Kindern und Jugendlichen mit schwierigem Elternhaus zu helfen, aus diesem Umfeld herauszukommen.

Nach einer kurzen Phase der Gruppendiskussion wurden schließlich die drei präferierten Slogans bekanntgegeben: Sie lauten „lebenswert, vielfältig, solidarisch“, „aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander leben“ und „traditionsbewusst, weltoffen, solidarisch“. Welchen dieser drei Slogans die Verwaltung letztlich als Überschrift für ihr Konzept nimmt, entscheiden nun wieder die Bürger: Noch im Laufe des Jahres soll es eine zwei Wochen lange Abstimmung geben, an der sich alle Bürger beteiligen können.

Ohne die Beteiligung vieler Stolberger hätte die Verwaltung das Projekt nicht in dieser Form umsetzen können, betonte am Donnerstagabend schließlich auch Bürgermeister Tim Grüttemeier. „Es wäre arrogant und falsch zu sagen, auf all die guten Ideen für das Sozialkonzept sei die Verwaltung alleine gekommen.“ Und der Erste Beigeordnete, Robert Voigtsberger, betonte in seiner Abschlussrede, dass man nicht nur die Wahl der Überschrift der Bürgerschaft der Stadt überlassen wolle. Auch bei den nächsten Schritten, bei Maßnahmen und Projekten zur Verbesserung der Lebenssituation in den einzelnen Quartieren, komme es ganz stark auf die Mitarbeit der Menschen vor Ort an.