1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg: Mit dem Aschermittwoch kommt die Fastenzeit bis Ostern

Bußezeit nach Aschermittwoch : Fasten für ein achtsames und mutiges Leben

Schlag Mitternacht zwischen Veilchendienstag und Aschermittwoch endete die Herrschaft der Narren. In Vicht wurde nach alter Tradition der „Lehmjöres“ in Form einer Strohpuppe durchs Dorf getragen und ihm das letzte Geleit gegeben, damit er dann in einer Zeremonie verbrannt werden konnte, um der Karnevalssession „Adieu“ zu sagen.

In Breinig war es der „Nubbel“, der als Sündenbock für die Ausschweifungen der tollen Tage dem Feuer zum Opfer fiel. In einem theatralischen Trauermarsch betrauerte die Karnevalsgesellschaft der Sündenböcke laut jammernd das Ende des Karnevals. Nun sind die tollen Masken abgelegt, die bunten Kostüme wieder in den Schrank gehängt und die „Schwüre von Treue“ haben sich in Schall und Rauch aufgelöst.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, auch österliche Bußzeit genannt, in Vorbereitung auf Ostern. Sie erinnert an die vierzig Tage, die Jesus der biblischen Überlieferung nach in der Wüste verbracht hat und endet am Ostersonntag. Da die Sonntage nicht als Fastentage gezählt werden, spricht man auch oft von sieben Wochen. Nach „Humtata und Tätärä“ werden jetzt ruhigere Töne zur Entschleunigung und Besinnung angeschlagen.

Franz Körfer, Kirchenmusiker in Stolberg-Breinig, zum Beispiel spielt in den Gottesdiensten zum Aschermittwoch Musik von Johann Sebastian Bach, Choralvorspiele („O Mensch, bewein dein Sünde groß“, „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“), die die Verzweiflung über eine Menschheit, die in ihrer Unvernunft und Verblendung alle Hoffnung auf das Heil in den Wind schlägt, zum Ausdruck bringen. Bei Jo Schulte, ebenfalls Stolberger Kirchenmusiker, sind es Lieder wie „Hör Schöpfer mild, den Bittgesang“, „Bekehre uns, vergib die Sünde“ oder „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ aus dem „Gotteslob“, (katholisches Gebet- und Gesangbuch).

Viele Menschen haben in der Fastenzeit das Bedürfnis, wenigstens einmal im Jahr eine Zeit lang auf etwas zu verzichten oder die eigene Mitte neu zu entdecken – entweder aus spirituellen oder gesundheitlichen Gründen. Doch hier geht es weniger um kosmetische Korrekturen, was die Figur betrifft, sondern vielmehr um eine „Glaubenshaltung, die in die Tiefe geht“ (Karl Rahner). Damit ist eine innere Erneuerung der Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gemeint, was oftmals eine Umkehr einschließt und Aufforderung zu tätiger Liebe ist.

Erholung für Leib und Seele

Fastenzeit ist Lernzeit. Die Christen werden dazu angeleitet, das eigene Leben zu überdenken und wenn nötig, die Weichen neu zu stellen, denn wie es in der Gesellschaft zugeht, hängt von jedem einzelnen ab, der mitentscheidet. Die stillen Zeiten helfen und laden zum Unterbrechen, Entspannen und Erholen an Leib und Seele ein. Ob Besinnungstage mit Impulsen, Zeiten der Einzelbesinnung und des Gemeinschaftsgespräches, Gebet und Schriftbetrachtung oder andere spirituelle Angebote wie Weltgebetstag, Exerzitien im Alltag, Qigong und Bogenschießen, Meditation und Tanz, das Angebot ist vielfältig. Es soll helfen, gegen die Schwerkraft der eigenen Trägheit und des alltäglichen Sich-Dahintreiben-Lassens zu arbeiten und die innere Stimme, Gottes Stimme, zu finden. Sie soll den Menschen in einer Weise leiten, die schwer nachzuvollziehen ist, aber dennoch für einige oft ganz richtig liegt, wenn es um Schwierigkeiten und Warnungen geht.

Das Aschenkreuz, das der Priester den katholischen Christen als Symbol der Vergänglichkeit des Lebens auf die Stirn zeichnet, stammt aus verbrannten geweihten Palmzweigen und erinnert an die Endlichkeit, dass sie „Staub sind und wieder zum Staub zurückkehren“. Es steht symbolhaft für all das Überflüssige, das Künstliche, das Zwanghafte, das Lieblose, das viel zu oft im Vordergrund steht. Wie der Mensch des Anfangs sind alle der Erde nah und zugleich zu neuem Leben in Gottes Geist befreit.

Die Fastenzeit ist kein Gebot und auch kein Privileg des christlichen Glaubens allein. Für die Christen der orthodoxen Kirche beginnt die große Fastenzeit am 11. März. Sie feiern das Osterfest nach ihrem Kalender dieses Jahr eine Woche später als die Christen im Westen, also am 27. April. Der eigentliche Sinn ihres Fastens ist „die Speise der Seele. Wie die körperliche Speise stärkt, so macht das Fasten die Seele kräftiger und verschafft ihr bewegliche Flügel, hebt sie empor und lässt sie über himmlische Dinge nachdenken“. (Johannes Chrysostomos, um 350-407).

Ramadan heißt der islamische Fastenmonat, der in diesem Jahr vom 6. Mai bis 5. Juni stattfindet. Er ist im Koran verankert und gehört zur religiösen Pflicht der Muslime. Neben dem „äußeren“ Fasten hat es auch eine „innere“ Dimension. Der Muslim soll darauf achten, sich von Sünde – zum Beispiel nichts Schlechtes reden, auf nichts Böses hören, nicht Verabscheuungswürdiges tun – freizuhalten, um die Zufriedenheit Gottes (Allahs) zu erlangen. Zudem beschäftigt er sich mit dem Lesen des Korans, betet mehr als sonst und besucht die Gottesdienste.

Allen Religionen ist gemeinsam, dass sie etwas loslassen, was sonst zum täglichen Leben dazu gehört, dass sie in eine lebendige Beziehung mit Gott treten und ihm zutrauen, dass er ihr Leben verändern kann. Dazu gibt es eine klare Anleitung: Beten ja, aber nicht offensichtlich an jeder Straßenecke, um bewundert zu werden. Fasten ja, aber nicht nur als Entschlackungskur, sondern ganzheitlich, dabei nicht so aussehen, als plagten sie sich damit. Kurzum: es kommt darauf an, einfacher, achtsamer, einsatzfreudiger, vertrauensvoller, illusionsloser, gegenwärtiger und mutiger zu leben.