Sternsinger in Stolberg trotzen Nachwuchsproblemen

Dreikönigstag : Sternsinger trotzen Nachwuchsproblemen

Jedes Jahr rund um den Dreikönigstag am 6. Januar machen sich kleine Sternsinger auf, um den Bürgern den Segen zu bringen und gleichzeitig für Kinder in Not zu sammeln. Doch in vielen Dörfern ist die langjährige Tradition in Gefahr, weil sich immer weniger Teilnehmer finden.

So ist es auch in der Pfarre St. Markus in Mausbach. Mit gutem Teamwork und einer erfahrenen Organisationstruppe schaffen die Sternsinger es trotzdem, weiterhin Segen zu bringen und Segen zu sein.

Zu den Organisatoren gehören Markus Nöllen, Katrin Nöllen und Luisa Bauer sowie Martha Krott. Letztere ist seit über 30 Jahren Bestandteil des Teams und kümmert sich vor allem um die Vorbereitung im Vorfeld. „Da gehört zu, dass man die Kleider in Ordnung bringt und die Kinder benachrichtigt“, erzählt sie, „das mache ich etwa zwei Monate vorher.“ Meist wendet sich Krott an Kommunionskinder und Messdiener. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder sich daran beteiligen, andere zu unterstützen, denen es schlechter geht.“

Krott betont jedoch auch, dass sie die Organisation nicht alleine stemmen könnte. Am Tag selbst seien es die jungen Erwachsenen, die sich um die Einteilung, das Geldzählen und die Verwaltung kümmern. Denn die 66-Jährige ist anders beschäftigt: Sie geht als Betreuerin selbst mit durch Mausbachs Straßen. „Die Kleider bügel ich vorher allerdings alleine“, fügt sie lachend hinzu.

Insgesamt sind es nur noch 18 Kinder und Jugendliche, die 2019 als Sternsinger unterwegs sind. Weil so nicht mehr garantiert werden kann, dass jeder Bewohner Besuch von den Kindern bekommt, gab es in diesem Jahr erstmalig eine neue Vorgehensweise. Menschen, die unbedingt die Sternsinger empfangen wollten, konnten sich im Vorfeld dafür anmelden. Telefonisch, per Mail oder mit einem Anmeldezettel haben diese Möglichkeit 52 Haushalte wahrgenommen. Eine gute Quote, wie Krott und das Organisationsteam finden. Damit hat sich die Methode bewährt und soll im nächsten Jahr wieder zum Einsatz kommen. „Es war ein bisschen organisatorischer Aufwand, aber ich denke, wir haben das ganz gut hingekriegt“, bilanziert Markus Nöllen.

Hohe Spendenbereitschaft

Trotzdem müssen die restlichen etwa 4500 Einwohner nicht gänzlich auf die Sternsinger verzichten. „Eine Gruppe fährt mit dem Auto die angemeldeten Haushalte ab, die restlichen sind auf dem klassischen Weg unterwegs“, berichtet Nöllen. Normalerweise sei Mausbach in den letzten Jahren immer in 14 Bezirke aufgeteilt gewesen, die dann nach und nach abgearbeitet wurden. Die Aufteilung existiert immer noch, allerdings kann nicht mehr jeder Bezirk abgelaufen werden.

Doch es gibt nicht nur negative Entwicklungen zu verzeichnen. Die Spendenbereitschaft in diesem Jahr scheint besonders hoch zu sein. Mit einem vorläufigen Gesamtwert von 2373,44 Euro haben die Sternsinger mehr gesammelt als in den letzten Jahren. Dieses Mal geht das Geld an behinderte Kinder in Peru und weltweit. Die erfolgreichste Gruppe brachte über 400 Euro von der Tour in Bezirk 3 mit. Das rief prompt glückliche Gesichter und eine Menge Stolz hervor.

Das Organisationsteam um Martha Krott, Luisa Bauer, Katrin Nöllen und Markus Nöllen (v.l.) ist zufrieden mit dem diesjährigen Spendenbetrag. Foto: ZVA/Caroline Niehus

„Das ist hier immer ein regelrechter Wettstreit“, erzählt Luisa Bauer belustigt. Aber auch sie muss zugeben: „Wir sind dieses Jahr richtig gut!“ Die Freude darüber bringt zwei Kinder sogar dazu, nach der Stärkung durch Hot Dogs gleich nochmal los zu ziehen. Ob es den beiden Zehnjährigen nicht zu kalt ist? „Nein eigentlich nicht, ich hab nur an den Fußspitzen etwas gefroren, aber die sind schon wieder aufgetaut“, erzählt Greta, die zum zweiten Mal dabei ist. Und ihre Freundin Nina ergänzt: „Genau, meine Oma hat immer gesagt, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

Den beiden macht das Spendensammeln sichtlich Freude, ganz stolz erzählen sie von ihrem Einsatz als Sternsinger: „Mir macht es Spaß, dass ich nicht für mich sammel, sondern für andere. Ich habe ja genug Taschengeld“, sagt die zehnjährige Greta. Und Nina findet es sehr nett, dass viele Leute etwas für Kinder in Not zahlen. Für beide steht fest, dass sie im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sind. Dann möchten sie auch noch mehr Menschen erreichen. Aber dafür, dass einige Leute die Tür nicht geöffnet haben, hat Nina auch eine Erklärung: „Vielleicht haben manche noch geschlafen, um halb zehn ist es ja schon noch früh!“

Definitiv schon wach war die siebenjährige Adalie, die in diesem Jahr die jüngste Sternsingerin war. Gemeinsam mit ihrem Bruder und Mutter Nadine Lasiota war sie unterwegs und hat ausgerüstet mit Gewand, Krone, Spendendose, einem Stern sowie Kreide und Aufklebern 228,14 Euro gesammelt.

Besonders stolz zeigte sich auch Pastor Norbert Bolz, der die Sternsinger nach getaner Arbeit noch einmal besuchte. „Ich bin sehr froh, dass die jungen Leute ganz unterschiedlichen Alters noch dabei sind, das ist toll!“ Durch die Bank sei das Ganze jedoch rückläufig. Als möglichen Grund dafür macht Bolz aus, dass viele nur noch auf sich selbst bezogen leben würden. „Das Bewusstsein für diese Aktion ist nicht mehr so gegeben wie früher.“ Die Leute freuten sich aber dennoch über die Sternsinger, deshalb habe man den Spieß umgedreht und die Möglichkeit der Anmeldung geschaffen, damit auch ja niemand leer ausgehe. „Durch die Spenden können wir über unsere Kirchtürme hinaus wirken“, freut er sich.

Beim Rathausempfang der Sternsinger freute sich Robert Voigtsberger (r.), Erster Beigeordneter, über ein tolles Bild mit rund 30 Sternsingern, die danach auch der Stadtverwaltung den Segen brachten. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Eine besondere Ehre wurde rund 30 Sternsingern gestern zuteil: Der Erste Beigeordnete der Stadt, Robert Voigtsberger, empfing sie im Rathaus. Er bedankte sich gemeinsam mit Gemeindereferentin Petra Morschel bei den Kindern: „Dank euch lebt das Sternsingen weiter, wir sind als Stadt ganz stolz auf euch!“ Auch Kinder der Kita Clara Fey halfen beim anschließenden Sammeln in Rathaus und Innenstadt.