Stolberg: Steinbruch Gehlens Kull: Drei Generationen sorgen für Ordnung

Stolberg : Steinbruch Gehlens Kull: Drei Generationen sorgen für Ordnung

„Es war genau hier“, sagt Mohammad Ehsan Yazdani und zeigt auf den kleinen See, der sich mitten im Stolberger Naherholungsgebiet Gehlens Kull befindet. Mittlerweile ist dieser zugefroren, doch das Eis beginnt bereits zu schmelzen. Yazdani sucht mehrmals in der Woche den Stolberger Steinbruch auf. Allerdings nicht als Besucher, sondern als Ehrenamtler.

Er sammelt den herumliegenden Müll ein und stattet die Vogelhäuschen mit Futter aus. So auch vor rund zwei Wochen. Mit der Entdeckung, die er an diesem Tag machte, hatte er allerdings nicht gerechnet. Die fünf Bänke, die rund um den kleinen See aufgestellt sind, lagen allesamt im Wasser. Unbekannte hatten sich einen Spaß daraus gemacht, die gestifteten Sitzgelegenheiten im See zu versenken. Mit viel Mühe und der Hilfe seiner beiden Brüder konnte Yazdani die Bänke schließlich wieder herausfischen. „Aber das war gar nicht so einfach“, sagt er. Mittlerweile stehen sie wieder am Ufer — so, als wäre nie etwas geschehen. Doch die Enttäuschung über so viel Zerstörungswut bleibt — nicht nur bei ihm.

Geschockt und erleichtert

Dass Vorfälle wie diese immer mal wieder vorkommen, weiß Walter Meuthen. Der Stolberger, der an der Bergstraße wohnt, ist sozusagen die gute Seele der Gehlens Kull. Täglich dreht der 81-Jährige in dem Naherholungsgebiet seine Runde. Als der Vorfall mit den Bänken geschah, verweilte Meuthen im Urlaub in Spanien. Als er von davon erfuhr, war er zwar geschockt, zeigte sich allerdings auch erleichtert darüber, dass Yazdani bereits reagiert hatte. „Es ist schön, dass es noch Menschen gibt, die bereit sind, sich um die Natur zu kümmern, die sie hier vorfinden“, sagt Walter Meuthen.

Mohammad Ehsam Yazdani ist einer von ihnen. Seit rund drei Jahren lebt der 27-Jährige, der ursprünglich aus Afghanistan kommt, in Stolberg. Kennengelernt haben sich Meuthen und er — wie könnte es anders sein — in Gehlens Kull. „In der Sommerzeit ist dort immer ein reges Treiben und ich habe kein Problem damit, die Menschen, die dorthin kommen auch anzusprechen. Ich frage sie dann, wie es ihnen hier gefällt und mit und mit erfährt man eine Menge über sie“, sagt Walter Meuthen und lacht. So lief es auch bei Yazdani ab. Meuthen sprach den jungen Mann an und der war von dem Naherholungsgebiet derart angetan, dass er entschied, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Das war im Sommer des vergangenen Jahres. Was hat sich seitdem geändert? So einiges. „Früher war das hier eine richtige Müllkippe. Die Leute, die hierher kamen, haben ihren Dreck einfach liegen lassen“, sagt Meuthen. Stück für Stück habe sich das geändert. Erst wurden Papierkörbe und Hundebeutel-Spender aufgestellt. Seitdem Yazdani mehrmals in der Woche seine Runden dreht, sei es noch besser geworden. Oft wird der 27-Jährige von Spaziergängern angesprochen, die ihn fragen, was er tue. „Wenn ich ihnen davon erzähle, sind sie begeistert“, sagt er.

Handschuhe und Greifzange

Mohammad Ehsam Yazdani ist jedoch nicht der einzige Ehrenamtler, der dafür sorgt, dass Gehlens Kull sauber wird und bleibt. Die Siebtklässler Mohamet Adem, Justin Dost und Yanick Steinheuer von der Kupferstädter Gesamtschule in der Breslauer Straße sind ebenfalls ein Mal in der Woche in dem ehemaligen Steinbruch unterwegs. Ausgestattet mit Handschuhen und einer Greifzange machen sie sich jeden Montag an die Arbeit.

Im Rahmen des Sozialprojekts „Helfende Hände“ unterstützen die Schüler Meuthen bei der ehrenamtlichen Arbeit. „Diese jungen Menschen haben erkannt, dass es sich lohnt, so etwas in der Stadt zu haben. Es ist toll, von ihnen unterstützt zu werden“, sagt Meuthen. Nicht nur er ist von der Arbeit angetan, sondern auch die Jugendlichen. Ihnen macht die Arbeit Spaß. „Es ist wichtig, dass wir den Müll wegmachen, damit die Tiere nicht ersticken“, sagt Mohamet Adem.

Ihm und seinen Mitstreitern gefällt besonders die außergewöhnliche Tierwelt in Gehlens Kull . Dazu gehören nicht nur zahlreiche Vogelarten — darunter auch Arten wie der Bussard oder der Eisvogel —, sondern auch Echsen. Von der Tier- und Pflanzenwelt sind auch Meuthen und etliche andere Stolberger angetan. Regelmäßig erhält der Rentner Futterspenden für die Vögel. Unterstützt werde er dabei auch von Förster Theo Preckel.

Meuthen und Yazdani hoffen, dass das Thema Vandalismus sich in Gehlens Kull nun erst einmal wieder erledigt hat. Es werde so viel ehrenamtliche Arbeit in das Naturzentrum gesteckt, „da muss man vor den Helfern den Hut ziehen. Wenn dann aber so etwas passiert, ist das einfach nicht fair“, sagt Meuthen.

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