Stolberg: Im Notfall mal eben nach Eschweiler fahren?

Schließung der Notfallpraxis Stolberg : Im Notfall mal eben nach Eschweiler fahren?

Scheinbar steht es fest, aber offiziell will es keiner aussprechen: Die Notfallpraxis am Bethlehem Krankenhaus könnte schon ab Januar 2019 geschlossen sein. Mehrere Quellen haben unserer Zeitung bestätigt, dass die Ärzte in Stolberg bereits schriftlich darüber informiert worden seien.

Auch die Bürgerinitiative „Notfallpraxis Stolberg“ teilte kürzlich in dem Sozialen Netzwerk Facebook mit: „Nun ist die Katze aus dem Sack. Wie uns zu Ohren gekommen ist, soll die Notfallpraxis am Bethlehem Krankenhaus hier in Stolberg zum 1. Januar 2019 geschlossen werden.“ Diese Information habe man von Mitarbeitern einer örtlichen Arztpraxis, erklärt Stefan Doncks, Sprecher der Initiative.

Bei Facebook machte er außerdem klar, dass die Bürgerinitiative mit diesem Ergebnis mehr als unzufrieden ist. „Wir sind stinksauer“, heißt es in der Gruppe, der 1500 Mitglieder angehören. Seit drei Jahren setzt sich die Initiative für den Erhalt der Notfallpraxis ein. Drei Jahre, in denen sich Spekulationen über die Schließungspläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gefestigt haben. Drei Jahre, in denen ein „offenes Geheimnis“ für Verunsicherung sorgt. „Die KV spielt nicht mit offenen Karten“, sagt Doncks.

Zuletzt teilte die KV mit, dass die Organisation des ambulanten Notdienstes im Rheinland überarbeitet werde, für die Städteregion aber nichts feststehe. Stimmt das oder ist das Ganze nur Hinhalterei? Das fragen sich derzeit einige Bürger. Denn schon 2014 gab es Überlgungen, die Notfallpraxis von Eschweiler und Stolberg zusammenzulegen. Diesen bereitete aber der Widerstand der Bürger ein Ende. Ob deshalb nun der heimliche Weg gewählt wird, ist reine Spekulation.

Der Widerstand hat seinen Grund. An die Notfallpraxis – nicht zu verwechseln mit der Notaufnahme eines Krankenhauses – können sich Bürger am Wochenende sowie am Abend wenden, und zwar mit Beschwerden, die hausärztlich versorgt werden können. Würde diese künftig in Stolberg wegfallen, müssen Patienten zur Notfallpraxis des St.-Antonius-Hospitals nach Eschweiler fahren. Besonders für Menschen mit wenig Mobilität und geringem Einkommen, wie etwa vielen Senioren, könnte das zum Problem werden, da der Weg mit Bus und Taxi umständlich und teuer sein kann.

Nach Informationen der Bürgerinitiative soll diese Regelung aber nur für Erwachsene gelten, Kinder könnten dagegen weiterhin in Stolberg bei einem hausärztlichen Notfall behandelt werden. Das könnte ein ganz anderes Problem eröffnen: „Müssen Eltern und Kinder mal zur gleichen Zeit zum Arzt, müsste man nach diesem Modell die Notfallpraxis in Eschweiler und in Stolberg besuchen“, vermutet Doncks.  „Es ist ja nicht unüblich, dass man sich in einer Familie gegenseitig ansteckt.“

Außerdem geben Kritiker zu bedenken, dass die Eschweiler Notfallpraxis dann für ungefähr doppelt so viele Einwohner zuständig wäre wie bislang – bei vermutlich gleichem Personaleinsatz. Die Gründe für die Schließung der Notfallpraxis sind zwar unklar, liegen aber auf der Hand. „Vermutlich um Kosten zu sparen und wegen des Ärzte-Mangels“, sagt Doncks.

10.000 Ärzte fehlen

Auch Andreas Gassen, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, kündigte im Juli an, wegen des enormen Ärztemangels effizientere Strukturen zu schaffen, indem der Notdienst neu organisiert wird. 10.000 Ärzte fehlen in Deutschland, sagte Gassen. Immer mehr Patienten gingen in die Krankenhausnotaufnahme, obwohl sie dort eigentlich nicht hingehörten, erklärte er. Im Extremfall könne das dazu führen, dass für echte Notfälle keine Kapazitäten vorhanden seien.

Sollte die KV nun tatsächlich, die Notfallpraxis in Stolberg schließen, dürfte sie wieder auf großen Widerstand der Bürger stoßen. Stefan Doncks von der Bürgerinitiative kündigte bereits eine Demonstration an, und rechnet mit mehr als 500 Leuten. Wann diese stattfinden soll, stehe noch nicht fest und würde kurzfristig bekannt gegeben.

Im Frühjahr sammelte die Initiative bereits 8000 Unterschriften von Stolbergern gegen eine Schließung. Auch wurden diese Unterschriften von Seiten der Stadt an die Kassenärztliche Vereinigung geschickt, eine Reaktion habe es aber nie gegeben, erklärt Robert Walz. Eine Schließung der Notfallpraxis lehne die Stadt ab.

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