Stolberg: Steinweg: Weichen alte Häuser einem neuen Platz?

Stolberg: Steinweg: Weichen alte Häuser einem neuen Platz?

Zwei vor Augen und zwei im Sinn: Nach diesem Muster geht es weiter voran mit der Umgestaltung der Stolberger Innenstadt. Während im Quartier Frankental der neue Weiher, Flaniermeile, Promenade und Sayette-Garten erste Konturen annehmen, sowie auf dem Kaiserplatz die neuen Dimensionen abgeschätzt werden können, nimmt die Verwaltung nun den vierten Ausbauabschnitt ins Visier: den oberen Steinweg.

Wenn Frankental und Kaiserplatz im kommenden Frühjahr eingeweiht werden, werden die verbliebenen Teile von Rathaus- und Salmstraße zur Baustelle. 2018 sollen sich die Bagger im südlichen Teil der Fußgängerzone tummeln können. Um diesen Zeittakt weiter einhalten zu können, steigt Tobias Röhm nun ein in die heiße Planungsphase für das vierte Quartier.

An der Ecke von Burg- und Klatterstraße ist der Blick frei auf die Vicht. Die größte Strecke fließt sie versteckt hinter Häusern und unter Überbauten. Foto: J. Lange

„Wie bereits bei unseren ersten Schritten, wollen wir erst recht bei der Planung für die Fußgängerzone die Bürger intensiv einbeziehen“, beteuert der Technische Beigeordnete. Für Dienstag, 28. Juni, sind deshalb alle Interessierten ab 18.30 Uhr zu einer Planungswerkstatt in den großen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen.

Außengastronomie

Sie funktioniert nach dem mittlerweile etablierten Muster. Die Verwaltung hat ein Planungsbüro — in diesem Fall Regina Stottrop aus Köln — beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für das Viertel zwischen Rathausumfahrt, Stielsgasse, Mühlenstraße und Vichtbach zu erstellen. Die Planerin stellt ihre Analyse und erste Ideen für die Zukunft vor.

Dann sind die Bürger gefordert: In unterschiedlichen Arbeitsgruppen sollen sie ihre Vorstellungen für einen der am meisten debattierten Abschnitte der Innenstadt zu Papier bringen. Anhand der Vorschläge der Stolberger erarbeitet die Planerin dann einen Vorentwurf, der in den Ratsausschüssen und erneut mit den Bürgern diskutiert werden soll. Bereits heute darf man sich auf spannende Diskussionen und interessante Anregungen freuen, das hab lassen jedenfalls kontroverse Debatten zum oberen Steinweg aus der Vergangenheit erahnen.

Im Rahmen der Konzeptionierung des Entwicklungsprojektes für die Innenstadt konstatiert die Stadtverwaltung: Während der untere Steinweg mit funktionierendem Einzelhandel noch eine wichtige Verbindungsfunktion zum Kaiserplatz besitzt, „ist der obere Steinweg hingegen ist geprägt durch einen starken Struktur- und Bedeutungsverlust in Verbindung mit einer zunehmenden Leerstandsquote“. Fehlende Frequenz, zunehmendem Qualitätsverlust, fehlender Aufenthaltsqualität und nicht ausreichende Stellplätze sind weitere Stichworte.

Gerne mit Außengastronomie

Um diesen negativen Trend zu stoppen, solle eine neue und nachhaltige Perspektive für den oberen Steinweg entwickelt werden. Das Quartier soll profiliert und positioniert werden, um sich als attraktive und kleinteilige Altstadt mit Flair abzuheben und so die „Fußgängerzone zu einem Anziehungspunkt zu machen“. Dazu soll die Aufenthaltsqualität an zentraler Stelle erhöht werden: Ein neuer Platz — gerne mit Außengastronomie — soll die Keimzelle für eine Wiederbelebung bilden.

Dabei soll sich dieser „Quartiersplatz“ einreihen in die Kette von kleineren und mittleren Plätzen, die zwischen Oberstolberger Markt und Kaiserplatz ohnehin schon vorhanden sind. Ebenso wie derzeit der Aufwertung des Kaiserplatzes läuft, wird für 2019 eine Umgestaltung von Willy-Brandt-Platz und Zweifaller Straße angestrebt, um so den südlichen Eingang in Innen- und Altstadt aufzuwerten.

Besser erlebbar werden soll die Vicht. Einerseits ist für eine Realisierung in zwei, drei Jahren angedacht, einen Weg entlang dem Ufer zu führen. Er sollst möglichst durch das Bachbett führen, zumindest aber Zugänge und begehbare Aufenthaltsbereiche anbieten.

Andererseits soll der Bach erlebbarer werden, indem man ihn hinter der Bebauung hervorholt. Genau dies schwebt den Planern für den oberen Steinweg vor, wo die Stadt in den vergangenen Wochen Hauseigentum erworben hat, um es gegebenenfalls abreißen zu können.

„So könnte ein Platz geschaffen werden, der einhergehend mit der Förderung von gastronomischen und kulturellen Nutzungen zum Verweilen einlädt und damit einen eigenen Altstadt-Flair generiert“, soweit formuliert es zumindest die Konzeptstudie. Ob die Stolberger das genau so sehen, wird sich bei der Planungswerkstatt zeigen können.

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