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Archivale des Monats Februar: Stiftung „Stolberger Fechtclub 1950“ erlaubt Einblick in die Zeitgeschichte

Archivale des Monats Februar : Stiftung „Stolberger Fechtclub 1950“ erlaubt Einblick in die Zeitgeschichte

Im Jahr 2019 präsentiert das Stadtarchiv Stolberg monatlich als „Archivale des Monats“ eine der Stiftungen der Bürger der Kupferstadt, die von 2016 bis 2018 abgegeben wurden. Zwölf historische Schätzchen sollen interessante Einblicke in die Stadtgeschichte geben und stellvertretend allen Stiftern als Dank für ihre vielfältige Unterstützung gelten.

„Fechter-Weltklasse in Stolberg“ titelte die Lokalzeitung am 22. November 1954 und beschrieb weiter ein „Fechten in höchster Vollendung“, das die Fechter des Stolberger Turnvereins 1862 an dem Abend gegen ein jugoslawisches Spitzenteam vorführten. 1950 war der Fechtclub gegründet worden und fünf Jahre später lösten sich die Sportler vom STV und bildeten einen eigenen Verein.

Kurz nach Aufhebung des Verbots des Fechtsports war der Verein offiziell gegründet worden, denn die alliierte Militärregierung der Nachkriegszeit hatte ihn als paramilitärische Sportart eingestuft. Einige Zeitungsseiten, die Festschrift mit dem Programm zum 10jährigen Bestehen, zehn Originalfotografien der 1950er Jahre und ein Sport-Pass bilden diesen kleinen Nachlass eines Fechters, der 1953 hinzugestoßen war.

Die Fotos im Kleinformat zeigen die Fechter und Fechterinnen bei Wettkämpfen auf dem ehemaligen Sportplatz Hermannstraße sowie bei ihrer Teilnahme am Festzug zum Stadtjubiläum 1956. Damals war auch ein großes Schauturnier durchgeführt worden, in dem die Stolberger gegen eine Mannschaft der Universität von London siegreich waren. Einiges mehr verrät die Broschüre bspw. über Florett-, Degen- und Säbelfechten oder den künstlerisch wertvoll gestalteten Wanderpreis „Stolberger Ring“, den die Aachener Vereinskollegen 1956 nach dreimaligem Gewinn endgültig in Besitz nahmen.

Zusammenstellung mehrerer Dokumente der Stiftung: Festschrift, Fotos, Sport-Pass und Zeitungssausschnitte. Foto: Stadtarchiv Stolberg

Zum Jubiläum fand der „Kampf der Acht“ als internationales Freundschaftsturnier in der neu erbauten Berufsschule am Obersteinfeld statt. Aus Brüssel, Den Haag, Armentieres in Frankreich sowie Bonn und Düsseldorf kamen die Turnierpartner, worunter insgesamt elf Olympiateilnehmer waren. 1952 wurde mit Erika Dienstl, die einst bekannteste Stolberger Fechterin, Mitglied, das zeitlebens dem Fechtsport als Funktionärin treu blieb.

1986 wurde sie Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, außerdem ist sie Trägerin der Bundesverdienstkreuzes und des Olympischen Ordens des IOC – weitaus mehr wird an anderer Stelle über diese große Persönlichkeit geschrieben werden, ebenso wie über die historische Entwicklung des Stolberger Fechtsports.

Diese Stiftung ans Stadtarchiv steht beispielhaft für einen kleinen Beitrag zur Zeitgeschichte, den das Stadtarchiv mit privater Unterstützung leisten kann. Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und „Gedächtnis der Stadt“ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.