Stolberg gedenkt der aus der Kupferstadt verschleppten Roma

Gedenkfeier am Hauptbahnhof : Erinnerung und Mahnung zugleich

Alljährlich zum 2. März findet am Gustav-Wassilkowitsch-Platz am Stolberger Hauptbahnhof eine Gedenkstunde an die am 2. März 1943 aus Stolberg nach Auschwitz verschleppten und dort ermordeten Roma statt.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 sind die letzten 3000 Sinti und Roma im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet worden. Jetzt trafen sich Vertreter der Stadt Stolberg, der Gruppe Z, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN BDA), Schülerinnen und Schüler der Kupferstädter Gesamtschule sowie Betroffene, Angehörige, Freunde und Unterstützer.

Der Erste Beigeordnete Robert Voigtsberger eröffnete die Veranstaltung und gedachte aller Opfer des Nazi-Regimes. Er betonte die aktuelle Situation und die Verantwortung eines jeden der eigenen Geschichte und dass es heute immer mehr den Anschein mache als seien „die Lehren der Vergangenheit noch immer nicht Verinnerlicht“.

Rosen werden zum Gedenken am Fuß des Mahnmals niedergelegt. Foto: Christina Vedar

So werde mit der jährlichen Gedenkveranstaltung und dem Mahnmal die Geschichte greifbar gemacht, um die Erinnerungskultur am Leben zu halten. Horst Meuser ging detailliert auf die Geschichte der Sinti und Roma ein. Es wird klar, dass diese Volksgruppe, die Sinti sind eine Untergruppe der Roma und sprechen einen anderen Dialekt, seit jeher verfolgt, vertrieben, ausgegrenzt und heimatlos waren.

Meuser geht Jahrhunderte weit in der Geschichte zurück und berichtet von der Verfolgung nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika. Der Nährboden für die Verfolgung während des Zweiten Weltkrieges sei bereits durch Otto von Bismarck gelegt worden, der die „Zigeunerplage“ ausrief. Doch auch nach dem Krieg endete die Verfolgung nicht – ganz im Gegenteil – noch heute würden die Roma verfolgt und erlebten Ausgrenzung.

Weiterhin ausgegrenzt

Sie leben vorwiegend in großer Armut in Bulgarien, Rumänien oder Griechenland, weil dort auch nicht akzeptiert, und finden ihren Weg nach Deutschland auf der Suche nach einem besseren Leben. Und auch in Deutschland erlebten sie Ausgrenzung und Ablehnung.

Eine ganz persönliche Geschichte berichtet Iris Biesenwinckel aus Köln, die für einen Vater und eine Familie sprach, die Anfang der 1990er Jahre aus Ex-Jugoslawien vor dem Krieg floh und in Deutschland aufgrund von Hass und Rassismus ihre Tochter nach einem Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim verloren haben. Offiziell sei der Anschlag auf das Flüchtlingsheim in Köln nicht als rassistische Gewalt eingestuft worden, die Täter seien bis heute unbekannt und die Familie lebe seit fast 30 Jahren ohne gesicherten Aufenthalt in Deutschland. Auch das seien Zeichen verstecktem Rassismus mit dem die Familie täglich leben müsse.

Ralf Dallmann liest ein Interview von Wilhelm Meyer, ein Zeitzeuge, der als Junge miterleben musste wie Roma festgenommen und deportiert worden sind. Das traumatische Erlebnis, das er als Junge erleben musste, beschäftige ihn sein Leben lang.

Schülerinnen und Schüler der Kupferstädter Gesamtschule widmeten sich im Religionsuntericht von Christina Radermacher den Roma aus Stolberg, die am 2. März nach Auschwitz verschleppt worden sind.

Sie fragten sich „was wäre wenn, das damals nicht passiert wäre, wenn diese Menschen noch leben würden, weiter gelebt hätten, Familie gegründet hätten?“.

„Was wäre wenn ...“

So entstanden fiktive Geschichten zu den damals verschleppten Kindern, die eindrucksvoll von dem Schülersprecher Deniz Macherey und der Lehrerin Christina Radermacher vorgetragen worden sind. Erlebbare Erinnerungskultur in Stolberg par Excellence.