Stolberg: Stolberg gehen die Bademeister aus

Stolberg: Stolberg gehen die Bademeister aus

Der Geräuschpegel unter dem Becken im Keller des Hallenbades Glashütter Weiher ist hoch: Es rauscht, plätschert und dröhnt. Das von einer dicken Betonwand eingefasste Becken erstreckt sich an dieser Stelle vier Meter nach oben. Manfred Beissel löst die Schrauben eines Gitters in der Wand.

Dahinter kommt eine Lampe zum Vorschein, die an ein paar Kabeln hängt. Beissel deutet in das Loch, das sich auftut: „Hier kann man ins Becken schauen.“ Das Loch wird eigentlich von einem Beckenscheinwerfer ausgefüllt, für dessen Wartung Beissel verantwortlich ist. Beissel ist Techniker, Wasserchemiker, Arzt, Lehrer und Animateur: Beissel ist Bademeister.

Rund 26.000 sogenannte Fachkräfte für Bäderwesen, so der korrekte Ausbildungstitel, arbeiten laut den Angaben des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister (BDS) in rund 6500 Bädern in Deutschland. Immer mehr Stellen bleiben allerdings unbesetzt; Deutschland gehen die Bademeister aus. 2500 Fachkräfte werden nach den Schätzungen des BDS-Präsidenten Peter Harzheim gerade gesucht — die Stadt Stolberg hat ebenfalls zwei Stellen ausgeschrieben. Gesucht werden ein Auszubildender und eine Fachkraft für Bäderwesen. Ausgeschrieben ist die Auszubildenden-Stelle seit Januar. Bisher haben sich nur wenige junge Menschen gemeldet.

„Ich habe immer gern Sport gemacht“, erzählt Beissel. Er arbeitet seit inzwischen 29 Jahren im Hallenbad und hat dort auch seine Ausbildung gemacht. Beissel legt jedes Jahr die Rettungsschwimmerprüfung ab, ist fit in Erster Hilfe, kennt sich mit Wasseraufbereitung aus. Er überwacht mit seinen Kollegen jeden Tag den pH-Wert des Schwimmbades, misst Chlorwerte, führt Besucherstatistiken.

Außerdem gibt er Schwimmkurse und Kurse in Wassergymnastik. In seiner Ausbildungszeit war er täglich drei bis vier Stunden im Wasser. Er habe jeden Tag mit Menschen zu tun und das möge er an seinem Job, sagt er. Dass es immer weniger angehende Bademeister in Deutschland gibt, führt er auf Schichtarbeit und einen Bruttolohn von 2000 bis 2500 Euro nach der Ausbildung zurück. „Wenn man bedenkt, dass man täglich 400 bis 500 Leute beaufsichtigt ist das erstmal wenig Geld“, sagt er. Dennoch: der Beruf werde nie langweilig.

Auch BDS-Präsident Peter Harzheim weiß, dass der Beruf des Bademeisters viel abverlangt. „Als Bademeister ist man Sicherheitsgarant für Hunderte Menschen“, sagt Harzheim. Aber mit 1300 Euro Nettolohn sei es schwer, eine Familie zu ernähren. Dazu kommen noch rund 950 Euro Zulagen für beispielsweise Wochenendarbeit. Aber auch Harzheim, der seit 40 Jahren als Bademeister arbeitet, betont: „Wenn man in das strahlende Gesicht eines Kindes schaut, dem man Schwimmen beigebracht hat, ist das toll.“ Man sei eine Art Lebenshelfer und die positiven Momente des Jobs überwiegen eindeutig.

Übernahmechancen sind gut

„Als städtischer Angestellter hat man in dem Job natürlich Sicherheit“, sagt Beissel. Außerdem sei eine Übernahme nach der Ausbildung wahrscheinlich. Beissel hat nach seiner Ausbildung auch noch den Meister gemacht und ist inzwischen selbst Ausbilder. Mit neun anderen arbeitet er im Team im Hallenbad in Stolberg.

„Es gibt großen Bedarf nach noch einer Kraft“, sagt Petra Jansen vom Amt für Schule, Kultur, Sport und Tourismus in Stolberg. Der Auszubildende wird ab August gesucht, eine fertig ausgebildete Fachkraft ab sofort, damit Beissel und sein Team entspannt arbeiten können. Frühschichten von 6 bis 14 Uhr und Spätschichten von 14 bis 23 Uhr müssen besetzt werden. Drei Leute müssen pro Schicht im Schwimmbad sein — zwei am Beckenrand, einer an der Technik — damit alles reibungslos verläuft, sagt Jansen.

Wenn Vereine oder Schulen schwimmen, müssen sie eine zweite Beaufsichtigungsperson stellen. Einer vom Team des Hallenbades steht aber immer am Beckenrand. Das sich unter dem Becken Hightech befindet, die Beissel und sein Team am Laufen halten, wissen die Schwimmer meistens nicht, wenn sie oben das Wasser genießen. Dabei mache die Technik und die Physik seinen Beruf gerade so interessant, sagt Beissel. „Nur das Becken beaufsichtigen — das wäre mir zu langweilig.“

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