Stolberg soll neue Bauleitplanung für Zincoli-Gelände beschließen

Industriebrache : Stadtrat soll neue Bauleitplanung für Zincoli-Gelände beschließen

Das nächste Kapitel wird aufgeschlagen für das traditionsreiche Zincoli-Gelände. Stolberg knüpft wieder da an, wo es vor einem Dutzend Jahren bereits stand: Ein neuer Bebauungsplan wird aufgestellt. Ziel: Mit einer kleinteiligen Parzellierung eine flexible Vermarktungsstrategie zu erreichen.

Die Kupferstadt schreibt das Jahr 2006, als die Stadt einen Investorenwettbewerb für das vier Hektar große Zincoli-Gelände auslobt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat das Areal eine Geschichte. Nachdem die Zincoli 2001 Stolberg verlassen hatte, projektierte die Stadt mit einem privaten Investor eine Erweiterung des Dienstleistungszentrums. Dieses „Cebus-Projekt“ scheiterte, weil ein Ankermieter absprang. Dann suchte Stolberg sein Heil mit einem Bau- und Gartenmarkt.

Eine strahlende Siegerin

Die Strabag-Tochter Züblin geht als strahlende Siegerin aus der Ausschreibung hervor mit einem städtebaulich hochwertigen Konzept. 10.500 Quadratmeter Baumarkt plus 3000 Quadratmeter Gartenmarkt nebst Gastronomie am Turm sind als Ankermieter angedacht. Vor der Türe sollen 500 Parkplätze geschaffen werden. Der Platz zwischen Dienstleistungszentrum und Kreuzung wird für einen markanten Baukörper mit 4200 Quadratmeter Nutzungsfläche vorgesehen. Nutzer sollen aus dem Bereich Gastronomie und Hotellerie, Fitness- und Freizeit oder des marktverträglichen Einzelhandel kommen.

Aber sie kommen nicht. Während die Strabag über die Jahre in Gutachten und Bodenuntersuchungen investiert sowie Lösungen für den Verkehrsanschluss präsentiert, schwindet über die Jahre das Interesse der potenziellen Mieter. Zuerst wollen sie einen deutlich kleineren Baumarkt bauen, dann anstelle neuer Nutzungen mit konventionellen Supermärkten innenstadtrelevantes Gewerbe ansiedeln.

Dieses Vorhaben ruft im Januar 2014 die Bezirksregierung auf den Plan. Regierungspräsidentin Gisela Walsken setzt Stolberg die Pistole auf die Brust: Entweder Münsterbusch oder die Innenstadt, lautet ihre Devise. Wenn Stolberg weiter auf das Strabag-Konzept setzt, kann es sich alle Hoffnungen auf eine Förderung für die Innenstadt abschreiben.

Nachdem der Stadtrat mit breiter Mehrheit über all die Jahre das Münsterbuscher Vorhaben goutiert hat, zieht er nun die Reißleine. Kurz vor der Kommunalwahl wird der  Einstieg in den Ausstieg aus dem Strabag-Projekt beschlossen. Kurz danach fließen die Millionen-Förderung für das Entwicklungskonzept Talachse Innenstadt. 2015 folgt der endgültige Ausstieg aus dem Strabag-Projekt.

Nun sitzt Stolberg auf vier Hektar verkehrsgünstig gut gelegene Potenzialflächen ohne Investor. Zunächst versucht es die Stadt mit einem Projektentwickler – gerne erneut mit einem Bau- und Gartenmarkt als Ankergewerbe. Es soll sich keiner finden. Nicht einmal Toom, die für das Strabag-Projekt gehandelte Baumarkt-Kette zeigt Interesse. Dabei verkennt die Rewe-Tochter, dass sie nicht nur ihren Markt an der Mauerstraße verlieren wird. Nachdem sie der Stadt abgesagt hat, stellt sich heraus, dass auch die Filiale in Breinig absehbar schließen muss. Einzelhändler Georg Goffart kündigt seinem Mieter am Eschenweg, weil er an der Stelle von Toom einen neuen Rewe-Markt errichten möchte.

Selbst weitere erhoffte und umworbene Ankermieter für das Zincoli-Gelände, etwa aus der Möbelbranche, zeigen Stolberg die kalte Schulter. Vor einem Jahr können 5000 Quadratmeter an der Ecke von Mauer- und Cockerillstraße an eine Autohandlung verkauft werden. Stefan Sieberichs baut bereits fleißig an seinem neuen Domizil.

Daneben – mit 1100 Quadratmeter Freifläche als beiderseitige Option – will die Stadt in diesem Jahr mit dem Bau der Erweiterung des Dienstleistungszentrums auf 2600 Quadratmeter beginnen. Weitere der gut nachgefragten Werkstatt-Einheiten inklusive Büro sollen entstehen.

Kamin wird erhalten

Erneut ausgeschrieben mit deutlich günstigeren Konditionen werden 2018 die verbleibenden 30.000 Quadratmeter. Ein Erfolg bleibt erneut aus. Im Juli 2018 beschließt der Stadtrat, das Gelände als konventionelles Gewerbegebiet zu entwickeln und selbst zu vermarkten. Damit sind alle bisher verfolgten Zielsetzungen für das Gelände nichtig. Zudem werden erste grobe planerische Rahmenbedingungen beschlossen, wie beispielsweise die äußere Erschließung und den Erhalt des Münsterbusch prägenden Schornsteins der Zincoli. Für diese Neukonzeptionierung soll kurzfristig ein Bauleitverfahren eingeleitet werden.

Das ist jetzt der Fall. Auf seiner Sitzung am kommenden Mittwoch soll der Ausschuss für Stadtentwicklung dem am 19. März tagenden Stadtrat die Aufstellung des Babauungsplans Nr. 175 „Gewerbepark Zincoli-Gelände“ empfehlen – im regulären Verfahren einschließlich Umweltprüfung. „Das Gelände soll städtebaulich so konzipiert werden, dass eine kleinteilige Parzellierung möglich und somit eine äußerst flexible Vermarktungsstrategie umsetzbar ist“, schreibt der Technische Beigeordnete Tobias Röhm dazu in seiner Sitzungsvorlage.

Schlingnatter und Galmeiflora

Aufbauen kann die Stadt dabei aus den Vorleistungen der Strabag. Ihre angefertigten Gutachten für den Standort kauft in diesem Januar der Bau- und Vergabeausschuss an. Der 42.200 Quadratmeter goße Geltungsbereich der neuen umfasst im Wesentlichen den der alten Planung zwischen Mauer-, Cockerillstraße, DLZ / Industriemuseum und der bestehenden (Gewerbe)-Bebauung inklusive der Flächen für die Erweiterung des Dienstleistungszentrum und das im Bau befindliche Autohaus. Die geplante Entwicklung fügt sich in die Vorgaben des Flächennutzungs- und des Regionalplans ein.

Erfolgen muss für das Gebiet noch die – voraussichtlich zweistufige – artenschutzrechtliche Prüfung gemäß den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes. Bekannt ist bereits, dass die geschützte Schlingnatter hier lebt, deren Vorkommen in diesen Frühjahr neu kartiert werden soll. Und die berühmte Galmeiflora in ihrer vollen Breite ist vorhanden. Eine erste Umsiedlung des Bestandes auf seinem Gelände durfte das Autohaus bereits finanzieren.

Bekannt ist zudem die Altlastenproblematik, aufgrund derer eine vollständige Versiegelung des Geländes durch die Gewerbebebauung vorgenommen werden soll. Zudem können Folgen des Altbergbaus auftreten, die man im Rathaus allerdings für beherrschbar hält.

Zunahme der Verkehrsbelastung

Darüber hinaus möchte die Stadt ein Verkehrsgutachten in Auftrag geben. Denn neben diesem Standort werden ein weiteres Gewerbegebiet und eine Wohnsiedlung in Münsterbusch projektiert, das zudem mit einer Zunahme der Verkehrsbelastung durch den Autobahnanschluss bei Eilendorf rechnen kann.

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