Stellenanzeige der Peltzer-Werke sorgt für Verwirrung

Nach fast 160 Jahren war Schluss : Stellenanzeige der Peltzer-Werke sorgt für Verwirrung

Seit dem 1. Dezember gehören die Stolberger Peltzer-Werke der Vergangenheit an. Nach fast 160 Jahren war Schluss in dem Unternehmen, das sich zunächst an der Prattelsackstraße und später am Schwarzen Weg befand. Doch daran kamen nun Zweifel auf. Wird bei Peltzer etwa doch noch gearbeitet?

Der Grund für die Verwunderung: In der vergangenen Woche tauchte auf einem Job-Portal im Internet eine Stellenanzeige auf. In dieser wurden Vertriebsmitarbeiter für den Innen- und Außendienst gesucht.

Die Aufgaben der Bewerber: die Gewinnung, Beratung und Betreuung von Geschäftskunden, die telefonische Neukundenakquise, die Intensivierung bestehender Kundenbeziehungen, die Erschließung von neuen Märkten und Einführung von neuen Produkten sowie die Vorbereitung und Teilnahme an Fachmessen und die Angebots- und Bestellabwicklung. Eigentlich gar nicht so ungewöhnlich – wäre da nicht der Arbeitgeber: die Peltzer-Werke.

 Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen erneut Insolvenz anmelden. Dr. Dirk Wegener übernahm – bereits zum zweiten Mal – die Rolle des Insolvenzverwalters. Das Verfahren wurde im November 2018 eröffnet. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden auch die ersten Mitarbeiter freigestellt.

Für den Betrieb war es nicht die erste Insolvenz. Erst kurz vor dem Weihnachtsfest 2017 verkündete Peltzer-Geschäftsführer Hans-Josef Mertes das Ende der letzten Insolvenz. Für ihn und seine Mitarbeiter gingen damit zwei turbulente Jahre zu Ende. Umsatzeinbußen, Personalabbau und nicht gezahlte Löhne und Gehälter brachten dem Stolberger Traditionsunternehmen in der Vergangenheit nämlich immer wieder Negativschlagzeilen ein.

Energiekosten reduzieren

Im Rahmen einer Umstrukturierung reduzierte man die Energiekosten und verkleinerte die Räume. Doch auch diese Maßnahmen halfen scheinbar nicht. Die Zahlung der Löhne blieb auch nach dem Ende der Insolvenz aus.

Immer wieder reichten die Mitarbeiter deswegen Klagen ein. Insolvenzverwalter Wegener war sich bei der erneuten Insolvenz bereits sicher, dass das Unternehmen nicht die besten Zukunftsaussichten habe.

Diese Annahme bestätigte sich dann auch relativ schnell. Kein Interessent meldete sich für den Aufkauf des Unternehmens. Es gebe nichts zu verkaufen, weder Anlagevermögen, noch gute Kundenbeziehungen oder andere besondere Alleinstellungsmerkmale. Mit nur noch 35 Mitarbeitern und 120.000 Euro Umsatz pro Monat seien die Peltzer-Werke außerdem zu klein, um Interesse zu wecken, erklärte Wegener im November gegenüber unserer Zeitung.

Angesprochen auf die Stellenanzeige, zeigte er sich nun überaus überrascht. Man habe den Betrieb zum 1. Dezember eingestellt, erklärte er. Und auch der ehemalige Peltzer-Geschäftsführer Hans-Josef Mertes konnte sich die Stellenanzeige im Internet nicht erklären. Die Firma Peltzer sei aufgelöst, sagte er. Derweil erklärten nun einige ehemalige Mitarbeiter, dass der Betrieb vor Ort weitergeführt werden und noch zwölf Personen beschäftigt seien – allerdings unter anderen Firmennamen. Ruhig wird es um die Peltzer-Werke auch nach ihrer offiziellen Schließung scheinbar nicht.

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